Bildbearbeitung auf dem Tablet

Die Bändigung der Bilderflut

Von Michael Spehr
 - 07:55

Workflow und Ökosystem, das muss es heute mindestens sein. Was sich geschwurbelt anhört, hat aber durchaus seinen Sinn, etwa wenn es um die Bildbearbeitung geht.

Wie der Profi-Fotograf seine mit der Spiegelreflexkamera geschossenen Aufnahmen von der Speicherkarte der Kamera auf den Rechner holt und in die Software Lightroom von Adobe importiert, um dort viele immer wiederkehrende Bearbeitungsschritte automatisch ablaufen zu lassen, kann auch der Hobby-Knipser mit wenig Aufwand von Workflow und Ökosystem profitieren.

Bleibt man in einer Betriebssystem-Welt und nutzt die angebotenen Wege, sind die einzelnen Schritte zum besseren Foto einfach. Wir werfen einen Blick auf Apples Bilderwelt; die Freunde von Android finden ein ähnliches Angebot rund um Google Photos ebenfalls vor.

Wer mit dem iPhone fotografiert, kann seine Bilder auf dem Gerät lassen und mit einem USB-Kabel zum PC überspielen. Der erste Schritt hin zu einer automatisierten Bearbeitung ist jedoch die Nutzung entweder des Fotostreams oder der iCloud-Fotomediathek.

Einen Monat lang auf 1000 Aufnahmen zugreifen

Die eigenen Schnappschüsse werden selbsttätig im Hintergrund über eine W-Lan-Verbindung hochgeladen. Mit dem Fotostream sind die letzten 1000 Aufnahmen 30 Tage lang auf jenen Geräten verfügbar, die mit demselben iCloud-Account angemeldet sind. Die Fotomediathek erlaubt eine umfassendere Nutzung in der iCloud, ohne jede Begrenzung, indes muss man gegebenenfalls iCloud-Speicher kaufen.

Fotostream und Fotomediathek sind ungemein praktisch, weil sich jedes neue Foto in größerer und besserer Darstellung auf dem iPad betrachten lässt. Nicht nur das: Mit dem Menü Bearbeiten gelingt das Drehen oder Beschneiden des Fotos in Sekunden, und von Haus aus bietet Apple etliche weitere Einstellungen für die nachträgliche Änderung von Farbe, Kontrast, Licht und anderen Parametern. Auch lassen sich zahlreiche Filter anwenden.

Pixelmator ist gut für den Fingereinsatz gerüstet

Sind mehr Bildbearbeitung und mehr Optionen gefragt, nehme man den Pixelmator in den Blick. Die App kostet 5,50 Euro für die Mobilgeräte, 33 Euro für den Mac, und eine Pro-Version für den Mac ist seit kurzem ebenfalls erhältlich. Bereits die von uns ausprobierte günstige iOS-Variante auf iPhone und iPad kann etliches: Malen, Löschen, Retuschieren, aber auch das Arbeiten mit übereinanderliegenden Ebenen. Selbst das vom Photoshop bekannte Dateiformat PSD wird unterstützt, mitsamt allen Ebenen.

Pixelmator auf dem iPad ist mit großen Symbolen gut für den Fingereinsatz gerüstet, vieles ergibt sich nahezu von selbst. Auch die Tonwertkurven lassen sich flink mit dem Finger anpassen. Vom Pixelmator aus kann man entweder in die Fotoabteilung des Geräts exportieren oder in die iCloud oder in eine andere App. Mit seinem geringen Preis ist Pixelmator für iPhone und iPad eine gute Wahl.

Eine Stufe darüber steht Affinity Photo von Serif. Es läuft auf schnelleren iPads und dem iPad Pro, nicht jedoch auf dem iPhone, und kostet 22 Euro. Das Programm gibt es seit 2015 für den Mac, ein Jahr später kam die Windows-Version, und nun gelang der Schritt in die mobile Welt.

Wer Affinity Photo startet, ist zunächst erschlagen von der Fülle der Möglichkeiten. Abermals denkt man an Photoshop. Gewöhnungsbedürftig sind die unterschiedlichen Hauptmenüs, Persona genannt. Alle weiteren Menüs befinden sich an den Bildschirmrändern; sie sind mit dem Finger gut zu erreichen, aber noch besser geht es mit dem Apple Pencil, also dem Stift, der sich mit den iPad-Pro-Modellen verwenden lässt.

Hier fährt dann die App ein Angebot auf, das fasziniert und begeistert. Auswählen und Retuschieren gelingt ungemein präzise, ungezählte Effekte sind natürlich abermals dabei, und das Ergebnis wird in einer Live-Vorschau gezeigt.

