Audiophile auf der High End

Alle sind ganz high

Von Marco Dettweiler, München
 - 13:11
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Wenn jemand für 50.000 Euro ein Auto kauft, gilt das als normal. Kauft jemand für 50.000 Euro ein Paar Lautsprecher, gilt er als verrückt. Dabei halten die Boxen viel länger als das Auto. Die Verrückten treffen sich jedes Jahr in München auf der Messe High End. Dort ist es für die Hersteller normal, auch mal Lautsprecher für 100.000 Euro auszustellen.

Und mancher Besucher denkt ganz nüchtern darüber nach, sein Auto zu verkaufen, um sich solche Prachtstücke ins Wohnzimmer stellen zu können. Wie verrückt müssen Audiophile erst sein, wenn sie für die Gerätschaften, welche die Lautsprecher bespielen, noch einmal die Summe in Höhe eines Neuwagenpreises ausgeben?

Ein Netzwerkspieler für 25.000 Euro brachte selbst Hartgesottene zum Staunen. 8000 Euro für eine „Clock“, die digitalen Signalen bloß den genauen Takt vorgibt, ließ den Atem stocken. Mehr als 1000 Euro für einen Kasten, der „den Strom sauber macht“, erzeugt schmutzige Gedanken. Es bleibt dabei: Höchste Anziehungskraft geht von Lautsprechern und Kopfhörern aus. Einmal ein gelungenes Gerät auf den Kopf gesetzt oder vor einem wohlklingenden Paar Platz genommen, dazu dann noch ein Lieblingslied im Abspielgerät, denken viele nicht mehr über den Preis nach.

Auch müssen Hersteller nicht ausgefeilte technische Beschreibungen bemühen, um Interessenten zu überzeugen. Das ist der Vorteil jener Hersteller, die sich um das „Ende der Kette“ kümmern. Wenn der Klang perfekt ist, kann es eigentlich egal sein, aus welchem Material die Membran besteht.

Die Sache hat nur einen Haken: Es könnte ja ein Lautsprecher oder Kopfhörer im nächsten Jahr präsentiert werden, der noch perfekter klingt. Deswegen zögern so viele mit dem Kauf, weil sie im Preissegment des High End nur eine Chance haben. Deswegen muss die Entscheidung wohlüberlegt sein. Und die Messe in München ist beste Gelegenheit dazu, sich aufs Neue Gedanken zu machen.

Quelle: F.A.S.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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