Fahrtbericht Opel Mokka

Punktsieg in der Wachstumsbranche

Von Michael Kirchberger
© F.A.Z., Opel, F.A.Z.
Der Opel Mokka

Der Winter hatte noch lange nicht aufgegeben, eine flockige weiße Schicht lag auf den Straßen und Autodächern des Rhein-Main-Gebiets. Drei Buben tobten auf dem Weg zur Schule durch den Schnee. Plötzlich hörte einer von ihnen mit dem Schneeballwerfen auf, bliebt wie angewurzelt stehen. „He, guckt mal, das ist ein Mokka!“ Schnell wischte er das zarte Weiß vom Typenschild, „ein Diesel“, verkündete er fachmännisch. „Mokka, Mokka“, skandierte die Rasselbande, dann zog sie weiter. Zuvor jedoch hinterließen die drei ihre Namen auf der beflockten Heckscheibe: Patrick, Tobias und Max waren hier und fanden das kleine SUV von Opel offensichtlich interessant.

Zugegeben: Das kleine Schauspiel ereignete sich nicht allzu weit entfernt vom Stammsitz der Marke in Rüsselsheim. Anderswo wird dem 4,28 Meter langen Viertürer vielleicht nicht ganz so viel Aufmerksamkeit zuteil. Andererseits haben laut Opel seit Ende vorigen Jahres schon mehr als 90000 Kunden einen bestellt. Das verwundert nicht, denn der Mokka gibt eine gute Figur ab und ist eine echte Bereicherung des Modellprogramms. Schnell und zielsicher widmet sich Opel einer der wenigen Automobilklassen, denen in den nächsten Jahren erhebliches Wachstum zugetraut wird. 18990 Euro kostet das Grundmodell mit 1,6-Liter-Benziner, der 85 kW (115 PS) leistet. 23380 Euro sind für die 96 kW (130 PS) starke Dieselversion mit Frontantrieb fällig. Permanenter Allradantrieb als Wunschausstattung ist mit 2000 Euro zu bezahlen.

Der Mokka setzt auf Höhe, steht daher weniger satt und breit als andere auf 18 Zoll großen Rädern. Die Front mit der dicken Chromspange über dem Kühlergrill ist markentypisch, betonte, leicht ausgestellte Kotflügel geben dem Wagen letztlich doch eine solide Statur. Hierfür sorgt außerdem die rundum angebaute Beplankung. Sie ist nicht in Wagenfarbe lackiert, sondern in schlichtem Kunststoffgrau gehalten, wodurch sie kleine Rempeleien auf dem Parkplatz unbeschadet übersteht.

Guter Sitz vor vielen Knöpfen

Innen empfängt den Fahrer das gewohnte Opel-Design. Lobenswert: gut ablesbare Rundinstrumente und eine zweifelsfreie Kennzeichnung und Anordnung der Bedienungselemente. Die Chance, die mit Knöpfen und Tasten überfrachtete Mittelkonsole aufzuräumen, haben die Opel-Gestalter dagegen nicht genutzt. Auch der Bildschirm von Bordcomputer und Navigationsanlage wirkt mit seiner groben Pixelung nicht gerade taufrisch. Ablagen gibt es in ausreichender Zahl und Größe, vor allem die Literflaschen-tauglichen Türtaschen und das doppelte Handschuhfach helfen, Ordnung zu halten. Die Übersicht ist dank der hohen Sitzposition vorzüglich, nur nach hinten wird der Blick von der arg klein geratenen Heckscheibe eingeschränkt. Zudem sind die Rückspiegel klein. Zumindest beim Rangieren hilft eine Rückfahrkamera, die allerdings mit 270 Euro extra zu bezahlen ist und mit dem teuersten Navigationssystem (700 Euro) kombiniert werden muss.

Opel Mokka 1.7 CDTI ecoflex
© F.A.Z., F.A.Z.
Opel Mokka 1.7 CDTI ecoflex

Klasse sind dagegen die Sitze. Hier hat sich Opel in den vergangenen Jahren schon öfter mit bestem Komfort und ergonomisch korrekter Gestaltung hervorgetan, im Mokka reist es sich formidabel und selbst auf langen Strecken weitgehend ermüdungsfrei. Die Schenkelauflage ist ausreichend lang, wohltuend die Unterstützung der Schultern, und die leicht erhabenen, aber nicht zu harten Sitzkanten geben guten Halt, ohne beim Ein- und Aussteigen zu behindern. Auf der Rückbank ist das Platzangebot kaum knapper als vorn, die Passagiere reisen keinesfalls in der Holzklasse. Die Rückenlehnen sind asymmetrisch geteilt und lassen sich umklappen. Für eine ebene Ladefläche müssen zudem die Sitzflächen aufrecht gestellt werden. Das gelingt in wenigen Augenblicken und vergrößert den Laderaum von 356 auf 1372 Liter. Das Verstauen des Gepäcks ist ebenfalls eine leichte Übung. Die Heckklappe schwingt weit auf, die Ladekante ist niedrig. Unter dem soliden Laderaumboden finden sich überdies Fächer für Service- oder Pannenmaterial.

