Smartphone Pixel im Test

Googles iPhone

Von Marco Dettweiler
 - 15:00
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Es geht beim Pixel um alles. Google hat von nun an nicht nur ein eigenes Betriebssystem, sondern auch das eigene Smartphone dazu. Damit gibt es erstmals ein Smartphone „made by google“, wie die Marketingabteilung des Unternehmens hervorhebt. Bisher bauten Hersteller wie LG oder HTC die Nexus-Geräte, die bislang als Google-Handys bezeichnet wurden.

Damit hat das Unternehmen aus Mountain View sein eigenes iPhone-Konzept: Hard- und Software kommen aus dem gleichen Haus. Dieses Aus-einem-Guss-Merkmal galt bisher nur für Apples Bestseller – und früher mal für Blackberry-Geräte.

Preis

Dass es Google ernst meint mit dem Pixel, zeigt allein der Blick auf den Preis. Das Gerät mit 5 Zoll großem Bildschirm kostet mit 32 Gigabyte 759 Euro, für das Phablet mit 5,5-Zoll-Display verlangt Google 899 Euro. Diese Konfiguration haben unsere Testgeräte. Kauft man das Pixel XL mit 128 GB internem Speicher, überschreitet man um 9 Euro die 1000-Euro-Grenze. Die Aufregung unter Journalisten war groß, das Pixel sei ja so teuer wie ein iPhone. Es ist sogar auf den Euro exakt so teuer! Wer die Preise bei Google gemacht hat, wollte also den direkten Vergleich mit dem iPhone.

Design

Weil diese nicht jeder Kunde genau im Kopf hat, ging Google noch einen Schritt weiter: Das Pixel sieht auch so ähnlich aus wie ein iPhone. Nur ist es nicht ganz so hübsch und wirkt weniger wertig. So stört das glänzende Material, das das obere Drittel der Rückseite überzieht, zumindest designverwöhnte Augen. Es sieht wie Kunststoff aus, ist aber gefärbtes Gorilla Glas, also das gleiche Material wie der Bildschirm, und verbessert den Signalempfang der Antenne. Besonders auffällig ist dieses Element bei der Farbe „very silber“, weil der Kunststoff sich in weiß deutlich vom silbernen Metall abhebt. Bei „Quite black“ fällt es weniger auf, weil auf dem Rücken ein Glänzend-Matt-Kontrast in schwarz entsteht.

Smartphone
Google Pixel im Test
© F.A.Z., F.A.Z.

Während unseres Test stellten wir fest, dass auch viel eines HTC 10 im Pixel steckt. Der metallene Rücken mit dem kantigen Übergang zum Rand, der angeraute An- und Ausschalter und der Sitz der oberen und unteren Kunststofflinie erinnern stark an den ehemaligen Nexus-Hersteller. Das Design ist insbesondere beim Pixel Geschmackssache. Ein Umfrage unter Kollegen ergab ablehnende Meinungen wie „Ist das hässlich“ bis hin zu „Ist hübsch, würde ich mir kaufen.“

Hardware

Bei der Auswahl der Hardware handelten Googles Entwickler etwas konsequenter als die Designer. Der Snapdragon 821 von Qualcomm ist einer der schnellsten Prozessoren, das Amoled-Display überzeugt mit knackigen Farben, auch wenn es nicht ganz so hell erstrahlt wie der eines Sony oder Samsung. USB Typ-C-Anschluss ist an Bord, der Arbeitsspeicher von 4 Gigabyte ist üppig, der interne mit 32 GB gerade so hinreichend. Die Akkuleistung von 2770 beim kleinen und 3450 Milliamperestunden beim großen Pixel entsprach im Test den Erwartungen, und es gilt auch hier: Das 5-Zoll-Gerät kann nach einem Tag voller Auslastung langsam in die Knie gehen, das Phablet hält in der Regel fast zwei Tage durch.

Kamera

An was sich Google vor allen Dingen messen lassen will, ist die Kamera. Sie sei die „am besten bewertete Smartphone-Kamera“. Google bezieht sich dabei auf DxOMark Mobile Test. Nachdem wir mit dem Pixel einige Tage Testfotos gemacht haben, können wir dieses Urteil nachvollziehen – aber nicht den Superlativ verwenden. Die Qualität der Kamera bewegt sich auf einem Level mit der eines iPhone 7 von Apple, S7 Edge von Samsung oder Xperia XZ von Sony (Der Vergleichstest mit dem Sony-Gerät wird in der Sonntagszeitung erscheinen). Wir konnten keine Schwäche finden, die Bilder entsprechen in ihrem Ausdruck etwa denen des iPhone und S7. Sie sind sehr gefällig, was die Software durch die üblichen Parameter beeinflusst. Über den Bilder liegt stets ein leichter Gelbstich, die Farbsättigung ist hoch. Der Kontrastumfang wird reduziert, sodass die Aufnahmen immer etwas dunkler und dafür knackiger wirken. Auffällig ist der mit dem Pixel aufgenommene Himmel. Dort versucht die Software eine Vignettierung geradezu zu erzwingen. Diese Abschattung zum Rand hin könnte Absicht sein, weil die Bilder somit einen leichten Vintagelook bekommen.

Die Kamera-App ist sehr durchdacht gestaltet. Die üblichen Parameter wie Selbstauslöser, HDR, Rasteranzeige, Blitz und Weißabgleich lassen sich mit einem Fingertipp aufrufen. Sehr praktisch zu bedienen ist Belichtungskorrektur, weil sie immer als Scrollbalken an der rechten Seite zur Verfügung steht. Eine Verzögerung beim Auslösen gibt es nicht und der Autofokus kennt ebenfalls kaum Latenzzeit, er zieht die Schärfe letztlich zeitgleich nach, wenn sich das Objekt oder das Smartphone bewegen. Auch Videos gefallen sehr beim Pixel, das in beiden Modellgrößen einen gut funktionierenden elektronischen Bildstabilisator hat. Bei bewegten Bildern fällt auf, dass das Objektiv insgesamt vielleicht etwas weitwinkliger sein könnte.

Speicher

Wer das Pixel als Kompaktkameraersatz einsetzen möchte, hat mit dem Kauf des neuen Google-Smartphones noch einen weiteren Vorteil. Fotos und Videos werden unbegrenzt und in voller Auflösung in Google Drive gespeichert. Dieses Angebot bleibt auch bestehen, wenn man sich danach wieder ein anderes Smartphone kaufen sollte. Es wird dann der übliche Speicherplatz berechnet, der vor dem Kauf des Pixel zur Verfügung stand. Somit lädt Google den Nutzer ein, nur noch auf die Dienste des Unternehmens zu setzen. Mit Fotos, Drive, Gmail, Chrome, Maps und anderen Apps ist Android vollständig ausgerüstet, um im Alltag alle notwendigen Aufgaben zu erfüllen.

Assistent

Google setzt nun im wahrsten Sinne des Wortes nun noch einen drauf. Der neue Assistent, den es so nur auf dem Pixel geben wird oder als Teil der App „Allo“, tritt mit dem üblichen Weckruf „OK Google“ in Dialog mit dem Nutzer. Im Unterschied zu Google Now verhält sich der Assistent nicht wie eine App, sondern bezieht seine Informationen von verschiedenen und stellt sie in seiner Umgebung dar. Man bleibt zunächst auf der Ebene des Assistenten und wird nicht - wie bei Google Now - zur Google-App oder Maps weitergeführt. Sucht man also mittels Assistenten nach Restaurants in der Nähe, wird eine Auswahl angezeigt, ohne dass die Ansicht gewechselt wird.

Damit setzt Google wie schon bei der App „Allo“ weiterhin auf Künstliche Intelligenz. Denn der Assistent lernt aufgrund von individuellen Suchfragen, Mails und Nachrichten, um immer effizienter zu werden. Zudem kann er sich in Zukunft neuer Apps bedienen, die die besseren Informationen bieten. Der Nachteil für den Pixel-Nutzer: Stellt er ausschließlich über den Assistenten Anfragen, sucht das Smartphone die Informationsquellen aus. Der Kunde kauft mit dem Pixel wie beim iPhone ein Gesamtpaket, dessen Inhalt man am besten so konsumiert, wie es der Hersteller vorgibt. Die Effizienz geht natürlich auf Kosten der Freiheit.

