Lautsprecher Beolab 50 im Test

Akustische Wahlverwandtschaft

Von Wolfgang Tunze
 - 08:34

Während der IFA Anfang September spielte er zum ersten Mal öffentlich auf, jetzt steht er in den Läden – der neue Aktiv-Lautsprecher Beolab 50 des dänischen Herstellers Bang & Olufsen. Viel silbern schimmerndes, massives Aluminium prägt seine Erscheinung, vertikale Lamellen aus Eichenholz passen zu wohnlicher Umgebung, kurzum: Der Apparat steht von Kopf bis Fuß in der feinen Design-Tradition des Hauses. Seine inneren Werte aber folgen einer anderen Erb-Linie: Der Neue, sagt der Hersteller, sei die kleinere Ausgabe des mächtigen Konstrukts Beolab 90, mit dem Bang & Olufsen vor zwei Jahren für Aufsehen sorgte.

Die eindrucksvollen Schallwandler traten mit 18 in alle Richtungen abstrahlenden Lautsprecherchassis an, um mit Hilfe digitaler Signalprozessoren die komplizierten Beziehungen zwischen Musiksignal und Raumakustik exakt zu kontrollieren. Die hörbaren Resultate fanden wir schlichtweg spektakulär. Mit einem stolzen Paarpreis von 70 000 Euro allerdings blieb dieses Kaliber außerhalb der Reichweite von Normalverbrauchern, denen lediglich das trostreiche Versprechen blieb: Der Beolab 90 sei nur das Flaggschiff einer ganzen Flotte künftiger Lautsprecher, die ähnlichen Zielen folgen – nur mit etwas überschaubareren Mitteln. Jetzt also haben wir den ersten, zierlicheren Abkömmling vor uns, allerdings: Auch den Beolab 50 gibt es nicht zum Schnäppchenpreis, das Paar kostet immerhin 26 590 Euro. Können seine akustischen Leistungen einlösen, was der High-End-Tarif erwarten lässt?

Möglichst exakte räumliche Abbildung der Musik

Zwei Kunstgriffe sollen dazu beitragen. Zum einen kann der Beolab 50, ähnlich wie sein großes Vorbild, die Abstrahlbreite hoher Frequenzen regeln: Eine schmale Ausrichtung auf den Hörer sorgt dafür, das der akustische Einfluss von im Raum reflektiertem Schall gering bleibt, um so eine möglichst exakte räumliche Abbildung der Musik zu erzeugen. Das allerdings ist ein etwas einsames Vergnügen: Kommen Freunde zu Besuch, dann empfehlt sich die Einstellung auf einen breiteren Abstrahlwinkel, der den Klang nicht nur auf den einen idealen Hörplatz optimiert. Zum anderen lässt sich die Tiefton-Energie nach Maß justieren: Ein externes Messmikrofon meldet der Digitalelektronik zum Beispiel, wenn Raumresonanzen tiefe Bässe aufblähen, und veranlasst so automatische Anpassungen.

Im Detail geht das so: Gleich nach dem Einschalten fährt auf dem Oberdeck jedes Lautsprechers die versenkt eingebaute Hochtoneinheit aus dem Gehäuse. Sie besteht aus einer Kalottenmembran, die den Schall nach oben gegen einen Verteilkegel, akustische Linse genannt, abstrahlt. Bewegliche, von Motorkraft angetriebene Lamellen nun begrenzen deren Abstrahlwinkel – im weiten Modus auf etwa 180 Grad, zur engeren Ausrichtung auf einen deutlich kleineren Wert. Die Steuer-App zum Lautsprecher verpasst der Hochtonabstrahlung die gewünschte Form. Zur raumgerechten Dosierung der tiefen Töne bietet der Beolab 50 besondere Voraussetzungen: Drei 25 Zentimeter große Tieftonmembranen strahlen den Schall nach vorn und schräg zu den Seiten ab; die Elektronik kann jedes einzelne Chassis in Pegel und Phase so steuern, dass Raumresonanzen auf der Strecke bleiben. Ein paar Details noch zu den weiteren Ingredienzen: Drei 10 Zentimeter große Mitteltöner strahlen nach vorn. Für jedes einzelne Chassis gibt es einen separaten Schaltverstärker, als Gesamtleistung nennen die Datenblätter satte 2100 Watt.

Musikquellen können die Lautsprecher ohne Umweg über einen Vorverstärker versorgen. Cinch-Anschlüsse nehmen Analogsignale entgegen, für digitale Töne gibt es optische und elektrische Anschlüsse. Computer können Digitalmusik über eine USB-Verbindung anliefern, gern auch in hoch auflösender Qualität: Eckdaten bis 192 Kilohertz und 24 Bit sind kein Problem, DSD-Signale allerdings müssen vor der Ausgabe zunächst ins PCM-Format gewandelt werden. Eine breitbandige Funkstrecke nach dem Standard Wisa stellt darüber hinaus eine Verbindung zu Fernsehern von Bang & Olufsen her; ein Paar Beolab 50 lässt sich also auch in ein Heimkino-System einbinden. Der Fernseher übernimmt in diesem Fall alle nötigen akustischen Anpassungen. Zur W-Lan Kontaktaufnahme mit einem Multiroom-System, das Musikarchive auf Nas-Laufwerken anzapfen oder Internet-Radio und Streaming-Dienste einspielen kann, ist vorläufig noch eine kleine Zusatzkomponente nötig. Sie sieht aus wie ein Eishockey-Puck und hört auf den Namen Beosound Core. Künftige Software-Updates sollen diesen Außenborder überflüssig machen.

Der Klang der Beolab 50 ist schlicht eindrucksvoll. Die schönen Schallsäulen spielen so unbestechlich genau, als hätten Studio-Monitore ihre Membranen im Spiel – vor allem natürlich, wenn sie mit enger Abstrahlung auf die Trommelfelle einwirken: Dann erscheinen Instrumente tief gestaffelt auf einer imaginären Bühne, Solisten verraten ihre Position zentimetergenau. Dazu passt die Disziplin der Tieftonwiedergabe: So trocken und präzise und doch beeindruckend tief erlebt man Bässe nur selten. Dennoch vermitteln die Nordlichter keine sterile Atmosphäre: Sie musizieren, wenn das Werk es hergibt, anmutig und mit Charme – oder auch kraftvoll und mit ansteckendem Temperament. Kurzum: Auch die Neuen zählen zum HiFi-Hochadel; die Verwandtschaft zu ihren größeren Vorbildern ist nicht zu überhören.

Quelle: F.A.Z.
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