Wegweiser

Schnell zum passenden und günstigen Mobilfunktarif

Von Michael Spehr
 - 14:24

Der Mobilfunkvertrag endet, und nun ist guter Rat gar nicht teuer. Man muss nur wenige Rahmenbedingungen beachten, um mit dem Smartphone weiterhin durchzustarten. Obwohl die Netzbetreiber alles tun, um die Vergleichbarkeit ihrer Angebote zu unterbinden, kann man dennoch einige Wege durchs Dickicht undurchsichtiger Tarife schlagen. Zunächst stellt sich die Frage aller Fragen: Welches Netz von welchem Anbieter? In Deutschland stehen die Telekom, Vodafone und O2 Telefónica zur Verfügung, die beiden Letztgenannten zudem in anderer Verpackung von Wiederverkäufern. Jedes der drei Netze hat etwas mehr als 40 Millionen Kunden, insgesamt sind 125 Millionen Sim-Karten in Deutschland registriert. Welches Netz ist das beste? Wer sich nur in seiner eigenen Region aufhält, wenig reist und genau weiß, an welchen Orten üblicherweise Telefonate abbrechen, traue seinem Erfahrungswissen und entscheide nach der Lage vor Ort.

Geht es darum, halbwegs objektive Aussagen über die Netzqualität in ganz Deutschland zu erhalten, werfe man einen Blick auf die einschlägigen Tests der Fachzeitschriften. Gemessen wird auf ausgedehnten Testfahrten, und zwar in allen Verkehrsträgern, auch im Zug, der stets die Problemzone Nummer 1 ist. Hinsichtlich Versorgung, Ausbau und Netzqualität sind die Ergebnisse und Abstufungen seit Jahren eindeutig – und sie ändern sich kaum. Die Telekom hat das beste Netz zum Telefonieren und schnellen Surfen. Mit einem deutlichen Respektabstand folgt Vodafone, und das Schlusslicht ist stets O2.

Im letzten Netztest der Fachzeitschrift „Chip“ lag die Zahl der im Telekom-Netz abgebrochenen Gespräche bei um die ein Prozent, mit Ausnahme der Telefonate im Zug, hier sind es mehr als zehn Prozent. Im Schnitt erreichte die Telekom beim Download 34,8 MBit/s. Vodafone lag bei 28,6 MBit/s, und O2 schafft nur Werte zwischen 13 und 16 MBit/s. Die Zahl der abgebrochenen Gespräche auf Autobahn und Landstraße liegt im O2-Netz bei fünf Prozent. Der Netztest der Fachzeitschrift „Connect“ kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Die Bewertungen in Schulnoten lauten „sehr gut“, „gut“ und „ausreichend“ für Telekom, Vodafone und O2.

Es wundert mit diesen klaren Ergebnissen kein bisschen, dass die Preise für Mobilfunkverträge in den drei Netzen dieser Rangfolge entsprechen: Die Telekom ist teuer, Schnäppchenjäger beißen sich die Zähne aus, Vodafone etwas günstiger und O2 der Billiganbieter.

Unter ein Gigabyte sollte man nicht mehr gehen

Die wichtigsten Rahmendaten für einen neuen Mobilfunkvertrag sind die Bedingungen für die Sprachtelefonie (Minutenpreis oder Flatrate), für SMS und mobile Daten. Unter ein Gigabyte im Monat sollte man nicht mehr gehen, es reicht nicht. Der durchschnittliche Nutzer in Deutschland benötigt drei Gigabyte. Fünf oder gar zehn sind im Ausland üblich, aber hierzulande ein feiner Luxus. Wichtig ist die LTE-Unterstützung, sie stellt hohes Datentempo sicher. Eine Kostenfalle kann die sogenannte Datenautomatik sein: Ist das gebuchte Volumen erschöpft, wird automatisch weiteres kostenpflichtig hinzugebucht. Das kann insbesondere bei an sich günstigen Verträgen sehr teuer werden.

Ins O2-Netz kommt man schon für weniger als zehn Euro im Monat. McSim LTE Mini 1000 kostet fünf Euro im Monat für bis zu ein Gigabyte Daten, inklusive LTE. Enthalten sind ferner 100 Gesprächsminuten in alle deutschen Netze sowie 100 SMS. Die Datenautomatik kann allerdings weitere sechs Euro im Monat kosten.

