Auto & Verkehr
Rhein-Ruhr-Express

Surfen auf Schienen

Von Peter Thomas
© dpa, F.A.Z.

Siemens hat damit begonnen, einen Zug-Prototyp für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) zu testen. Der neue Fahrzeugtyp soll Ende nächsten Jahres in Betrieb genommen werden. Alles in allem sind 82 Elektrotriebzüge des Typs Desiro HC für das neue Netz schneller Regionalzüge vorgesehen.

Der RRX mit seiner Stammstrecke zwischen Köln und Dortmund ist für sieben Linien in der Metropolregion Rhein-Ruhr vorgesehen. Er rangiert zwischen den Angeboten Regionalexpress (RE) und Fernverkehr – also dort, wo die Bahn einst mit ihren Interregio-Zügen präsent war. Siemens hat vor zwei Jahren den Zuschlag für die Lieferung der Züge sowie deren Wartung für 32 Jahre bekommen. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Sieben Vorserienfahrzeuge sollen eingesetzt werden

Jede Zugeinheit besteht aus vier Wagen: zwei Doppelstockwagen in der Mitte sowie einstöckige End- und Steuerwagen mit zusammen 400 Sitzplätzen. Für einen möglichst effizienten Verkehrsfluss werden die RRX-Garnituren mit Fahrerassistenzsystemen für vorausschauendes Bremsen und Beschleunigen ausgerüstet. Der erste Prototyp wird nun im Siemens-Prüfzentrum Wegberg-Wildenrath in der Nähe von Mönchengladbach getestet. Zudem sollen demnächst sieben Vorserienfahrzeuge eingesetzt werden.

Für die Fenster des RRX werden nach Angaben des Herstellers weltweit erstmals „Hochfrequenz-Scheiben“ verwendet. Dabei handelt es sich um wärmegeschützte Fenster mit verringerter elektromagnetischer Abschirmung im Hochfrequenzbereich. Fahrgäste sollen durch besseren Mobilfunkempfang profitieren. Herkömmliche moderne Zugfenster schirmen Mobilfunkwellen teilweise ab. Diese meist großflächigen, nicht zu öffnenden Eisenbahnfenster bestehen aus Innenscheibe, Isolierspalt und Außenscheibe. Metallbeschichtungen verringern das Eindringen von Infrarotstrahlung (Wärmeeinstrahlung), schirmen allerdings auch andere Bereiche des Spektrums ab, beispielsweise die für den Mobilfunk eingesetzten Dezimeterwellen.

Als Lösung wird aus der Metallbeschichtung der Fenstergläser mit Laser ein Linienmuster herausgebrannt, das die Abschirmung für Funkwellen gezielt verringert, während die Wärmeschutzeigenschaft erhalten bleibt. Siemens spricht von einer „fünfzigfach stärkeren Signalleistung bei den Mobilfunkbändern“. Außer telefonierenden und surfenden Passagieren dürfen sich auch die Betreiber der Züge freuen. Laut Hersteller müssen sie künftig keine speziellen Mobilfunk-Repeater im Zug mehr verbauen. Stattdessen konzentriert sich die bordeigene Kommunikationstechnik künftig auf das Angebot von W-Lan-Verbindungen.

Quelle: F.A.Z.
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