Diesel

Pfusch am Umbau

Von Holger Appel
 - 00:25

Mit Vorschlägen ist mancher flugs bei der Hand, vor allem, wenn er oder sie nicht selbst zur Tat schreiten müssen und das Ansinnen gerade en vogue ist. Nehmen wir den Umbau ältlicher Diesel. Die stoßen mehr Schadstoffe aus, als die Allgemeinheit heute für verträglich hält. Vor fünfzehn Jahren indes nicht. So weit reichen die Entwicklungen zurück, die nun kritisiert werden. Das ist vertrackt, denn die Motoren sind eben auf jene seinerzeit gültigen Vorschriften hin entwickelt worden, und sie halten diese ein.

Was mehr darf man von einem Unternehmen erwarten? So etwas nennt sich Planungssicherheit, ein nicht geringzuschätzendes Gut in einer Industrie, die Milliarden investiert. Es gibt aber Politiker, die reden nach dem Motto: Was kümmert mich mein Gesetz von gestern. So sollen nun ältere Diesel nicht nur mittels Software-Update entgiftet werden, sondern auch durch den Einbau frischer Teile. Das wäre nur stimmungsberuhigend, wenn sich hernach der modernste Stand der Reinigung einstellte. Es müssten also der Abgasstrang mit Katalysator im Fahrzeugboden erneuert, ein Tank mit Harnstofflösung eingesetzt, ein Zulauf samt Einfüllstutzen durchs Heck verlegt sowie diverse Steuergeräte für das Motormanagement getauscht werden.

Um nur das Gröbste zu nennen. Ob das konstruktiv überhaupt möglich ist in Autos, in denen jeder Kubikzentimeter verplant ist, steht noch vor der Frage zu den Kosten. Beides wird unverhältnismäßig sein. Spinnen wir trotzdem weiter: Pfusch am Umbau lässt das Kraftfahrt-Bundesamt nicht zu, zur Erprobung gibt es nur serienreife Teile frei. Bis die angefertigt sind, vergeht ein Jahr. Dann beginnen 160.000 Kilometer Dauerlauf, Sommer- und Wintererprobung sowie Adaption auf Hunderte Fahrzeugvarianten. Derlei ist nicht der Unlust der Hersteller geschuldet, sondern rechtlich vorgegeben und dauert bis zum Beginn des Umbaus rund drei Jahre. Dann ist fast schon wieder Bundestagswahl.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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