FAZ plus ArtikelDashcams im Auto

Die Kamera fährt mit

Von Uwe Lenhart
 - 08:35

Lange Zeit war umstritten, ob die Verwertung von Videoaufnahmen des Verkehrsgeschehens einer in einem Fahrzeug angebrachten Kamera rechtlich zulässig ist. Sogenannte Dashcams zeichnen kontinuierlich das Verkehrsgeschehen regelmäßig vor einem Auto auf. Die Kamera wird meist am Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe befestigt. Als Befestigungsmaterial werden oft Saugnapfhalterungen oder Klebepads verwendet. Nach Ablauf einer programmierbaren Zeit oder bei Erreichen des Limits des Speichermediums werden ältere Aufnahmen überschrieben.

Sollte es während dieser Zeit zu einem Verkehrsunfall oder Fehlverhalten anderer im Straßenverkehr kommen, wird das Bildmaterial digital gespeichert. Typischerweise unterstützt werden SD Memory Cards und MicroSD-Karten bis zu 32GB (SDHC) und bei neueren Dashcams bis zu 64 GB (SDXC) Speicherkapazität. Überwiegend werden die Videodaten nach dem H.264-Standard gespeichert, so dass sich die Aufnahmen auf den meisten handelsüblichen Computersystemen betrachten lassen. Viele Kameras besitzen einen Beschleunigungssensor (G-Sensor), der im Falle eines Unfalls das aktuelle Video mit einem Schreibschutz versieht. Damit wird sichergestellt, dass das Video nicht überschrieben wird. Durch Vorlage im Schadenersatzprozess vor Gericht kann Schuld oder Unschuld bewiesen werden. Nach einer Anzeige kann man sich entlasten oder ein Anzeigeerstatter kann seine Angaben beweisen.

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So funktioniert die Dashcam

Eine Windschutzscheibenkamera, kurz Dashcam, ist nichts anderes als eine Videokamera, die im Auto unter der Frontscheibe angebracht wird und nach vorn filmt. Von den Autoherstellern werden solche Kameras „ab Werk“ nur selten (etwa im Citroen C3) angeboten, es sind meist Nachrüst-Geräte, die wie ein Windschutzscheiben-Navi an der Frontscheibe befestigt werden müssen. Günstigste Geräte sind im Internet von 40 Euro an zu haben, besonders gute kosten 150 Euro, meist macht die Kamera den Unterschied.

Zur Aufklärung eines Unfallhergangs muss die Dashcam eine hohe Bild- und Videoqualität bieten. Eine Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) mit 60 Bildern pro Sekunde ist die untere Grenze. Höhere Auflösungen bis hin zu 4K können besser sein, müssen es aber nicht. Denn zur Verarbeitung des hochauflösenden Datenstroms muss die Kamera auch die entsprechende Rechenleistung mitbringen. Fehlt diese, ruckelt die Aufnahme. Wichtig sind ferner der Blickwinkel, der höher als 130 Grad liegen sollte, und die Güte des optischen Systems.

Zur Befestigung dient in der Regel eine Saugnapf- oder eine Klebehalterung, die Stromversorgung erfolgt über ein Kabel und den Zigarettenanzünder. Einige Geräte haben einen kleinen Akku eingebaut.

Die Kameras zeichnen nach Einschalten der Zündung automatisch auf, meist werden verschiedene Modi angeboten. Dauerhaftes Filmen im Straßenverkehr ist ungeachtet des BGH-Urteils verboten. Angesagt sind also Videoschleifen, Loops. Dabei werden die Aufnahmen in einer Schleife aufgezeichnet und ältere automatisch überschrieben. Per Tastendruck lassen sich meist auch Fotos anfertigen. Und man kann, etwa nach einem kleineren Unfall, auf Tastendruck hin das letzte Video manuell gegen Überschreiben sichern.

Einen schwerwiegenden Unfall erkennen die eingebauten Sensoren der Dashcam. Sie verhindern dann, dass Videos oder Bilder überschrieben werden. Das Material, das auf einer SD- oder Micro-SD-Karte gespeichert ist, kann also für die Rekonstruktion des Unfallgeschehens genutzt werden. Zur Auswertung der Aufnahme ist im Idealfall ein fortwährender Aufnahmestempel auf den Videos enthalten, der Geschwindigkeit, GPS-Koordinaten sowie Datum und Uhrzeit angibt. Einige Kameras geben auch Aufschluss, welche G-Kräfte auf sie eingewirkt haben. Manipulationssicher sind solche Videos von Haus aus nicht. Eine technisch perfekte Lösung bestünde darin, dass Videos einer Dashcam verschlüsselt aufgezeichnet werden und erst nach richterlicher Anordnung entschlüsselt und damit ansehbar werden.

Die derzeit verfügbaren Kameras bieten im Nebenjob etliche weitere Funktionen. Etwa Auffahrwarner oder Spurhalteassistenten, beides wird über die Optik der Kamera realisiert. Einige Dashcams lassen sich per App mit einem Smartphone verbinden, um auf diesem die Videos anzusehen. Auch die Warnung vor Gefahrenstellen und Blitzern gehört in manchen Geräten zur Serienausstattung. Die Anzeige der Dashcam arbeitet bei einigen Herstellern mit Google Maps zusammen, so taugt der Apparat auch als Navigationssystem. Zudem wird die mit GPS gemessene Geschwindigkeit wie ein zweiter Tacho fortwährend angezeigt.

Marco Dettweiler und Michael Spehr

Der Autor ist Fachanwalt für Straf- und Verkehrsrecht in Frankfurt am Main

Quelle: F.A.S.
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