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Neuigkeiten von Apple

Das X macht den Unterschied

Von Michael Spehr, Cupertino
 - 07:50
Da ist das Ding: das iPhone X Bild: Hersteller, FAZ.NET

Zehn Jahre nach der Vorstellung des ersten iPhone bringt Apple zum runden Jubiläum gleich drei neue Geräte auf den Markt. Nach den bisherigen Gepflogenheiten standen eigentlich nur ein iPhone 7S und ein 7S Plus mit größerem Display auf der Tagesordnung. Die Überraschung ist der Sprung nach vorn zu einem iPhone 8 und 8 Plus sowie die Veröffentlichung eines dritten Modells, dem iPhone X. Und dieses bricht in vielerlei Hinsicht mit der Tradition. Das iPhone X hat ein OLED-Display, das im Unterschied zur bislang verwendeten LCD-Technik einen sehr hohen Kontrast und kräftige Farben bietet. Die Anzeige nimmt zudem fast die gesamte Front ein, der Rand wird schmal wie nie.

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Mit seinem dünnen Rand hat das iPhone X in etwa die Gehäusemaße eines iPhone 7, aber die Displaygröße macht den Unterschied: 5,8 Zoll bei einer Auflösung von 2436 x 1125 Pixel. Trotz der großen Anzeige, jetzt spricht Apple von einem Super-Retina-Display, bleibt das iPhone X sehr kompakt. Beherbergten der untere und obere Rand bisher die Home-Taste einerseits und Lautsprecher sowie Selfie-Kamera andererseits, kommt nun ein komplett umgestaltetes Design zum Einsatz. Die Home-Taste entfällt, das Display ist bis nach unten gezogen, man bedient das Gerät allein mit Gesten. Auch nach oben hin zieht sich die Anzeige bis an den Rand, allerdings gibt es eine Aussparung für die Selfie-Kamera, den Lautsprecher und Sensoren.

Cupertino
Apple stellt neues iPhone X vor

Auch setzt das Display nun auf sanfte Rundungen. Die Statushinweise am oberen Rand wie Akkuladestand und Netzversorgung rücken nach links und rechts. Im unteren Bereich des Bildschirms gibt es eine dünne Leiste, die man bis zur Mitte des Bildschirms hochziehen kann, um das Telefon zu entsperren. Befindet man sich innerhalb einer App, ruft man so die Multitasking-Ansicht auf. Zieht man die Leiste noch weiter hoch, gelangt man zum Homescreen zurück. Mit diesen Tricks zeigt das kompakte iPhone X mehr Informationen auf seinem Display als seine großen Geschwister.

Statt Touch ID und biometrischem Fingerabdruckscanner arbeitet das iPhone X mit einer biometrischen kameragestützten Gesichtserkennung, sie heißt Face ID. Wie schnell und sicher arbeitet die Technik, und lässt sie sich mit Fotos überlisten? Die Hacker der Welt scharren gewiss schon mit den Füßen. Apple sagt, die Technik sei deutlich sicherer als ein Fingerabdruckscanner und funktioniere auch im Dunklen oder bei hellem Sonnenlicht. Das wird man sehen. Die Face-ID-Daten verlassen das Gerät nicht, sie werden also nur im iPhone X gespeichert.

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Das iPhone X bringt sodann den leistungsstärkeren Prozessor A11 mit der Ergänzung „Bionic“ für eingebautes Maschinenlernen mit. Die verbesserte Kamera erreicht eine optische Auflösung von 12 Megapixel, wie die bisherigen Modelle. 4K-Videos lassen sich mit 60 Frames per Second aufnehmen. Das iPhone X kommt mit 64 oder 256 Gigabyte Speicher zu Preisen von 1149 Euro und 1319 Euro in Space Grau und Silber Anfang November in den Handel.

Die beiden vorgestellten iPhone 8 und 8 Plus folgen ihren Vorgängermodellen: Das Display misst 4,7 oder 5,5 Zoll in der Diagonale, die Kamera erreicht 12 Megapixel, neu ist auch hier der A11-Bionic-Prozessor mit mehr Rechenleistung. Die Speicher-Ausbaustufen lauten 64 und 256 Gigabyte, und die Preise reichen von 799 Euro bis 969 Euro und 909 Euro bis 1079 Euro (Plus-Variante) in Space Grau, Silber und Gold an. Beide kommen am 22. September in den Handel.

Drahtlos laden

Endlich kommt das drahtlose Laden, und zwar für alle drei Modelle. Die induktive Energieübertragung zum Füllen des Geräteakkus ist ebenfalls keine neue Technik, man kennt sie etwa von der elektrischen Zahnbürste. Man legt dazu das Handy auf eine spezielle Ladeschale, das Einstecken des Kabels entfällt. Sowohl in der Ladeschale wie auch in der Rückseite des Smartphones befinden sich elektrische Spulen. Liegen diese unmittelbar übereinander, fließt elektrische Energie.

Der gängige Standard für das induktive Laden heißt Qi. Apple unterstützt vermutlich nur den langsameren Modus mit einer maximalen Leistung von 7,5 Watt. Der schnelle 15-Watt-Modus funktioniert wahrscheinlich nicht. Bisher unterstützen das drahtlose Laden neuere Samsung-Smartphones und ältere Microsoft Lumias. Qi-Ladeeinrichtungen gibt es bereits in vielen Fahrzeugen.

Augmented Reality

Augmented Reality (AR) lautet das nächste Zauberwort, das die jüngsten Apples attraktiv machen soll. Die erweiterte Realität ist die Anreicherung der Außenwelt mit digitalen Zusatzinformationen. Man sieht seine reale Umwelt auf einem Display oder einer Datenbrille, und dazu kommen digitale Inhalte. Neu ist AR nicht, im Helmvisier von Kampfpiloten ist die Technik seit Jahrzehnten im Einsatz.

