Bluetooth-Lautsprecher im Test

Sag „Okay, Google“ zu Sony

Von Wolfgang Tunze
 - 10:27

Amazon und Google haben den Trend gesetzt, jetzt mischen auch die Platzhirsche der Unterhaltungselektronik mit: Als Erster bringt Sony in diesen Tagen einen Lautsprecher in die Läden, der nicht nur Musik machen, sondern mit seinen eingebauten Mikrofonen auch zuhören kann. Die Anrede „Okay, Google“ oder „Hey Google“ löst einen Maschinendialog aus, in dem eine freundliche Frauenstimme allerlei Auskünfte gibt oder unsichtbare Helfer das Licht anknipsen.

Sonys Beitrag zum Thema Sprachsteuerung heißt LF-S50G und kostet, genau wie das mit Amazon-Technik gefütterte Gegenstück Play One von Sonos, 229 Euro. Das erlaubt direkte Vergleiche. Das Sony-Modell arbeitet, anders als der amerikanische Konkurrent, ausschließlich als Mono-Lautsprecher, lässt sich also nicht um ein zweites Exemplar zu einer Stereo-Konfiguration erweitern. Es steckt in einem zylindrischen Gehäuse und schmückt sich rundum mit einer Textilbespannung, die sich nach oben abziehen und, wenn es denn sein muss, sogar unter fließendem Wasser reinigen lässt. Den Arbeitsplatz Küche muss das Gerät also nicht scheuen. Im Inneren der kleinen Klangsäule sitzen zwei Lautsprecherchassis, die den Schall vertikal gegen Verteilkegel werfen – für eine rundum gleichmäßige Abstrahlung. Leuchtdioden hinter der Stoffbespannung zeigen die Uhrzeit an, quittieren die „Okay, Google“-Kommandos oder begleiten als Lichtkranz die Einstellung der Lautstärke.

Das runde Oberdeck des Lautsprechers nimmt berührungslose Steuergesten entgegen. Kreist ein Zeigefinger rechtsherum über der Deckfläche, spielt die Musik lauter, die andere Richtung sorgt für leisere Töne. Wedelt die Hand nach rechts, springt die Musik zum nächsten Titel, eine Bewegung in linker Richtung lässt sie zum Anfang des Stücks zurückspringen.

Abhilfe geht sprachlos

Als Musikquellen kommen Streaming-Dienste wie Google Play Music, Spotify oder Deezer in Frage, Internet-Radio bezieht der Lautsprecher über die Plattform Tune In, und theoretisch sollten sich all diese Angebote über die Sprechsteuerung aufrufen lassen. Allerdings funktioniert bisher funktioniert noch nicht alles, wie es soll: Den gesprochenen Wunsch, in Tune In zum Beispiel den Sender NDR zu suchen, quittiert der Sprachassistent mit der falschen Auskunft „This station is not available in your country“. Abhilfe geht sprachlos: Der Lautsprecher lässt sich über W-Lan-Funk mit Google Chromecast von allen Geräten ansteuern, die diese Technik unterstützen, zum Beispiel also von Android-Smartphones oder -Tablets.

Also einfach Tune In auf dem Tablet installieren, den Wunschsender antippen und mit Chromecast an den Lautsprecher delegieren – so klappt das Radiohören ohne Sprach-Assistenz. Dass man zur Nutzung der Streaming-Dienste jeweils eigene Konten anlegen muss, versteht sich von selbst. Sonys Lautsprecher-Rundling beherrscht neben der Chromecast-Übertragung auch noch den Bluetooth-Funk – das hat er dem Sonos-Modell voraus. Dafür fischt der amerikanische Konkurrent, wenn er soll, Musik aus Festplattenarchiven im Heimnetz. Das kann der Sony so nicht nachmachen.

Bevor der Japaner sprachgesteuert loslegt, gilt es zunächst, die App Google Home auf einem Mobilgerät zu installieren. Ist das Smartphone oder der Tablet-Rechner mit dem Heimnetz verbunden, geht die Einrichtung flott von der Hand: Der Lautsprecher übernimmt dann die Zugangsdaten zum Router automatisch. Allerdings ist die App sehr neugierig. So bittet sie zum Beispiel um die Erlaubnis, die Seitenaufrufe von Browsern und alle Suchanfragen zu protokollieren und dem Sprachassistenten zur Verfügung zu stellen; Verweigerung quittiert sie mit dem mahnenden Hinweis, dass der verbale Helfer dann nicht richtig arbeiten könne. Auch ein Bewegungsprotokoll wünscht sich der Assistent; das haben wir ihm nicht genehmigt. Nur gut, dass der Sony, ebenso wie der Sonos, sein Mikrofon mit einer speziellen Taste abschalten kann.

Und wie klingt nun der neue Rundling? Ganz munter, frisch und lebendig, fanden wir, ohne lästige Klangverfärbungen und sogar mit akzeptablem Bassvolumen. Allerdings: Der Sonos hat ihm gerade in dieser Disziplin noch einiges voraus; sein Bass reicht tiefer, was dem Klangbild mehr Fülle verleiht.

Quelle: F.A.Z.
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