Lenovo Thinkpad X1

Den gönnt sich der Chef

Von Michael Spehr
 - 11:20

Wenn einen, dann diesen. Es lockt die Solidität der Oberklasse, die feine Technik gepaart mit Robustheit im Alltagseinsatz. Wer so etwas wie die S-Klasse als Windows-Notebook sucht, ist seit vielen Jahren mit dem Thinkpad X1 Carbon von Lenovo gut beraten. Natürlich gibt es ordentliche Geräte auch von anderen Herstellern, von HP, Dell und weiteren. Aber wenn es um die letzten Finessen geht, fällt die Entscheidung für den Thinkpad X1 Carbon. Die Modellreihe Thinkpad startete 1992 noch in den Zeiten von IBM, die sich damals im jungen Notebook-Markt sehr schwer taten gegenüber Mitbewerbern wie HP oder Compaq.

Das erste Thinkpad 700C hatte ein 10-Zoll-Farbdisplay, während die Konkurrenz auf deutlich kleinere monochrome Anzeigen setzte. Statt des üblichen beigen Kunststoffs wählte der deutsche Industriedesigner Richard Sapper für den Thinkpad die Farbe Schwarz, eine Zäsur. Auch der Trackpoint inmitten der Tastatur zur Steuerung des Mauszeigers war innovativ. Sein Design mit roter Kappe aus Gummi stammte ebenfalls von Sapper. Der erste Thinkpad wurde ein Bestseller und begründete die Modellreihe. Dann verkaufte 2004 IBM sein Desktop- und Notebook-Geschäft an den chinesischen Hersteller Lenovo.

Der wiederum legte 2012 den ersten Thinkpad X1 Carbon auf, und nun ist die sechste Generation am Start. Der Neue hat exakt die Maße des Vorgängers (32,4 × 21,7 × 1,6 Zentimeter), ist angenehm leicht (1,1 Kilogramm) und hat ein vierfach kohlefaserverstärktes Gehäuse mit einem Schutzrahmen aus einer Magnesiumlegierung. Es wirkt äußerst verwindungssteif. Das Display bleibt bei 14 Zoll, ist nun aber von Anfang an in verschiedenen Varianten erhältlich: Full HD (1920 × 1080 Pixel) entspiegelt und WQHD (2560 × 1440 Pixel), wahlweise entspiegelt mit geringerer Helligkeit (300 cd/m2) oder glänzend mit höherer (500 cd/m2). Diese glänzende Anzeige ist jedoch nicht nur heller, sondern deckt auch den Adobe-RGB-Farbraum zu 100 Prozent ab. Die ältere entspiegelte Anzeige belässt es bei etwa 70 Prozent. Das neue Display soll zudem Dolby Vision HDR unterstützen, HDR steht für High Dynamic Range, damit sollen Bilder kontrastreicher und farbstärker als bisher dargestellt werden. Eine weitere Neuerung besteht darin, dass erstmals die Anzeige auch als berührungsempfindlich gewählt werden kann.

Wir hatten für unser Testgerät WQHD entspiegelt mit der geringeren Helligkeit bestellt. Das ist unseres Erachtens die beste Ausstattung jenseits der Bildbearbeitung, wenn das Thinkpad im Büro für Internet, Text und Tabellen eingesetzt wird. Das Display unseres Testmusters war gleichmäßig ausgeleuchtet, hinreichend hell, und wenn man zuvor mit einer spiegelnden Anzeige gearbeitet hat, sieht man den Gewinn der matten Darstellung sofort. Dank WQHD lässt sich kommod mit zwei Fenstern arbeiten, und trotzdem bleibt der Laptop so kompakt und leicht, dass man ihn abends gern mit aufs Sofa nimmt. Dass sich die Anzeige bis 180 Grad nach hinten klappen lässt, sei ebenfalls erwähnt, sie hält in jedem Blickwinkel absolut stabil.

Das neue Thinkpad macht wieder alles richtig

Die Tastatur der Thinkpads war schon zu IBM-Zeiten legendär und eines der wichtigsten Kaufargumente. Im Laufe der Jahre wurde viel experimentiert, etwa mit der sich seitlich auseinanderfaltenden Butterfly-Tastatur. Der Tastenhub wurde kleiner, und die aktuelle Tastatur können wir nur loben. Sie reagiert präzise und ist ein wunderbares Instrument für Menschen, die schnell mit zehn Fingern schreiben wollen. Eine Hintergrundbeleuchtung ist in zwei Stufen zuschaltbar.

Das Touchpad darunter arbeitet ebenfalls überzeugend, es kommt ohne den Synaptics-Treiber aus; die drei über ihm liegenden Maustasten erreicht der Zehnfingerschreiber mit dem Daumen, ohne die Hand bewegen zu müssen. Da hat jemand mitgedacht.

Geht es um die Schnittstellen, hat sich gegenüber dem Vorjahresmodell wenig geändert: Zweimal USB 3 und zwei Thunderbolt 3 mit USB Typ C bieten viel Flexibilität und hohe Datenübertragungsraten. Letztere unterstützen Displayport und lassen sich natürlich auch zum Laden des Akkus nutzen. An der Rückseite unseres Geräts mit Mobilfunkmodem befand sich ein Kartenschacht, wie man ihn vom Smartphone kennt, nämlich mit Halterung für eine Micro-Sim-Karte und Micro-SD als Speichermedium in einer ganz interessanten Bauweise. Auch gibt es eine Aussparung für ein Sicherheitsschloss. Ein neuer mechanischer Docking-Anschluss an der linken Seite verbindet die dort liegenden Anschlüsse mit einem proprietären Stecker.

Lenovo widersetzt sich also der bei vielen Herstellern üblichen Hungerkur, was Schnittstellen und Konnektivität betrifft. Der Fingerabdruckscanner rechts vom Touchpad ist ein weiteres sinnvolles Extra. Er dient dazu, das biometrische Anmeldeverfahren Windows Hello zu nutzen; die eingebaute Kamera oberhalb der Anzeige wird ebenfalls angeboten, ließ sich aber bei uns nicht dazu verwenden. Diese Kamera gibt es nun optional mit Thinkshutter für besonders sicherheitsbewusste Menschen: Mit einem mechanischen Schieber ist sichergestellt, dass garantiert kein Bild übertragen wird, selbst dann nicht, wenn Hacker den Zugriff auf die Optik erlangt haben.

Lüfter und Laufzeit sind die Schwachpunkte der kompakten Oberklasse-Notebooks. Der X1 Carbon gibt sich keine Blöße: Sein Lüfter mit großem Auslass an der rechten Seite ist zwar hörbar, aber er springt nur selten an. Die meiste Zeit hatten wir für typische Bürotätigkeiten ein lautloses Gerät vor uns.

Da Lenovo jetzt die achte Prozessorengeneration verwendet, darf man getrost von einer etwas längeren Akkulaufzeit ausgehen. Unser Testgerät mit Core i7 (8550U), acht Gigabyte Speicher und 512 Gigabyte SSD-Laufwerk kam auf deutlich mehr als zehn Stunden, das Vorjahresmodell lag darunter. In dieser Konfiguration kostet der neue X1 Carbon stattliche 2200 Euro, und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, wie die Preisliste zeigt. Die hohe Qualität soll diesen Preis rechtfertigen.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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