Android Nougat

Wie mit den „alten“ Nexus-Geräten von Google, ist man mit dem Pixel immer auf dem neuesten Stand beim Betriebssystem. Das noch frische Nougat, also Android in der siebten Version, wird erst noch von den anderen Herstellern wie Samsung, Sony oder LG langsam ausgerollt. Man kann aber davon ausgehen, dass es in der nächsten Wochen auf einigen Oberklassen-Geräten zu finden sein wird. Android war schon in der sechsten und ist in der siebten Version ein sehr smartes mobiles Betriebssystem, das in punkto Handhabung, Design und Schnelligkeit absolut vergleichbar ist mit Apples iOS. Und wer als iPhone-Nutzer Freund geworden ist von „3D Touch“, könnte diese Funktion auch beim Pixel weiterverwenden: Drückt man länger auf das Icon für Apps wie Browser, Mail, Nachrichten oder Karten, öffnet sich wie bei Apple ein kleines Kontextmenü, in dem man einen Tab öffnen, eine Mail oder Nachrichten schreiben kann, ohne vorher die App öffnen zu müssen.

Fazit

Wir haben beide Modelle einige Tage ausprobiert und würden uns für das Pixel in der normalen Größe entscheiden. Es liegt gut und leicht in der Hand, die Bildschirmgröße reicht für unsere Zwecke aus. Da sich der Akku sehr schnell laden lässt (in 45 Minuten waren wir bei 85 Prozent, nach eineinhalb Stunden war er komplett geladen), würden wir auf den Vorteil des größeren Akkus (3450 Milliamperestunden) des XL zugunsten des handlicheren Äußeren verzichten. Das XL wirkt recht schwer und klobig, lässt sich kaum mit einer Hand bedienen. Außerdem scheint uns die Auflösung des 5-Zoll-Display mit 1080 x 1920 Pixeln und einer Dichte von 441ppi hinreichend. Das iPhone 7 mit 4,7-Zoll-Display kommt im Übrigen „nur“ auf 1334 x 750 Pixel bei 326 ppi.

Diese Entscheidung wäre beim iPhone schwieriger, weil man bei der Wahl des „kleinen“ auch bei der Kamera Abstriche machen müsste. Diese ist beim Pixel bei beiden Modellen die gleiche. Und sie ist sehr gut: schneller Autofokus, knackige Bilder, satte Farben und optischer Bildstabilisator für Videos. Eigentlich fehlt nur das Merkmal, mit dem schon Apple beim iPhone 7 einer der letzten Hersteller war: Dass das Gerät nach irgendeiner IP-Norm wasserdicht ist. Abtauchen kann man also mit dem neuen Pixel nicht. Muss man auch nicht. Das Pixel ist auf einer Höhe mit dem iPhone und anderen Oberklasse-Smartphones. Das ist die gute Nachricht für Android-Nutzer. Mit dem Pixel ist ein weiteres attraktives Gerät hinzugekommen.

Es ist zugleich eine schlechte Nachricht für Samsung, Sony, HTC, LG und andere Hersteller. Wenn das Pixel zum Verkaufsschlager werden sollte, wird die Luft in der Oberklasse noch dünner. Doch es gibt ja noch die Mittelklasse. Und dort bieten Hersteller wie Huawei Top-Geräte zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis an.

Technische Daten und Preis

Bildschirm: Amoled-Display in 5 Zoll mit 1080 x 1920 Pixeln bei 441ppi und 5,5 Zoll (XL) mit 1440 x 2560 Pixeln bei 534ppi

Größe: 143,8 x 69,5 x 7,3 - 8,5 Millimeter und 154,7 x 75,7 x 7,3 - 8,5 Millimeter (XL)

Gewicht: 143 Gramm und 168 Gramm (XL)

Akku: 2,770 mAh und 3.450 mAh (XL)

Betriebssystem: Android 7.1 Nougat

Speicher: 32 oder 128 GB (intern) und 4 GB Arbeitsspeicher

Prozessor: Snapdragon 821 von Qualcomm mit 2,15 Ghz + 1,6 Ghz, 64 Bit Quad-Core

Kamera: 12,3 Megapixel mit Blende 2.0 (hinten) und 8 MP mit Blende 2.4 (vorne)

Video: 4K bei 30 fps

Schnittstellen: USB Typ-C, 3,5-mm-Kopfhöreranschluss, LTE CAT 11, Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.2, NFC

Farben: Quite black, very silver

Preise: 759 Euro (32 Gigabyte), 869 Euro (128 GB). XL: 899 Euro (32 GB), 1009 Euro (128 GB)

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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