Diesel-Debatte

Dacias Ignoranz

Von Holger Appel
 - 09:12

Vor zwei Jahren wusste nur die Fachwelt, was es mit Verbrauchsangaben nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus auf sich hat. Richtig interessiert hat sich dafür niemand, für die dahinter stehenden Abgaswerte schon gar nicht. Der tatsächliche Verbrauch war höher, ja klar, zur Orientierung wurden Freunde oder Nachbarn befragt. Dann flog der Betrug von Volkswagen auf, und plötzlich wusste jeder etwas zu sagen zu CO2 und NOx, meist nichts Genaues und oft populistisches Geschwätz.

Aber dass düstere Stoffe, die aus dem Auspuff strömen, einzudämmen sind, darin ist sich die inzwischen auch um die Ökobilanz ihrer Coffe-to-go-Becher sorgende Menschheit nun einig. Die Industrie lernte an Begriffen wie „Thermofenster“ den Unterschied zwischen gesetzlich erlaubt und moralisch geboten. Politik und Gerichte drohen mit Fahrverboten.

Seit September greift eine schärfere Abgasnorm, die nur zu schaffen ist, wenn die Motoren aufwendig gereinigt werden. In dieser keinen Diskussionsspielraum mehr zulassenden Gemengelage setzt etwa die vielgescholtene Marke Volkswagen konsequent auf die effizienteste Technik. Die Dieselmotoren bis hinunter zum Kleinwagen Polo werden standardmäßig mit SCR-Katalysator ausgestattet, der als bestes Mittel zur Reduktion von Stickoxiden gilt. Die Benziner bekommen Partikelfilter.

Es wird Zeit, innezuhalten und zu schauen, wie andere mit dem Thema umgehen. Der Renault-Konzern etwa bringt es fertig, nagelneue Autos kurz vor Toresschluss genehmigen zu lassen und ohne einen solchen Katalysator auf den Markt zu bringen. Legal ist das, aber kann es noch darum gehen?

Im Januar debütiert aus dem französischen Hause der Dacia Duster, erwartet werden 60 Prozent Dieselanteil. Dass der attraktive und günstige Wagen vermutlich nur 3 von 5 möglichen Sternen im Unfalltest erreichen wird, muss der Kunde in dieser Preisklasse wohl schlucken. Aber dass Renault hier so tut, als habe es eine Abgasdebatte nie gegeben und den Dieseltotengräbern die Schaufel reicht, das ist unverantwortlich.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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