Telefonie-Flatrate in alle Netze plus SMS-Flatrate und drei Gigabyte Datenvolumen im O2-Netz kosten im Vertrag LTE 2000 von Premium Sim (premiumsim.de) nur zehn Euro im Monat, und der Vertrag kann monatlich gekündigt werden. Da lohnt sich also auch kein Prepaid-Angebot. Vergleicht man mit den Original-Tarifen von O2, rechnet sich der Abschluss direkt beim Netzbetreiber ebenfalls nicht: Mit O2 Free S erhält man nur ein Gigabyte im Monat plus Telefon- und SMS-Flatrate. Das kostet schon 20 Euro im Monat, die Aufstockung auf zehn Gigabyte ist für 30 Euro zu haben.

Rahmenbedingungen sehr kompliziert und schwer verständlich

Der Eintritt ins Vodafone-Netz ist etwas teurer. Für 100 Minuten Sprachtelefonie und ein Gigabyte Daten inklusive LTE kamen unsere Tarifberechnungen auf rund 12 Euro in den Prepaid-Verträgen Callya Smartphone Special und Callya Flex, direkt bei Vodafone erhältlich. Die Rahmenbedingungen sind sehr kompliziert und schwer verständlich, weil man sich sein Produkt aus einzelnen Komponenten zusammenstellt. Callya Smartphone Special kostet zehn Euro, aber nicht im Monat, sondern für vier Wochen, eine böse Falle für den Vergleich. Enthalten sind 1,25 Gigabyte Datenvolumen und 200 Einheiten für Telefonie und SMS. Callya Flex kann man ebenfalls individuell konfigurieren, auch hier achte man darauf, dass 28 Tage nicht ein ganzer Monat sind.

Die günstigsten Mobilfunktarife im Vodafone-Netz mit drei Gigabyte Datenvolumen und Flatrate erhält man als Sparfuchs und Schnäppchenjäger. Ende Oktober, bei unserer Recherche, zum Beispiel über den Energieversorger Ewe Tel mit dem Mobil Red-Angebot: Unser Szenario hätte 26 Euro im Monat bei einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren gekostet. Der nächstgünstigste direkt bei Vodafone: Smart L Plus mit drei Gigabyte, Datenautomatik und LTE für 37 Euro im Monat, Flatrate für Telefonie und SMS inklusive.

Im Netz der Telekom ein Schnäppchen zu suchen ist vergeblich. Die hauseigene Tochter Congstar hat zwar das eine oder andere attraktive Angebot, aber man muss auf LTE verzichten. Das ist nicht nur wegen des Tempos ärgerlich, sondern beeinträchtigt auch die Netzqualität der Telefonie. Funkstationen mit UMTS und seinen Tempomachern wie HSDPA werden nicht mehr gepflegt, vielerorts schon abgebaut, das Netz ist ohne LTE deutlich schlechter. Die einzige Möglichkeit, bei der Telekom zu sparen, besteht darin, in Rahmenverträge unterzukommen, wie sie viele Unternehmen für ihre Mitarbeiter anbieten. Der günstigste Einstieg für alle anderen ist – direkt bei der Telekom – der Tarif Magenta Mobil Start L mit einer Laufzeit von 28 Tagen, siehe oben, anderthalb Gigabyte Datenvolumen und 100 Gesprächsminuten in alle Netze für rund 17 Euro im Monat.

Als Flatrate-Tarif empfiehlt sich Magenta Mobil M. Hier gehören vier Gigabyte Datenvolumen dazu, ferner die Flatrate für Telefonie und SMS. Die Grundgebühr liegt bei 45 Euro im Monat, derzeit gibt es einen Abschlag für die ersten 24 Monate, so dass man effektiv bei 37 Euro liegt.

Bucht man ein Smartphone dazu, wird es in allen Tarifen teurer. Meist lohnt sich das Kombi-Paket aus Telefon und Tarif nicht. Wer sein Gerät unabhängig vom Vertrag kauft, steht sich fast immer besser – und hat mehr Auswahl auf einem größeren Markt.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutschlandDeutsche TelekomTelefónicaVodafoneSmartphone