Autofarbe

Rote Schönheit

Von Wolfgang Peters
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Wir sind vergesslich und gewöhnen uns schnell an Veränderungen in der Welt des Autos. So hat sich in den vergangenen zehn, zwölf Jahren in der automobilen Population ein deutlich sichtbarer, aber nicht wirklich notierter Wandel vollzogen. Aber er wird plötzlich deutlich, wenn er sich präsentiert: Wie schön ein Auto sein kann, das rot ist. Eine Farbe, die einst wie selbstverständlich auf den Straßen präsent war, nicht dominierend, aber viel häufiger als heute. Und wie sehr wir diese emotionale und irgendwie positive Farbe doch vermisst hatten. Das wird deutlich, als das neue Auto im dunkleren und doch pulsierenden Rot neben den anderen Vehikeln in und vor unserer Garage in der Sommersonne glüht: Ein gut 22 Jahre alter Alfa Romeo 146 hat sich nach einer trefflichen Übernahmeentscheidung eingefunden. Passend zum alten, silbergrauen Kombi-Schweden von Volvo und zum auch schon acht Jahre in unseren Diensten tuckernden schwarzen Mazda-Kleinwagen, der glänzt wie neu. Der alte Alfa vibriert zudem neben einem Mercedes-AMG, der lackiert ist wie eines dieser Schlachtschiffe, die sich einst im Wellengrau der Nordsee verstecken sollten. Das ist schon damals nicht gelungen, wie wir wissen. Helles Grau also, kleines Schwarz und dann dieser matte dunkelwassergraue, dennoch aggressive Lackglanz auf einem Körper, der vor Kraft gerade noch laufen kann. Der dagegen zierliche Alfa ist das erste Doppelzündungsmodell nach dem Abschied vom Boxer, und sein früher alltäglicher roter Lack erhebt ihn trotz einer gewissen, modischen Gewöhnlichkeit im Auftritt in den Rang einer kleinen Kostbarkeit. Das hatte niemand vor gut zwanzig Jahren von diesem roten Alfa erwartet. Wir hatten uns schon an die sinnliche Schönheit eines roten Autos gewöhnt. Sie wurde nicht mehr bewusst erkannt, aber nicht vergessen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Peters, Wolfgang (wp.)
Wolfgang Peters
Freier Autor in der Wirtschaft.
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