Neue Software

Apple zieht es in die dunkle Wüste

Von Marco Dettweiler
 - 22:52
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Nein, Apple hat kein neues iPhone vorgestellt. Apple hat neue Software präsentiert. Das war keine Überraschung, sondern zu erwarten. Denn wer die alljährlichen Keynotes von Tim Cook verfolgt, weiß, dass es um diese Jahreszeit Neuigkeiten zu den Betriebssystem iOS, MacOS und all den anderen gibt. Schließlich hat Tim Cook mit seiner Keynote die Entwicklerkonferenz WWDC eröffnet, für die sich eben vor allen Dingen Software-Entwickler interessieren. Die haben in einer rekordverdächtig zwei Stunden langen Veranstaltung viel hören dürfen über neue Funktionen. Wir haben die wichtigsten zusammengefasst:

Für iPhone und iPad: iOS 12

Wie zu erwarten war das mobile Betriebssystem iOS als erstes an der Reihe. Die wichtigsten neuen Funktionen der Version 12 betreffen Augmented Reality, Siri und den Schutz des Nutzers vor sich selbst.

Apple setzt weiterhin auf AR. Die zweite Version des Entwicklertools ARKit profitiert von einem neuen Dateiformat namens USDZ, das zusammen mit Pixar entwickelt wurde. Dadurch können AR-Anwendungen appübergreifend eingesetzt werden. Dafür hat sich Apple Adobe mit ins Boot geholt. In Programmen wie Photoshop und anderen aus der Creative Cloud können solchen Dateien erstellt und in Dokumente eingebunden werden. So kann ein Text zum Beispiel immer wieder durch Fotos oder Videos mit Augmented-Reality-Anmutung aufgelockert werden. Apple zeigt als Beispiel einen Text aus seiner App News.

Ein anderes Beispiel: Wenn die Produkte in einem Webshop entsprechend für AR aufbereitet sind, lassen sie sich in die reale Umgebung einbinden, die gerade von der Kamera des iPhone oder iPad gezeigt wird. Man könnte also einen Teller direkt vom Webshop auf den Tisch ziehen oder einen Sessel in die Ecke des Wohnzimmers setzen. Sehr alltagstauglich scheint die neue App Measure. Man fixiert ein Objekt mit den Kameras des iPhone oder iPad, um es auszumessen. Dazu setzt man Punkte an das Ende der jeweiligen Kanten und erhält umgehend die genauen Maße.

Ähnliche Anwendungen kennt man aus der Android-Welt. Ebenso der “Multi-User-Support”. Haben zwei Nutzer die gleiche App auf ihren Geräten können sie zusammen in der erweiterten Realität agieren. Wie das aussehen kann, wurde mit einer App von Lego veranschaulicht. Die Realität, ein Haus aus echten Legosteinen, wurde digital erweitert, beide Spieler konnten die Aktionen des jeweils anderen sehen. Was nicht nur bei dieser AR-Anwendung fraglich ist: Wieso sollte man überhaupt erst ein Legohaus aufbauen, wenn das eigentliche Spiel nur noch digital stattfindet?

Neben Augmented Reality war Siri ein weiteres wichtiges Thema. Apples Spracherkennung, die seit einiger Zeit hinter der von Google und Amazon hinterherhinkt, holt auf. Ein Grund dafür sind zunächst die Shortcuts (Amazons Alexa würde Routinen dazu sagen). Auf dem iPhone oder iPad lassen sich sprachliche Befehle definieren, die dann eine bestimmte App öffnen und dort einen bestimmten Befehl ausführen. Bisher gab es in gewisser Weise auch Shortcuts in Apps wie Kalender und Mail. Doch die waren auf bestimmte Apps beschränkt. Denkbar ist nun: Nach den Worten “Hey Siri, ich habe Hunger” öffnet sich eine Pizza-App und die Nummer 5 in der Bestellliste wird um 12 Uhr an die Geschäftsadresse geliefert. Die Empfehlungen haben den gleichen Zweck, nur dass sie Siri selbst entwickelt. Um beim Pizza-Beispiel zu bleiben: Siri würde irgendwann den Nutzer darauf aufmerksam machen, dass er jeden Mittag eine Pizza bestellt und die entsprechend Aufforderung anzeigen.

Wie auch Google will Apple dem Nutzer dabei helfen, von seiner Smartphone-Sucht loszukommen. Daher wurde die Nicht-Stören-Funktion erweitert: Nachts werden bei Bedarf keine Notifications angezeigt, falls man das Display anschaltet. Oder sie bleiben aus, wenn der Nutzer an bestimmten Orten ist. Nachrichten werden in Kategorien gebündelt: Kalendereinträge, Messages, etc. erscheinen zusammen als aufgefächerter Icon. Zudem lässt sich genau überprüfen, wie lange man welche Apps genutzt hat. Kommt es einem zu viel vor, limitiert man die Nutzung auf eine bestimmte Zeit.

Für die Apple Watch: die fünfte Version von WatchOS

Die Apple Watch bekommt ebenfalls eine neue Version ihres Betriebssystems. In WatchOS 5 wird der Fitness-Wahnsinn weiter vorangetrieben. So kann man jetzt - wie man es von manchen Fitness-Apps schon kennt - in den virtuellen Wettkampf mit Gleichgesinnten ziehen. Der eine legt vor mit einem bestimmten Wert auf dem Fahrrad, beim Laufen oder Schwimmen und der andere versucht, ihn zu überholen. Und falls jemand noch nicht seine Sportart gefunden hat: Ab WatchOS 5 kann der Körper auch bei Yoga und Wandern ausführlichst getrackt und die Kalorien, Wiederholungen und Erfolge gezählt werden.

Neben einigen anderen kleineren Funktionen macht diese besonders neugierig. Mit Walkie-Talkie kommuniziert man mit anderen - wie der Name der App schon vermuten lässt - per Knopfdruck und Sprache. Man kann jemanden einladen, bei Walkie-Talkie mitzumachen, sodass er - um bei dem Vergleich zu bleiben - immer auf dem gleichen Kanal funkt und jederzeit sofort erreichbar ist. Diese Kommunikation läuft direkt von Uhr zu Uhr, braucht also das iPhone nicht.

Für Mac-Besitzer: MacOS Mojave

Das neue MacOS heißt Mojave. Allein die Verkündung des Namens führt jedes Jahr zu viel Applaus im Publikum. Noch mehr geklatscht wurde bei der Präsentation des Dark Mode, der von nun an ausgewählt werden kann. Es ist ein abgedunkeltes Farbschema, dass angeblich die meisten Anwendungen leserlicher macht. Also alles, was nicht Schrift, Bild oder Video ist, wird dunkler. Den Dark Mode gibt es zunächst für die Apple-Anwendungen, Entwickler können über die API, ihr Apps entsprechen anpassen. Wer den Mode gemäßigt ausprobieren will, kann den “Dynamic Desktop” einsetzen, der den Schreibtisch der Tageszeit anpasst.

Wie zu erwarten wurde der Finder verfeinert. Die Dateiverwaltung wird noch übersichtlicher. So lässt sich der Schreibtisch flott aufräumen durch „Stacks“. Wild angeordnete Dateien (wie man sie häufiger auf Schreibtischen von Kollegen oder Bekannten sieht) werden auf Knopfdruck sortiert und gruppiert. Kommt eine neue Datei, etwa ein Screenshot dazu, sortiert er sich automatisch ein.

Alles Updates werden ab Herbst verfügbar sein. Ja, dann wird es auch ein neues iPhone geben.

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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