Mit unbegrenzten Ebenen, Ebenengruppen und Maskierungsebenen, Vektorpfaden und Filterebenen eignet sich die Software gut für Fotomontagen. Raw, Exif- und Metadaten werden unterstützt, und für den Export steht neben Photoshop PSD auch EPS bereit. Apple hat im Dezember das Programm als „Beste App für das iPad“ ausgezeichnet, das Lob ist verdient.

Die günstigste Variante beginnt bei 12 Euro im Monat

Die Adobe-Software Lightroom CC, für viele Profis der Dreh- und Angelpunkt gehobener Bildbearbeitung, lässt sich kostenlos auf iPad und iPhone laden, benötigt aber für fortgeschrittene Funktionen und Speicherplatz in der Adobe-Cloud ein Abonnement.

Wenn man die PC-Software für Windows und Mac einbezieht, beginnt die günstigste Variante bei 12 Euro im Monat. In der Gratisversion lassen sich einige Filter und Effekte einsetzen, mit der gewohnt hohen Qualität von Adobe.

Das gilt insbesondere, wenn man die App auf dem iPhone zur Kamerasteuerung verwendet. Hier sind schon in der Gratisvariante viele hilfreiche Tools mit dabei, und die Premium-Version der Apps für iPhone und iPad kostet nur 5 Euro im Monat. Snapseed war ursprünglich eine Anwendung von Nik-Software, die hochwertige Plug-ins für den Photoshop produzierten. 2012 kaufte Google das Unternehmen und stellte das Mac-Programm ein.

iPad-App bietet viele Filter

Es blieben bis heute die Gratis-Anwendungen für iPhone und Android. Die iPad-App bietet viele Filter und gute Optionen zum Zuschneiden der Aufnahmen. Sie bleibt schwach beim Malen, verwendet keine Ebenen und hat im Vergleich mit den anderen Kandidaten nur rudimentäre Exportfunktionen. Gelungen sind indes die zahlreichen Filter, die sehr schöne Effekte bieten, etwa zur Umwandlung in Schwarzweißfotos oder für Porträtaufnahmen. Letzgenannte etwa mit der Option, die Haut zu glätten oder die Augenpartie zu retuschieren. Ein Blick auf diese App lohnt sich.

Jenseits der Bildbearbeitung eignet sich das iPad auch und gerade in Verbindung mit dem Apple Pencil gut zum Malen. Die wohl bekannteste App ist Paper, die im Umgang mit Farben, Pinseln und Texturen seit 2012 Maßstäbe setzt. Hoch gelobt wird ferner Astropad, das es in einer Standard- und einer Studio-Variante gibt. Autodesk Sketchbook und Adobe Illustrator Draw seien ebenfalls erwähnt.

Eine App zum Zeichnen und Notieren

Wer jenseits kreativer Malerei sein iPad auch als elektronisches Notizbuch verwenden will, ist mit Good Notes gut beraten. Die App kostet 9 Euro. Sie gestattet das Arbeiten mit einem Stift, selbst wenn man nicht die iPad-Pro-Modelle besitzt, die mit dem Apple Pencil zusammenarbeiten. Der Apple Pencil auf einem iPad Pro liefert jedoch eine deutlich bessere Qualität.

Ferner bietet Good Notes eine Handschrifterkennung, zum einen für die Umwandlung des Handgeschriebenen und zum anderen sogar als Suche in den aktuell geöffneten PDF-Dokumenten. Es gibt eine Kantenglättung für Zeichnungen und eine Zeichenhilfe für viele geometrische Objekte.

Zwar wird der Export in und der Import von verschiedenen Cloud-Diensten unterstützt, aber wer mit vielen Dateien in großen Verzeichnissen hantiert, ärgert sich darüber, dass Good Notes stets im Wurzelverzeichnis startet und sich die zuletzt aufgerufenen Speicherorte nicht merkt. Auch hier sind viele einzelne Fingertipps schon für das Zwischenspeichern erforderlich. Dennoch ist die App empfehlenswert.

So kommt man in der Bildbearbeitung auf vielen verschiedenen Wegen zum Ziel. Das eine Ziel gibt es indes wohl nicht, eigene Vorlieben spielen stets eine Rolle. Die Apps für das Tablet sind mittlerweile leistungsfähig und schnell; viele Schritte der Sichtung und Bearbeitung lassen sich problemlos unterwegs und fern vom Rechner erledigen. Dass man mit dem hochauflösenden Display des iPad und seiner guten Farbdarstellung auch gleich die Präsentation der bearbeiteten Schnappschüsse übernehmen kann, sei nicht verschwiegen.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemeniPadiPhoneAppleMacAdobe PhotoshopiPad ProApple iOS