Lautsprecher Sonos One

Auf ein Wort

Von Wolfgang Tunze
 - 16:33

Lautsprecher, die auch zuhören können, haben Hochkonjunktur: Amazon und Google, aber auch klassische Unterhaltungselektronikmarken wie Sony und Panasonic befeuern den Trend, Apple bringt zum Ende des Jahres seinen ersten sprachgesteuerten Lautsprecher Homepod auf den Markt. Sonos, Pionier und Platzhirsch im Markt der vernetzten Lautsprecher, setzt nun ebenfalls auf die Macht des gesprochenen Worts. Von sofort an können die Geräte verbale Musikwünsche erfüllen, die mit dem Kommando-Schlüsselwort „Alexa“ beginnen. Drei Dinge sind dazu vorerst nötig: ein Wohnsitz in Deutschland, Österreich, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten, ein Software-Update, das dem System die nötigen Inhalte für Amazons Spracherkennungssystem gibt, und eine lauschende Hardware, etwa der kleine Mikrofon-Puck Echo Dot.

Das Zusatzgerät von Amazon aber wird am 24. Oktober überflüssig, wenn der neue Lautsprecher Sonos One ins Spiel kommt. Er hat sechs eingebaute Mikrofone an Bord, die sich für Spracheingaben bereithalten. Echo-Unterdrückung soll erreichen, dass die Kommandos auch dann ankommen, wenn schon Musik spielt; automatische Lautstärkereduktion erleichtert dann die Ansprache. Ein interessantes Detail: Zum Schutz der Privatsphäre lässt sich das Mikrofon komplett abschalten. Es ist mit einem Kontroll-Lämpchen fest verdrahtet. Erlischt es, hat jeglicher Horchdienst zuverlässig Pause.

Der Neue ist ein kongenialer Nachfolger

Äußerlich ähnelt der Neue dem Beinahe-Namensvetter Play 1, dem bisher kleinsten Sonos-Modell. Den bewährten Lautsprecher wird es noch eine Weile zu kaufen geben, der Neue ist aber eigentlich ein kongenialer Nachfolger, denn auch sein Innenleben und damit sein Klang ähneln dem Vorbild. Das macht die Sache spannend. Der Sonos One, Preis 229 Euro, wäre damit ein sprachbegabter und obendrein musikalischer Lautsprecherknirps, der schon richtig erwachsen tönt, was man beim besten Willen nicht von allen, zumeist noch kleineren Konkurrenzmodellen sagen kann, die bisher im Umlauf sind. Dass sich auch der Neue mit dem System Trueplay einmessen lässt, spricht ebenfalls für ihn.

Interessant ist der Nachfolger aber auch aus einer Reihe anderer Gründe. So stellt er die Spracherkennungsfunktion für ein Multiraum-System zur Verfügung, kann also Musik per Spracheingabe auch an größere Sonos-Lautsprecher delegieren, die nebenan aufspielen, oder an eine große, konventionelle Stereoanlage, die über die Komponente Connect mit dem System verbunden ist. Die Sprachkommandos können bereits Musik aus einigen Streamingdiensten direkt abrufen – aus Amazon Music, iHeart Radio, Pandora, Sirius XM und dem Internetradio Tune In. Spotify soll schon bald folgen. Für die vielen anderen vom System unterstützten Musikdienste gilt: Befehle wie Pause, Weiter, Lauter oder Leiser bewirken überall, was sie sollen. Alexa liefert über den Sonos One auch Antworten auf Fragen nach dem Wetter, stellt Timer ein oder ruft Bundesliga-Ergebnisse ab. Dennoch, sagt Sonos, unterscheidet sich das Alexa-Repertoire der Amazon-Welt von den Möglichkeiten, die der Lautsprecherhersteller unterstützt. Man wolle sich, so die Philosophie, zunächst auf alles konzentrieren, was mit der komfortablen Musikwiedergabe zu tun habe.

Damit nicht genug. Im nächsten Jahr zieht auch noch der Google Assistent zur Sprachsteuerung ins Sonos-System ein. Der kleine One wird damit als Erster seiner Art bilingual. Selbst dabei wird es nicht bleiben. 2018 wird die Unterstützung von Airplay 2 hinzukommen, das heißt, die Lieder aus der iPhone-Musik-App lassen sich dann direkt ins Sonos-System streamen, ebenso der Ton aus Youtube-Filmen oder Netflix-Videos. Und damit kommt auch Siri als dritte Variante der Sprachsteuerung ins Spiel.

Die Ambitionen des Herstellers aber reichen offenbar noch weiter. Im kommenden Jahr will Sonos seine Programmierschnittstellen für Entwickler öffnen und ein Zertifizierungsprogramm aufsetzen, dem Hard- und Software-Produkte mit der Bezeichnung „Works with Sonos“ entspringen sollen. Damit nehmen die Klangspezialisten auch alle erdenklichen Funktionen im smarten Zuhause ins Visier – fast so wie Konkurrent Apple mit seinem System Homekit. Sieben Systempartner wollen schon in den nächsten Wochen Zertifizierungsverfahren abschließen. Dann rattern im Sonos-Haushalt vielleicht schon bald die Jalousien automatisch herunter, und gedämpftes Licht vermittelt passende Stimmung, sobald Alexa einen Schmusesong von Eros Ramazotti aus dem Internet saugt.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAmazonPanasonicSony