Lenovo Yoga 920 im Test

Den darf man ruhig mal klappen

Von Michael Spehr
 - 13:22
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Warten lohnt sich, und Kritik hilft. Das ist die Botschaft, wenn es um Lenovos Spitzengerät aus der Yoga-Reihe geht. Damit sind jene Notebooks gemeint, deren Oberseite mitsamt Display sich flexibel drehen lässt, um beispielsweise bequem einen Film sehen zu können oder im Tablet-Modus mit Finger und Stift zu arbeiten. Der Anfang des Jahres vorgestellte Yoga 910 gefiel. Nur hatte er eine üble Macke: das verhunzte Tastatur-Layout, welches dafür sorgte, dass ein Zehnfingerschreiber nicht einen fehlerfreien Satz damit hinbekam. Die Kritik von allen Seiten war unüberhörbar, und nun schiebt Lenovo gleich den Nachfolger Yoga 920 nach.

Die erste gute Nachricht: Ja, mit der Tastatur stimmt jetzt alles, man kann flüssig und gut schreiben. Das Gerät ist zudem spannend, weil es als einer der ersten Notebooks Intels jüngste Prozessorengeneration mitbringt. Kaby Lake Refresh für Ultrabooks hat vier statt zwei Kerne und verspricht mehr Tempo bei geringerer Leistungsaufnahme. Dass nun zwei Thunderbolt-3-Schnittstellen dabei sind, darf man ebenfalls als Pluspunkt verbuchen.

Vom Äußeren her bleibt der neue Yoga 920 den alten Tugenden treu: Tastatur und Anzeige verbindet ein Gliederscharnier, das an ein Uhrenarmband erinnert und jeden Neigungswinkel erlaubt. Man kann das Notebook wie ein Dach aufstellen, etwa für das Ansehen von Videos und Präsentationen, oder die Anzeige komplett nach hinten klappen und in den Tablet-Modus von Windows 10 umschalten. Dann regiert der Finger – die Anzeige ist berührungsempfindlich – oder der mitgelieferte Eingabestift.

Mit einem verwindungssteifen Unibody-Gehäuse aus Metall, einem Gewicht von 1,37 Kilo und Maßen von 32×22×1,4 Zentimeter ist der Yoga 920 reisetauglich, aber als Tablet zu groß und schwer. Die Anzeige löst wahlweise mit Full HD (1920×1080 Pixel) oder wie unser Testgerät mit 3840×2160 Pixel auf. Stets bleibt es jedoch bei einer Diagonale von 13,9 Zoll. Die Darstellung ist gut, sieht man von Spiegelungen ab. Während der Rand nach oben hin und zur Seite millimeterdünn ist, bleibt unten eine riesige schwarze Fläche ungenutzt, in ihr ist originellerweise die Webcam untergebracht. Vier Mikrofone sollen dafür sorgen, dass die Microsoft-Assistentin Cortana auch aus der Ferne die Befehle ihres Herrn hört.

Geht es um Anschlüsse und Konnektivität, ist der Lenovo gut ausgestattet: Links liegen zwei USB-Typ-C-Ports, die Thunderbolt, Displayport und das Laden des fest eingebauten Akkus erlauben. Sodann eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für die Audioausgabe. An der rechten Seite gibt es einen herkömmlichen USB-3-Anschluss. HDMI, Kensington Lock und Kartenleser fehlen. Ein wenig entschädigt der Fingerabdruck-Scanner mit Biometrie, der klaglos seinen Dienst verrichtet. Dass Windows nur in der Home-Version zum Einsatz kommt, erstaunt wiederum.

In Deutschland ist der Yoga 920 derzeit mit Core i5- und Core-i7-Prozessoren erhältlich, die Größe des Arbeitsspeichers liegt zwischen 8 und 16 Gigabyte DDR4-RAM, und dazu kommt eine SSD mit 256 Gigabyte bis 1 Terabyte. Die Preise beginnen mit rund 1600 Euro und enden bei weit über 2000 Euro. Als Grafikeinheit fungiert stets die Chipsatzgrafik Intel HD 620, die mangels eigenem Arbeitsspeicher auf den Systemarbeitsspeicher zugreift.

Erwartungsgemäß gibt es am Tempo der Maschine nichts zu kritisieren. Aber dass der Unterschied hinsichtlich Performance und Akkulaufzeit im Vergleich mit dem Vorgängermodell deutlich hervortritt, können wir nicht bestätigen. Für die Full-HD-Anzeige gibt Lenovo eine Akkulaufzeit von bis zu 15 Stunden an, die Ultra-HD-Auflösung kostet Laufzeit, sie wird mit rund 10 Stunden angegeben. Dieser Wert ist nach unserer Einschätzung erreichbar. Der Lüfter läuft zwischendurch hörbar an, aber auch hier ist Fortschritt zu melden. Der Lärm wurde im Vergleich mit dem 910 reduziert, er faucht eher im Bassbereich, und man hört den Luftstrom. Das ist hinnehmbar. Alles in allem: Das Warten hat sich gelohnt, der neue 920er ist einer der besten Convertibles auf dem Markt.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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