Auto & Verkehr
Kompaktklasse von Mercedes

Plötzlich alles anders gemacht

Von Boris Schmidt
© Hersteller, F.A.Z.

Als Mercedes-Benz von fünf Jahren das Experiment A-Klasse beendete und statt eines Microvans auf einen konventionellen Kompaktwagen setzte, waren viele Branchenexperten skeptisch. Der ungewöhnliche kleine Mercedes hatte viele Fans, die sich im neuen A nicht mehr wiederfanden. Würde ein schlichter Kompaktwagen à la Volkswagen Golf von der Mercedes-Klientel angenommen werden? Und wie er es wurde! Seit 2012 sind mehr als zwei Millionen Autos verkauft worden, im vergangenen Jahr waren es allein 626 000. Die alte A-Klasse kam über ihre gesamte Laufzeit von 1997 bis 2012 in Deutschland auf rund 960 000 Einheiten, das beste Jahr war 1999 mit gut 100 000 verkauften Exemplaren.

Die hohe Stückzahl heute lässt sich freilich nur erreichen, weil Daimler die A-Klasse auf fünf Fahrzeuge erweitert hat. Die vanartige B-Klasse steht auf der gleichen Plattform, außerdem tragen das SUV GLA und das viertürige Coupé CLA sowie der Kombi CLA Shooting Brake zum Erfolg bei. Eine Ausweitung in dieser Form wäre mit dem technischen Konzept der alten A-Klasse nicht möglich gewesen. Weil es so gut läuft, will Mercedes-Benz jetzt noch drei weitere Ableger auf die Plattform stellen.

Was genau, wird noch nicht verraten. Zu erwarten ist ein GLB, also ein größeres SUV, eine viertürige, klassische Limousine sowie ein Cabriolet oder Roadster. Das erste Modell aus diesem Trio wird nächste Woche auf der Automesse in Schanghai vorgestellt. Vor allem die klassisches Limousine mag überraschen, weil diese Bauform in Deutschland kaum noch gefragt ist, doch in anderen Märkten sieht das anders aus. Audi feiert zurzeit Erfolge mit der A3-Limousine, jeder dritte A3 hat die klassische Bauform. Die alten A-Kunden sollen zur B-Klasse greifen, zumindest in Deutschland tun sie das halbwegs. Mit 30 700 Neuzulassungen im vergangenen Jahr steht sie kaum schlechter da als die A-Klasse mit ihren 34 200 Einheiten.

Jeder zweite A-Kunde fuhr vorher kein Auto mit Stern

Ja zum A sollen vor allem junge Kunden sagen, und Mercedes vermeldet, der Altersdurchschnitt der A-Klasse-Käufer sei um 13 Jahre gefallen. Damit liegt er freilich noch immer bei Mitte vierzig. Wichtiger ist die Eroberungsrate, jeder zweite A-Kunde in Deutschland fuhr vorher kein Auto mit Stern, in Europa liegt diese Quote den Angaben zufolge sogar bei 70 Prozent. Für die Tuning-Tochter AMG ist die A-Baureihe ebenfalls ein Türöffner. Mehr als die Hälfte der Neukunden kommen über einen AMG A 45 oder AMG GLA sowie CLA.

Hilfreich ist offenbar die riesige Auswahl an Modellen; 70 Varianten gibt es, die Motorenpalette reicht von schmalen 90 bis 381 PS, Allradantrieb ist möglich, und die B-Klasse gibt es zudem in einer rein elektrischen Variante. Vermarktet wird die kompakte Baureihe in 170 Ländern. Gebaut werden die kleinen Sternenträger in Rastatt, dem ursprünglichen A-Klasse-Werk, sowie in Finnland bei Valmet, in China und seit 2012 auch in Ungarn, im damals neuen Werk, in das 800 Millionen Euro investiert worden waren. Dort entstehen die B-Klasse und der CLA. Bisher wurden 600 000 Mercedes in Kecskemét produziert. Das Werk wird jetzt auf fast die doppelte Kapazität erweitert, es werden abermals 580 Millionen Euro in die Hand genommen, die Zahl der Mitarbeiter steigt um 2500 auf rund 6000. Dazu schafft Daimler neue Produktionskapazitäten in Mexiko.

Als letztes Modell aus dem Quintett wurde jetzt der 2013 gestartete GLA einer kleinen Auffrischung unterzogen. Es erfolgten einige optische Retuschen, es gab geänderte Stoßfänger, eine größere Auswahl an Leichtmetallrädern und eine 360-Grad-Kamera. Neu ist außerdem ein 2,0-Liter-Benzinmotor mit 184 PS im GLA 220 4 Matic. Dieser Motor kommt jetzt auch in anderen Fahrzeugen der Baureihe zum Einsatz. Der Grundpreis des GLA 220 4Matic beträgt 37 146 Euro. Der Einstieg in die Welt der A-Klasse gelingt günstiger, aber nie billig: mit 24 680 Euro für den A 160 mit 102 PS.

Quelle: F.A.Z.
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