Billigauto

VW kriegt die Kwiddung

Von Holger Appel

Jetzt ist dem VW-Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller wohl der Kragen geplatzt. Er nimmt die Planung des Billigautos der Kernmarke Volkswagen weg, überträgt sie in die Verantwortung von Škoda und lässt Tata aus Indien die Entwicklung erledigen. Die Tschechen sind darüber nicht erfreut, wollen sie doch nach oben, aber so konnte es nicht weitergehen. Seit Jahren versucht sich Volkswagen erfolglos am Fahrzeug für Schwellenländer, der eigens dafür engagierte ehemalige Opel-Chef ging fruchtlos mit dem Projekt in Rente und eine Kooperation mit Suzuki in die Brüche.

Niemals gelang es den Wolfsburger Strategen und Ingenieuren, sich aus ihren Denkmustern zu befreien und eine Antwort auf Dacia zu finden, mindestens auf Dacia, denn die zum Renault-Konzern gehörenden Rumänen sind nicht mal die billigsten auf der Welt. Renault selbst hat in Indien den Kwid auf die Räder gestellt, ein ansehnliches Mini-SUV für unglaubliche 3500 Euro. Es befriedigt mobile Basisbedürfnisse mit überraschend guten Talenten, die Kunden rennen den Händlern die Bude ein. Tata hat Renault damit auch gezeigt, wie es geht, denn die Inder haben mit ihrem Billigwagen Nano einen Flop hingelegt – einen Fehler, den sie kaum zweimal machen werden. Soll heißen, selbst in diesem Segment wollen die Menschen nicht auf alles verzichten.

Der Kwid fährt mit eben so ausreichenden Dreizylindern mit 0,8 Liter Hubraum und 54 PS oder 1,0 Liter und 68 PS. Die sind nicht mal Alteisen. Anders als bei Dacia haben die Franzosen den Preis für den Kwid nicht durch den Einsatz in Europa ausrangierter Plattformen und abgelegter Motoren auf solch ein niedriges Niveau gedrückt. Der Kwid nutzt als erstes Konzernauto sogar eine nagelneue Plattform, die eigens für Fahrzeugprojekte in Schwellenländern konzipiert wurde. Das Gros der Entwicklungsleistung wurde in Indien erbracht, 98 Prozent der Zulieferer stammen aus der Region. VW nimmt sich daran nun ein Vorbild. Man darf gespannt sein.

Quelle: F.A.Z.
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