Berliner Bahnhof Südkreuz

So funktioniert Gesichtserkennung

Von Michael Spehr
 - 16:27

Die biometrische Gesichtserkennung wird seit langem eingesetzt, um eine Person zu identifizieren oder zu authentifizieren, also um festzustellen, dass es sich um die richtige Person handelt. Die Systeme kommen zum Einsatz bei Zutrittskontrollen, aber auch zur Absicherung des Smartphones oder bei der Verwendung in Reisepässen und anderen amtlichen Dokumenten. Einfache Erkennungsverfahren verwenden eine geometrische Vermessung besonderer Merkmale des Gesichts wie Auge, Nase und Mund sowie deren Position, Abstand und Lage zueinander.

Mit dreidimensionalen Kameras wird eine höhere Erkennungsgenauigkeit erzielt. Die Computer vergleichen nicht etwa die Fotos, wie das ein Mensch tun würde, sondern sie rechnen jedes erfasste Gesicht in ein sogenanntes biometrisches Datum um. Aus den Merkmalen des Gesichts wird ein digitales Muster, ein sogenannter Hashwert, der für jedes Gesicht einzigartig ist. Je größer die Datenbank ist, mit der die Gesichter abgeglichen werden, desto langsamer und fehleranfälliger arbeitet jedoch das Verfahren.

Derzeit liegt die Trefferquote bei rund 70 Prozent, wenn die Gesichter nicht verdeckt sind. Schals, Hüte oder Sonnenbrillen reduzieren die Erkennungsrate. Selbst mit bester Technik ist es also noch nicht möglich, Personen auf Videoaufnahmen mit absoluter Sicherheit zu identifizieren. Wenn hingegen ein Smartphone seinen einzigen Besitzer mit einem Selfie identifizieren soll, hat es die Software einfacher; einen solchen „Iris-Scanner“ haben einige Geräte von Samsung; er ist allerdings leicht zu überlisten. Ebenso ist auch der Vergleich eines Digitalfotos, das am Flughafen während der Sicherheitskontrolle geschossen wird, mit dem im Reisepass hinterlegten schon üblich.

Jenseits dieser Nutzungsszenarien ist der Einsatz von Gesichtserkennung durch Behörden und Ermittler umstritten. Im Oktober vergangenen Jahres wurde bekannt, dass sich Fotos von mehr als 110 Millionen Amerikanern in der Gesichtserkennungsdatenbank des FBI befinden. Mit seinem „Next Generation Identification System“ gelänge es der Behörde, mit hoher Wahrscheinlichkeit, einen Täter zu finden, wenn dessen Bild in der Datenbank vorhanden ist. Dass mit solchen Datenbeständen ganz neue Formen der Massenüberwachung möglich sind, ist naheliegend.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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