Tech-Talk

Diesel? Ist klar

Von Holger Appel
 - 10:38

Der frischgebackene Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist anscheinend ein vernünftiger Mann. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge will er unter allen Umständen verhindern, und weil das so ist, will er auch gleich noch das Gespenst der blauen Plakette verjagen. Er wird sie nicht einführen, weder in hell- noch in dunkel- oder sonst irgendeinem Blau, hat er sich festgelegt, weil sie „die Einstiegsdroge in Fahrverbote“ sei. Gut so.

Zugleich wird die Diskussion lauter, ob Messstationen in Deutschland im Rahmen der leider flexiblen EU-Verordnung so aufgestellt sind, dass sie stets die größtmögliche Verschmutzung melden, während nur ein paar Meter weiter die Werte schon halbiert sind. Das auszustreiten wird vermutlich dauern, doch derweil kommt die Frage auf, worüber eigentlich noch debattiert wird. Die Industrie nämlich schafft Fakten mit Aha-Effekt. Die werten Kollegen von der Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ haben drei neue Modelle mit Dieselmotor auf ihren Stickoxidausstoß im realen Straßenverkehr getestet. Die maßgebliche und derzeit schärfste Norm heißt Euro 6d-Temp, sie erlaubt auf der Straße 168 mg/km NOx. Von September 2019 an dürfen nur noch Diesel zugelassen werden, die diesen Grenzwert auf der Straße einhalten. Ältere Euro-Klassen beziehen sich allein auf Labormessungen, dies nur noch mal als Beitrag zur Klarheit, falls es demnächst wieder heißt, die Industrie habe betrogen, weil die Autos während der Fahrt mehr Schadstoffe ausstießen als „erlaubt“. Die nun unter das Messgerät genommenen Probanden sind BMW X2 20d, DS 7 Crossback Blue HDI 180 und Volvo XC40 D4.

Der BMW stieß in der Testrunde 31 mg/km NOx aus. Der aus dem Hause Citroën stammende DS kam auf 18 mg/km, dem Volvo werden 59 mg/km bescheinigt. Alle drei Neulinge liegen also weit unter dem Grenzwert, den Altbestand erledigt der Zeitablauf. Für die Diesel-Jagd gab und gibt es keinen Grund, klar jetzt?

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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