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Drei Router im Vergleichstest

So verbessern Sie Ihr W-Lan zu Hause

Von Marco Dettweiler und Michael Spehr
 - 10:37
In diesem Test dreht sich alles um das heimische W-Lan. Bild: Illustration Isabel Seliger / Sepia, F.A.Z.

So einfach wie heute war der Netzzugang nicht immer. Vor zwanzig Jahren ging das so: die hoheitliche Postdose zum Anschluss des Telefons vorsichtig öffnen, zwei Drähte des aus Amerika importierten Modems anklemmen und hoffen, dass es klappt. Das war zwar verboten, wurde aber geduldet. Der private Zugang zum Internet war Neuland für die meisten Menschen und ein höchst komplizierter Eintritt in die digitale Welt der Zukunft. DSL war noch weithin unbekannt, man gelangte über besagtes Analogmodem ins Netz. Kabelgebunden, nicht mit W-Lan. Man wählte sich manuell ins Internet ein, berechnet wurde ein Minutenpreis, und dann meldete man sich wieder ab.

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Die Technik war langsam, teuer und aufwendig. Wer zu Hause als Familienvater die heimische Infrastruktur verwaltete, musste sich mit Modems und Telefonanlage und später in den DSL-Zeiten mit Router, Splitter und anderen Geräten auseinandersetzen. Kistchen, Kästchen und Kabel verschwanden am besten in einem Schrank.

Freiheit mit dem Vodafone Gigacube

Inzwischen ist der Netzzugang simpel wie nie, selbst dann, wenn man sich noch immer über die Telekom, ihre Hotline und ausbleibende Techniker ärgert. Warum überhaupt ein DSL-Anschluss mit viel Bürokratie? Wir haben zunächst den Gigacube von Vodafone ausprobiert. Das ist ein von Huawei produzierter Router mit Mobilfunkverbindung. Die Einrichtung ist kinderleicht: Sim-Karte einstecken und den Apparat mit dem Stromnetz verbinden. Das war es eigentlich schon. Der Gigacube verbindet sich mit dem Mobilfunknetz von Vodafone und leitet die Daten an die Geräte daheim über W-Lan weiter. Man muss also nur am Rechner oder Smartphone das W-Lan suchen, Kennwort eingeben, und schon ist man „drin“.

Wer den Gigacube als heimischer Technikchef verwaltet, erledigt diesen Job wie mit einem herkömmlichen Router, nämlich über das Einbuchen in einem Browser-Fenster. Im Web-Interface kann der Benutzer den Datenverkehr für angeschlossene Geräte regeln, die Parameter des W-Lan ändern, ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) errichten und allerlei Sicherheitsmaßnahmen auf den Weg bringen. Man kann sogar eine feste IP-Adresse angeben, um jederzeit von außen auf den Gigacube zugreifen zu können. Ebenso einfach ist es, eine Kindersicherung einzurichten. Einzelnen Geräten werden Zeiten für Netzzugang zugewiesen, und man legt gegebenenfalls fest, welche Internetseiten gesperrt sind.

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Vodafone verspricht eine Download-Geschwindigkeit in seinem LTE-Netz von bis zu 150 Megabit in der Sekunde. Das ist etwa zehnmal so schnell wie der DSL-Anschluss, mit dem der Cube von uns verglichen wurde. Aber die Tücke liegt natürlich im Detail: Das Vodafone-Netz muss am betreffenden Ort entsprechend ausgebaut sein. Ein langsames LTE kann die erste Bremse sein, eine Netzanbindung allein mit Edge oder GPRS führt datentechnisch zur Vollbremsung. Wir kamen in Frankfurt auf gemessene 100 Megabit je Sekunde, aber nur 50 Autominuten außerhalb der Stadt auf eine Anbindung mit Edge, die bestenfalls zum E-Mail-Abruf ausreichend war.

Wer indes keinen festen DSL-Anschluss und kein Festnetztelefon benötigt, bekommt mit dem Gigacube bei guter Vodafone-Funkversorgung einen flexiblen Internetzugang für 25 bis 35 Euro im Monat. Für Studenten oder Besitzer eines Wochenendhäuschens ist das Paket attraktiv. Einige Einschränkungen sollte man kennen: Im Ausland ist der Gigacube nicht einsetzbar. Das monatliche Datenvolumen von maximal 50 Gigabyte ist für Filmgenuss und Streaming zu wenig. Außerdem rechnet er empfangene Videos auf 480p herunter, die Auflösung bleibt also bescheiden.

Um eine größere Wohnung oder jedes Zimmer eines Hauses schnell ins Netz zu bringen, taugt der Gigacube eher nicht. Selbst gute DSL-Router stoßen je nach Größe und Beschaffenheit des Anwesens an eine Grenze. Es gibt Probleme mit der Reichweite des W-Lan, je geringer die Signalstärke, desto stärker sinkt der Datendurchsatz. Eine Abhilfe kann darin bestehen, einen Repeater zu installieren. Das sind Signalverstärker, die in einiger Reichweite vom Router dessen Signale empfangen, verstärken und weiterleiten. Schon für 20 Euro erhält man diese Kästchen für die Steckdose. Sie haben einige Nachteile, darunter die Halbierung der Datenrate.

