Computer Elite Slice von HP

Keksdose für das Chefbüro

Von Michael Spehr
 - 09:35

Hier stehen Design und Bauform im Vordergrund: Wenn im Chefbüro aus welchen Gründen auch immer statt des Notebooks ein Desktop-PC arbeiten soll, zählen neben den inneren Werten auch die Äußerlichkeiten. Der Elite Slice von HP empfiehlt sich für solche Gelegenheiten. Denn er ist nicht nur besonders schön, sondern auch der kleinste Desktop-PC von HP, und er zeigt sich mit ansteckbaren Modulen als vielseitiges Talent. Die Basiseinheit des Mini-Rechners misst nur 16,5 × 16,5 × 3,55 Zentimeter und wiegt gerade mal ein Kilogramm. Zwischen Oberseite und Basis liegt umlaufend der Lüftungsschlitz, wobei die schwarze Metalleinfassung wunderbar kontrastiert mit den kupferfarbenen Lüfterelementen, die im Innern liegen und dezent sichtbar sind.

Das ist sehr schön gemacht. Der Lüfter selbst ist hörbar, aber leise. Viel mehr als diese Box braucht es nicht: Netzkabel einstecken, das Netzteil irgendwo auf dem Fußboden verstauen und den Monitor mit HDMI oder Displayport anschließen. Eine Kombination aus Funkmaus und -tastatur gehörte bei unserem Testgerät zum Lieferumfang, schon kann man loslegen.

Der Elite Slice ist leider nur mit Intel-Prozessoren der sechsten Generation (Skylake) lieferbar. Aktuell wären Prozessoren der achten Generation. Die Bandbreite reicht vom Core i3 mit zwei Kernen bis hin zum Vierkernprozessor Core i7 6700 T. Stets kommt nur die Chipsatzgrafik Intel HD Graphics 530 zum Einsatz. Der Arbeitsspeicher (mit DDR4-Modulen) reicht von 4 bis 32 Gigabyte auf zwei Steckplätzen, die für den Nutzer zugänglich sind. An der Unterseite müssen vier Schrauben gelöst werden, und man hat Zugang zu Speicherbänken und Festplatte. Neben herkömmlichen Festplatten im 2,5-Zoll-Format lassen sich SSD-Laufwerke bis 512 Gigabyte konfigurieren. Der Spaß beginnt bei 870 Euro für ein Modell mit Core-i3-Prozessor, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher und 500 Gigabyte Festplatte. Mit Core-i7-Prozessor und 256 Gigabyte SSD kostet der Elite Slice schon 1300 Euro.

Die Schnittstellen liegen überwiegend auf der Rückseite: HDMI und Displayport für den Monitor, Ethernet, zweimal USB in der herkömmlichen Bauform, eine davon wird vom Tastatur- und Maus-Dongle besetzt. Die schöne Überraschung sind zwei USB-Typ-C-Anschlüsse, einer hinten, einer an der Seite, beide unterstützen jedoch keinen superschnellen Datentransfer mit Thunderbolt. An der rechten Gehäuseseite befindet sich ein biometrischer Fingerabdruckscanner, der zwar nicht so schnell und präzise arbeitet wie seine besten Kollegen aus der Rechner- oder Smartphone-Welt, aber doch einen insgesamt guten Job erledigt.

Dazu kommen die Erweiterungsmodule: Sie haben die Grundfläche der Basiseinheit und werden mit einem proprietären Anschluss nach dem Lego-Prinzip angedockt. Auf dem Bild sieht man oben als quasi ersten Ring die Basis: Ein vollständiger Rechner, alle Ringe darunter sind optional.

Unter der Basis befindet sich das ODD-Modul. Die kryptische Bezeichnung bleibt auch mit der Erklärung von HP unverständlich: Man könne damit schnell und einfach Dateien sichern. Tatsächlich steckt nichts anderes als ein simpler DVD-Brenner dahinter. Der Preis von 100 Euro ist stolz. Der nächste Ring trägt den Namen Bang & Olufsen, das Audio-Modul für 105 Euro hat ein Doppelmikrofon für Konferenzgespräche eingebaut und eine Nebengeräuschunterdrückung. Neben dem Freisprechbetrieb für Telefonie eignet es sich auch für die Musikwiedergabe. Wird das Modul abgenommen und wieder angesetzt, muss jedoch der Rechner neu gestartet werden. Anschließend ist der Klang, welchen der flache Lautsprecher produziert, durchaus beeindruckend. Allerdings gelang es uns nicht, ihn als Bluetooth-Freisprecher fürs Handy anzukoppeln. Die versprochene Konferenztelefonie scheint sich auf Skype und andere auf dem Rechner laufende Voip-Dienste zu beziehen.

Weitere Cover, darunter das untere auf dem Foto, sind derzeit nicht lieferbar. HP spricht von einem Collaboration Cover mit kapazitiven Sensortasten für die Skype-Telefonie sowie einem Wireless Cover zum drahtlosen Laden von Mobiltelefonen. Das alles ist nett gemacht und innovativ. Windows 10 war auf unserem Testrechner weitgehend ohne störende Dreingaben installiert, ebenfalls ein Pluspunkt. Wer ein hohes Arbeitstempo und viel Leistung bei Spielen oder Videobearbeitung sucht, ist mit dem eleganten und viel zu teuren Elite Slice falsch beraten. Vor allem die erwähnte Chipsatzgrafik HD 530 bremst den Rechner bei 3D-Spielen deutlich aus. Wie gesagt, Design und Bauform sind bei diesem Mini-Rechner alles.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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