Das Problem ist stets die Umsetzung: Google scheiterte vor einigen Jahren mit seiner umstrittenen AR-Brille Glass, die ein Display am Rande des Sichtfeldes enthielt. Nun experimentiert Google mit dem Projekt Tango. Es erfordert allerdings üppig ausgestattete Smartphones mit zwei Kameraoptiken, und bislang hat man Tango nur in ruckelnden Bildern gesehen. Auch Microsoft setzt auf AR und verwendet Hololens, eine riesige Brille, die ihrem Träger animierte digitale Objekte oder Multimedia-Inhalte im Raum zeigt.

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality werden oft in einem Atemzug genannt. Der Unterschied: Mit einer VR-Brille taucht man komplett in eine optische virtuelle Computerwelt ein und ist von der realen Außenwelt abgeschottet. Augmented Reality bedeutet, dass man weiterhin seine eigene Umgebung wahrnimmt, die mit einer Brille oder einem Smartphone um virtuelle Inhalte erweitert wird. Plötzlich scheint ein dreidimensionales Objekt im tatsächlich leeren Wohnzimmer zu stehen.

Die Apple AR benötigt nur eine einzige Kamera

Solche AR-Anwendungen werden nun Realität. Mit iOS 11 hatte Apple sein AR Kit genanntes Entwicklerwerkzeug vorgestellt. Die Apple AR benötigt nur eine einzige Kamera und ein iPhone oder iPad mit dem A9-Prozessor oder höher. Ein altes iPhones 6S von 2015 ist also bereits ausreichend.

Die nun gezeigten AR-Apps sind spektakulär. Mit Ikea Place, das bereits vor der Veranstaltung gezeigt wurde, kann man Möbelstücke in der eigenen Wohnumgebung aufstellen, sie überlagern sich mit der vorhandenen Einrichtung, das neue Objekt lässt sich von allen Seiten begutachten, man kann die Farben ändern oder weitere Objekte hinzustellen. Die Darstellung ist schnell, ruckelfrei, sie wirkt realistisch, man staunt. Gleiches bei ersten AR-Spielen, wie sie Apple nun zeigte: Virtuelle Plattformen werden im realen Raum errichtet, man kann sich den virtuellen Figuren nähern, man sieht weitere Details, nichts ruckelt, nichts läuft heiß.

Mit iOS 11 kommt das AR Kit nun auf einige hundert Millionen Geräte, damit könnte sich plötzlich eine Technik durchsetzen, die seit Jahren in den Startlöchern steht. Apple wäre wieder einmal das Unternehmen, welches den massenhaften Durchbruch möglich macht.

Das neue Apple-Betriebssystem für Mobilgeräte iOS 11 steht vom 19. September an kostenlos zur Verfügung und läuft auf allen Geräten ab dem iPhone 5S, das 2013 vorgestellt wurde. Ältere Handys wie das iPhone 5 und iPhone 5c, die mit einem 32-Bit-Prozessor arbeiten, können nicht auf iOS 11 aktualisieren. Die 64-Bit-Unterstützung ist auch für Apps künftig Pflicht.

Neue Apple Watch und neues Watch OS 4

Und schließlich eine neue Apple Watch: Die dritte Variante seit 2014 geht an den Start. Das rechteckige Gehäuse bleibt, auch ist die Watch 3 weiterhin in zwei Größen mit 38 oder 42 Millimeter sowie verschiedenen Materialien und Armbändern erhältlich. Die Preise liegen zwischen 369 Euro und 799 Euro. Die neue Uhr kommt am 22. September in den Handel. Der Pluspunkt des neuen Modells ist das eingebaute Funkmodul mit fest installierter Sim-Karte. Man kann unabhängig vom iPhone mit seiner bekannten Rufnummer telefonieren und in Verbindung mit dem Streaming-Angebot Apple Music seine Musik auf die Uhr laden.

Mit der Uhr kommt ein verbessertes Betriebssystem, das auch für die älteren Modelle bereitgestellt wird. Watch OS 4 setzt iOS 11 auf dem zugehörigen iPhone voraus. Es beinhaltet optische Änderungen, etwa beim Dock und den in ihm plazierten Apps. Die Programme sollen schneller reagieren und sich flüssiger bedienen lassen. Die Wabenansicht aller installierter Apps bleibt, alternativ gibt es auch eine Listenansicht.

Ein neues Siri-Ziffernblatt blendet wechselnde Informationen zum passenden Zeitpunkt ein, etwa zu Fahrzeiten oder anstehenden Terminen. Die Workout-App zum Erfassen sportlicher Aktivitäten wurde komplett überarbeitet, neue Sportarten und ein Wechsel der Sportart innerhalb einer Trainingseinheit sind hinzugekommen. Zudem kann die Apple Watch im Fitness-Studio direkt mit den Geräten mehrerer großer Hersteller kommunizieren. Sodann soll die Uhr künftig Herz-Rhythmusstörungen des Trägers im Rahmen der Apple Heart Study erkennen.

Apple TV mit 4K und HDR

Apple TV, die Settop-Box zum Anschluss ans Fernsehgerät, kommt in einer neuen fünften Generation, die nun 4K-Inhalte wiedergeben kann. Die Streaming-Box hat dazu einen HDMI-Ausgang, und sie bietet nun auch HDR-Unterstützung. Apple TV verwendet ein eigenes TV OS, und es ist seit der vierten Generation auch möglich, Apps von Drittanbietern auf die Box zu laden.

Quelle: FAZ.NET
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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