Kraftvoller Diesel für schaltfreudige Fahrer

Der Vierzylinder-Diesel, der einzige in der überschaubaren Motorenpalette des Mokka, ist ein alter Bekannter, der schon seit vielen Jahren in Opel-Autos Dienst tut. Er geht eher brummig ans Werk und ist kein Meister der Elastizität. Erst bei 1700 Umdrehungen in der Minute stellt er ausreichend Drehmoment bereit, 90 Prozent von 300 Newtonmeter liegen dann an. Zusammen mit der langen Übersetzung führt dies zu erheblicher Schaltarbeit mit dem manuellen Sechsganggetriebe, anders ist das Triebwerk nicht auf Touren und bei Laune zu halten. So war eine Messung des Durchzugsvermögens von 50 bis 100 km/h im sechsten Gang nicht möglich. Beim Anfangstempo dreht sich die Kurbelwelle gerade mal 700 Mal in der Minute, der Motor liefert keinen verwertbaren Schub, dafür aber ein arg gequältes Brummen. Immerhin ist die Schaltung präzise und leichtgängig, wenn die Drehzahl stimmt, wird der Diesel-Mokka sogar richtig dynamisch.

Dann kommen außerdem die Vorzüge des straff abgestimmten Fahrwerks zum Tragen. Das kleine, lederbezogene Lenkrad liegt gut in der Hand, die Lenkung lässt zwar Antriebseinflüsse spüren, gibt aber im Gegenzug prächtige Rückmeldungen über den Traktionszustand der Räder. In Kurven bleibt das Kompakt-SUV stoisch auf Kurs, neigt im Grenzbereich zu unkritischem Untersteuern. Die Bremsen erfreuen mit einem präzisen Druckpunkt, zielgenau kommt der Mokka zum Stehen.

Der Verbrauch bewegt sich im Rahmen des Üblichen. 5,9 Liter Diesel als Durchschnitt für 100 Kilometer liegen zwar deutlich über dem Normwert (4,7 Liter), gehen aber angesichts der beachtlichen Fahrleistungen in Ordnung. Mit etwa 4,7 Liter Treibstoff je 100 Kilometer kommt aus, wer es gemütlich angehen lässt. Die serienmäßige Start-Stopp-Anlage verrichtet ihre Arbeit zuverlässig.

Was nicht dabei ist, kann man noch kaufen

Die Ausstattung des noch ganz frischen Opel-SUV ist wohlüberlegt zusammengestellt. Die Edition-Version bekommt außer der Geschwindigkeitsregelanlage, CD-Radio mit USB-Anschlüssen und Bluetooth-Verbindung, Zentralverriegelung, Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern auch Leichtmetallräder und Auspuffendrohre aus Edelstahl. Als Extras bietet Opel unter anderem das Sicherheitslicht AFL (1250 Euro) und die Frontkamera (700 Euro) an, die eine ganze Reihe von Assistenzsystemen mit Daten versorgt. Sie erkennt Verkehrsschilder, ob der Wagen unbeabsichtigt die Spur verlässt, warnt bei drohenden Auffahrunfällen und hilft, den korrekten Abstand zum Vorausfahrenden einzuhalten. In dieser Klasse und in diesem Preissegment findet sich dergleichen selten, ebenso Komfort-Extras wie Sitz- und Lenkradheizung.

So kann es sein, dass Max, Tobias und Patrick in einigen Jahren ihre Namen nicht auf verschneite Heckscheiben, sondern unter einen Kaufvertrag schreiben. Für diese Generation des Opel wird die Zeit bis zum Führerschein nicht mehr reichen. Aber dieser Mokka muss ja nicht der letzte Mokka sein.

Technische Daten

Preis :
Empfohlener Preis 23 380 Euro, Preis des Testwagens 27 520 Euro

Motor :
Vierzylinder-Dieselmotor, Turbolader, Direkteinspritzung, vier Ventile je Zylinder,
1686 Kubikzentimeter Hubraum Leistung 96 kW (130 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 300 Nm bei 2000/min, 90 Prozent davon ab 1700 bis 3500/min

Manuelles Sechsganggetriebe Antrieb auf die Vorderräder

Abmessungen:
Länge/Breite/Höhe 4,28/1,78/1,66 Meter
Radstand 2,56, Wendekreis 10,9 Meter
Leergewicht 1415, zulässiges Gesamtgewicht 1959 Kilogramm
Anhängelast 1600 Kilogramm
Kofferraumvolumen 356 bis 1372 Liter
Tankinhalt 52 Liter
Reifengröße 215/55 R18 97

Verbrauch:

Verbrauch 4,6 bis 7,9, im Durchschnitt 5,9 Liter Diesel je 100 km; 124 g/km CO2 bei Normverbrauch 4,7 Liter; Tankinhalt 52 Liter
Verbrauch 4,6 bis 7,9, im Durchschnitt 5,9 Liter Diesel je 100 km
124 g/km CO2 bei Normverbrauch 4,7 Liter

Geschwindigkeit:
Höchstgeschwindigkeit 193 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 9,9 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang 9,2/17,6 s;

Garantie:
Zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, zwölf Jahre gegen Durchrostung,
Wartung alle 30 000 km oder jährlich

Versicherungs-Typkl. HP 18, TK 22, VK 20

Nächste Woche: Mitsubishi Outlander 2.2 DI-D 4×4

Quelle: F.A.Z.
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