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Beyerdynamic, Sony und RHA

Kopfhörer für schlechte Ohren und echte Vielflieger

Von Marco Dettweiler, Berlin
 - 09:01
Mit der App „Make it yours“ und den Aventho Wireless von Beyerdynamic wird Musikhören zu einem ganz persönlichen Ereignis. Bild: Daniel Vieser, FAZ.NET

Es ist eine Tatsache, dass das Gehör - selbst unter bester Behandlung durch seinen Nutzer - mit der Zeit immer schlechter wird. Wer in seinem Leben dann noch häufig auf Konzerten oder häufig Lärm ausgesetzt war, hat womöglich noch weitere Beeinträchtigungen.
Die Hersteller können das bei der Abstimmung ihrer Kopfhörer nicht berücksichtigen. Schließlich gibt noch genügend - gerade jüngere - Menschen, die ein tadelloses Gehör haben. Es kann also sein, dass zwei Menschen mit dem gleichen Kopfhörer sehr unterschiedlich klingende Musik hören.

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Aventho Wireless von Beyerdynamic

Beyerdynamic hat nun eine Möglichkeit gefunden, dass Nutzer den Kopfhörer ihren Bedürfnissen anpassen können. Dabei entscheidet er selbst, wie sein Kopfhörer klingt, indem er zunächst einen Hörtest mit der App von Beyerdynamic macht, die auf den Algorithmen von Mimi Hearing Technologies basiert. Das Berliner Start-Up hat dazu Studien ausgewertet und wissenschaftliche Theorien angewendet, um diese in einer Software umzusetzen. Der erste Einsatz der Technik war eine digitale Präventionsinitiative zusammen mit der Barmer-Krankenkasse.

In der App „Make it yours” werden Testtöne mit unterschiedlicher Tonhöhe und Lautstärke für das linke und rechte Ohr abgespielt. Weil der Nutzer ein Feedback gibt, weiß die App, wie der Hörer hört. Die App erstellt daraufhin das personalisierte Hörprofil. Die Veränderungen im Klang sind komplexer als ein gewöhnliches Equalizer-Verfahren. Frequenzbereiche werden nicht nur angehoben oder gesenkt. Je nach Hörprofil werden sie auch komprimiert und die Struktur der Töne selbst verändert.


Diese Informationen werden im digitalen Signalprozessor, der im Kopfhörer steckt, angewendet und gespeichert, so dass Musik so gehört wird, als hätte der Nutzer ein neutrales Gehör und unabhängig vom Quellgerät. Die Technik funktioniert schon bei geringer Lautstärke. Da wir auf der IFA keinen ordentlichen Hörtest durchführen konnten, haben wir die Möglichkeit der App genutzt, das Alter anzugeben, sodass dann darausfolgende, voreingestellte Klangveränderungen vorgenommen wurden. Schon dieses Ergebnis war beeindruckend. Der Kopfhörer klang offener, die Bühne war breiter, der Bass betonter und das Klangbild heller.


Der Aventho Wireless wird per Bluetooth vom Smartphone gespeist, dass die Daten im verlustfreien Codec aptX HD an den Kopfhörer weitergibt. Bedient wird er an der rechten Hörerschale, die auf Berührungen reagiert, wie man es etwa von den aktuellen Modellen von Sennheiser und Sony kennt. Der Aventho Wireless kostet 449 Euro.

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1000X-Serie von Sony

Auch Sony hat gleich in drei neuen Produkten eine Art Personalisierungsstrategie gefahren, allerdings mit einem ganz anderen Fokus. Die 1000 X Series besteht aus drei Modellen. Der WH-1000XM2 ist ein ohrumschließender, geschlossener Bluetooth-Kopfhörer für 380 Euro. Für 330 Euro bietet Sony den WI-1000X an, einem ebenfalls mit Bluetooth arbeitenden Modell, das ins Ohr gesteckt wird und dessen beide Gehäuse mit einem Nackenband verbunden sind. Noch minimalistischer gestaltet ist der WI-1000X für 330 Euro. Er besteht aus zwei kleinen Kistchen, die jeweils ins linke und rechte Ohr gesteckt werden, ohne jegliche Verbindung. Aufgeladen werden sie in der Verpackungsschale.



Alle drei Modelle können mit einer neuen App gesteuert werden, die im Wesentlichen das Noise-Cancelling kontrolliert. Alle haben Mikrofone gebaut, mit denen sich im üblichen Verfahren ein Gegenschall erzeugen lässt. Wie schon beim WH-1000X, der im letzten Jahr auf der IFA vorgestellt wurde, lässt sich mit dem Zuschalten des “Ambient Sound” über die App die Güte der Geräuschunterdrückung variieren. Wenn man am Flughafen oder im Zug sitzt, ist es ganz praktisch die Durchsagen zu hören, um alle Informationen trotz Musikhörens mitzubekommen. Also nimmt etwas die Geräuschunterdrückung heraus, um gerade Stimmen durchzulassen.

Im WF1000XM2 hat Sony einen Sensor installiert, der dem Nutzer die Entscheidung abnimmt, welche Ambient-Sound-Einstellung er am besten wählt. Je nach dem, ob er sitzt, geht, rennt oder in einem Fahrzeug sitzt, stellt der Kopfhörer ein anderes Setting ein. Dessen individuell einstellbaren Parameter sind das An- oder Ausschalten des Noice-Cancelling, die Dosierung des Ambient Sound und die Wahrnehmbarkeit von Stimmen.

Eine dritte Funktion ist nur für Vielflieger interessant. Weil die Schallwellen sich in extremer Höhe aufgrund des Luftdrucks anders verhalten als “auf der Erde”, zeigt das Noise-Cancelling Schwächen, weil die Mikrofone, die die Informationen für den Gegenschall liefern, diese leicht verfälscht abliefern. Das behaupt jedenfalls Sony. Also haben die Japaner einen Barometer-Sensor eingebaut, der weíß, wie der Druck gerade ist und somit die Software entsprechend auf die Verhältnisse einstellt. Die Qualität dieser Funktion auf der IFA zu testen, war dann nicht so einfach.

MA750 Wireless von RHA

Ganz angenehm ist es dann an Ständen wie denen von RHA vorbeizuschauen, um In-Ear-Kopfhörer auszuprobieren, die sich auf die Wiedergabe von Musik konzentrieren. Der MA750 Wireless wird getragen wie eine Kette. Man legt ihn um den Hals und verschließt ihn, wenn er nicht zum Hören gebraucht wird, magnetisch an den beiden Gehäuserückseiten. Aktiv getragen steckt er wie ein gewöhnlicher In-Ear-Hörer im Ohr.

Mit zwölf Stunden Akkulaufzeit hält er recht lange durch, bevor er wieder geladen werden muss. Es lassen sich zwei Geräte gleichzeitig koppeln. Die Bluetooth-Codes aptX und AAC sind an Bord, als Headset kann er ebenfalls dienen. Mit 150 Euro gehört er preislich zur Mittelklasse, klanglich kann er es allerdings auch mit höherpreisigen Geräten aufnehmen. Er klingt angenehm neutral, sein Sound ist aufgeräumt und elegant.

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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