Plantronics Headset 6200 UC

Der Lärm bleibt außen vor

Von Michael Spehr
 - 09:26

Neulich auf der Autobahn. Anruf beim Kollegen im Büro, „hören Sie, wo ich bin?“. Er hört außer unserer Stimme nichts, obwohl wir mit 120 km/h in einem eher lauten Dieselfahrzeug unterwegs sind. Also auf freier Strecke noch mal beschleunigt, 160 km/h im fünften Gang, lauter geht es nun wirklich nicht, aber die Gegenseite bleibt dabei: Nur Sprache ist zu hören. So muss es sein, wenn elektronische Nebengeräuschunterdrückung ihren Job ordentlich erledigt. Die Technik blendet niedrige, gleichförmige Frequenzen aus und basiert auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Störende Frequenzen werden ausgeschaltet, indem ihr Verlauf gemessen und die Phasenlage mit Elektronikhilfe um 180 Grad gedreht wird. Auf fast wundersame Weise löschen sich die überlagernden Schallwellen aus.

Wir waren mit dem Plantronics-Headset Voyager 6200 UC unterwegs, das mit Nackenbügel und Ohrenstöpsel geradezu verblüffend dem Quietcontrol (QC) 30 von Bose gleicht. Im Nackenbügel befindet sich jeweils der für Nebengeräuschunterdrückung erforderliche Akku.

Der Charme dieser Lösung besteht darin, dass man nichts Schweres am Kopf trägt, den Bügel auflegt und die Ohrenstöpsel für Telefonie oder Musikwiedergabe stets parat hat. Während der Bose QC 30 eher zur Musikwiedergabe gedacht ist und eine Feinabstimmung der Lärmreduzierung bietet, ist der Voyager 6200 UC ein Spezialist für die Telefonie. Beide Headsets kosten um die 300 Euro und werden mit einem Transport-Etui sowie Ohreinsätzen in verschiedenen Größen ausgeliefert.

Der Voyager wird über Micro-USB oder einen kleinen beiliegenden Adapter geladen, was ungefähr anderthalb Stunden dauert. Der Akku soll dann bis zu sechzehn Stunden Musikhören oder neun Stunden Telefonie durchhalten. Mit eingeschalteter Lärmreduzierung und HD Voice (Telefonieren in hoher Sprachqualität) verringert sich die Akkulaufzeit. Das Schöne an dem Bügel ist, dass man für alle Einstellungen halbwegs große Tasten vorfindet. Es gibt eine eigene Taste für das Stummschalten des Mikrofons und eine große Taste für die Gesprächsannahme oder das Aktivieren von Assistenten wie Google Now und Siri.

Der Apparat hat zudem eigene Sprachhinweise, die mit einer synthetischen Stimme vorgesprochen werden. Etwa nach erfolgreicher Bluetooth-Verbindung mit einem Telefon und zur Ansage des Anrufernamens, sofern dieser im Telefonbuch gespeichert ist. Bei eingehenden Telefonaten vibriert der Bügel, praktisch, wenn man das Telefon stumm geschaltet hat. Wie es sich für einen Telefon-Profi gehört, lässt sich das Voyager mit bis zu acht Geräten per Bluetooth paaren, und man kann mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden sein.

Mit einem beiliegenden USB-Dongle stellt das Headset nach automatischer Treiberinstallation reibungslos auch den Kontakt zum PC her, so dass sich Skype, andere Messenger oder die Musikwiedergabe starten lassen. Hier ist jedoch das Bose QC 30 mit seinen kräftigeren Bässen einen Tick besser. Auch bei der Nebengeräuschunterdrückung hat Bose klar die Nase vorn. Während der eingangs geschilderten Autofahrt arbeitete zwar die Lärmreduzierung mikrofonseitig bestens. Wir als Träger des Geräts hörten jedoch deutlich mehr von Motor und Windgeräuschen als mit dem Bose-Headset.

Der Fokus des Voyager liegt eher auf der Telefonie: Mit gleich vier Mikrofonen will es eine besonders gute Akustik gewährleisten. Bei der Sprachtelefonie gab es während unserer Versuche viel Freude über feinen Klang, vor allem, wenn das Gespräch mit HD Voice geführt wurde. Das funktioniert mittlerweile in fast allen Netzen, beide Partner müssen dabei sein. Das Headset ist sehr stark in den Höhen, auch deshalb ist es hier ausnahmsweise mal keine Floskel, wenn man von einer glasklaren Sprachübertragung spricht.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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