Einsatz bei der Feuerwehr

Drohne mit Wärmebildkamera

Von Michael Spehr
 - 15:13
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Der Feuerwehrmann sieht nur den dichten Rauch. Erst als sein Kollege mit einer Drohne die Lage rund um den Brand erkundet, ist hinter dem Fenster eine Person auszumachen. Denn das Fluggerät der Feuerwehr ist mit einer besonderen Optik ausgestattet. Sie erfasst zum einen das normale Bild und zum anderen ein Wärmebild. So wird sichtbar, was dem menschlichen Auge verborgen bleibt. Solche Fotos entstehen mit radiometrischen Wärmesensoren.

Die entsprechenden Kameras sind teuer, man kennt sie als Wärmebildkameras, die zum Beispiel für die Thermographie-Untersuchung von Häusern verwendet werden oder beim Finden von Lecks in der Fußbodenheizung. Die Kamera erkennt unterschiedliche Oberflächentemperaturen und stellt sie farblich dar – warme und heiße Zonen sind gelb und rot, kühlere Zonen blau. So zeigt das Wärmebild energetische Schwachstellen und weist auf andere Probleme hin.

Eine zusätzliche Wärmebildkamera für Drohnen hat DJI im April in Zusammenarbeit mit Flir Systems vorgestellt. Flir aus Oregon ist der Marktführer für Wärmebildkameras, und für die Brandbekämpfung bietet der amerikanische Hersteller seit langem eigene Handapparate an, mit deren Hilfe der Feuerwehrmann durch den Rauch hindurchsieht. Die Auflösung dieser Geräte liegt deutlich unter der einer Kamera, die Flir K33 für rund 3000 Euro hat lediglich 240×180 Pixel.

Nun kommt die Wärmebildkamera in die Drohne, die Zenmuse XT2 von DJI ist eine Kameraeinheit mit zwei getrennten optischen Systemen. Sie hat eine konventionelle 12-Megapixel-Sichtkamera, und direkt neben dieser Optik sitzt der radiometrische Wärmesensor von Flir mit einer Auflösung von 640×512 oder 336×256 Pixeln. Die Drohnenkamera von DJI und Flir richtet sich an professionelle Nutzer. Geht es bei der Feuerwehr um den Blick durch den Rauch, um das Aufspüren von Glutnestern oder die Suche nach Personen in Gebäuden, kann man mit dem erweiterten Blick von oben verirrte Wanderer oder Unfallopfer bei Nacht erkennen, Wasserschäden in oder an Gebäuden und vieles mehr.

Die neue Zenmuse XT2 erlaubt es dem Piloten, zwischen dem herkömmlichen Bild und dem Wärmebild hin und her zu schalten. Er kann eine Bild-im-Bild-Darstellung abrufen oder beide Aufnahmen nebeneinander auf dem Display darstellen lassen. So zeigt die Sichtkamera, wie eingangs geschildert, den aus dem Fenster quellenden dichten Rauch, und mit einem Fingertipp aufs Display sieht der Drohnenpilot, dass sich im Hintergrund ein Mensch befindet, der den Weg ins Freie sucht. Weitere Szenarien sind der Einsatz in der Landwirtschaft sowie die Überwachung von Industrieanlagen oder Gefahrgut.

Dem Benutzer werden verschiedene Flugmodi zur Verfügung gestellt. So kann die Drohne automatisch auf ein Ziel zufliegen oder mit „Heat Track“ sich auf das Objekt mit der höchsten Temperatur fixieren. Die Funktion „Temp Alarm“ wertet die Wärmedaten in Echtzeit aus und benachrichtigt den Benutzer, sobald die Temperatur eines Gegenstands außerhalb eines Grenzbereichs liegt. Weitere Anwendungen können Drittanbieter programmieren, weil ein entsprechendes „Software Development Kit“ freigegeben wurde.

Die Zenmuse XT2-Kameraeinheit ist gegen Wasser und Staub geschützt, es gibt sie in verschiedenen Versionen zu Preisen zwischen 7000 und 16 000 Euro. Sie lässt sich nur an ausgewählten Profi-Drohnen von DJI befestigen, an der Matrice-200-Serie und der Matrice 600 Pro. Das sind Geräte für den gewerblichen Einsatz mit langer Flugzeit, für die man fünfstellige Eurobeträge zahlt.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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