Vermaschtes Netz mit Google Wifi

Deshalb werfe man einen Blick auf Google Wifi. Das ist ein kleiner, weißer Zylinder mit einem Leuchtring in der Mitte für 140 Euro. Im Doppelpack kostet Google Wifi 250 Euro. In der Mehrfachausführung liegt der Reiz. Die kleinen Zylinder sind sogenannte Nodes in einem „vermaschten Netz“. Ein Mesh-W-Lan basiert auf der Idee, dass verteilte Geräte wie die Maschen eines Netzes ein gemeinsames W-Lan aufspannen. Jeder Netzwerkknoten ist mit einem oder mehreren anderen verbunden. Daten werden von Knoten zu Knoten weitergereicht, bis sie das Ziel erreichen. Wenn ein Knoten oder eine Verbindung blockiert ist, kann sich das Netz darum herum neu stricken, das Netzwerk bleibt betriebsfähig. Mesh-Netze gibt es von vielen Anbietern. Das von Google ist schnell eingerichtet. Man lade die Google-App auf sein Smartphone, melde sich mit seinem Google-Konto an und folge den wenigen Schritten: den QR-Code auf der Unterseite der Station scannen, Name und Passwort für das W-Lan ver- und eingeben. Den Rest erledigt die App in wenigen Minuten.

Um in jedem Zimmer höchstmögliches Datentempo zu liefern, nutzt das Mesh-Netz mehrere Verfahren: Die Software scannt alle fünf Minuten das gesamte Netzwerk, um die Kanalbelegung zu kontrollieren. Tummeln sich zu viele W-Lans in einem Kanal, wechselt Google auf einen weniger belegten. Dieser Wechsel ist prinzipiell auch mit einem herkömmlichen Router möglich, muss jedoch mit der Hand auf den Weg gebracht werden. Zudem verwaltet Google Wifi aktiv die Adressbelegung der Geräte, die im W-Lan eingeloggt sind, und entscheidet, welches Frequenzband – 2,4 oder 5 Gigahertz – das beste für sie ist. Auch können Geräte priorisiert werden, so dass für die Auserwählten ein konstant starker Datenfluss garantiert ist. Sodann hilft die App dabei, die weißen Stationen möglichst effizient im Haus zu verteilen. Steht das Netz, zeigt die App, an welcher Stelle geringfügiges Verlagern oder Drehen der Station eine Verbesserung bringen kann.

Im Unterschied zu Vodafones Gigacube erfordert Google Wifi zusätzliche Hardware, zumindest ein DSL-Modem, das die Daten im Haus entgegennimmt. Es ist von 30 Euro an zu haben. Ist bereits ein Router vorhanden, lässt sich dieser als Modem verwenden. Dann wird Google Wifi über Lan angeschlossen und das bestehende Netzwerk deaktiviert. Für die Sprachtelefonie ist Google Wifi nicht gerüstet.

Alleskönner Fritzbox 7590

Geht es darum, Heim und Familie komplett mit allem auszustatten, benötigt man DSL-Modem und W-Lan, dazu noch ein Dect-Modul als Basisstation des Schnurlostelefons und nicht zuletzt feine Raffinessen wie Anrufbeantworter, Kindersicherung, Gastzugang und Sperren für teure Sonderrufnummern, dann lohnt ein Blick auf die brandneue Fritzbox 7590, die rund 270 Euro kostet und als eierlegende Wollmilchsau gilt. Dieses neue Modell ist gerüstet für schnelles DSL mit Supervectoring (300 Megabit je Sekunde) und flottes W-Lan. Wer nicht das letzte Quentchen Tempo aus dem Netz herauskitzeln will, ist mit den günstigeren und älteren Fritzboxen gut beraten, denn auch diese erhalten über Jahre hinweg Software-Updates.

Die Hardware der rot-weißen Kästchen des Berliner Herstellers AVM bietet keine Überraschungen. Da Splitter und ISDN nicht mehr angesagt sind, hält sich der Kabelsalat in Grenzen. Ein herkömmliches Telefon lässt sich über TAE direkt anschließen, zwei weitere mit RJ11-Buchsen, und es gibt sogar noch einen Anschluss für alte ISDN-Geräte. Sechs Schnurlostelefone können direkt mit der Box verbunden werden, und insgesamt handhabt die 7590 bis zu zehn IP-Telefone. Dazu kommen zwei USB-Buchsen und jenes Zubehör, das man schnurlos mit der Box verbindet, etwa die schaltbaren Steckdosen oder Heizkörperregler von AVM.

Der Chef der Fritzbox steuert und programmiert alles im Web-Browser, die Menüs sind klar strukturiert und lassen kaum Fragen offen. Man kann sich in die Details vertiefen, muss es aber nicht. Jenseits der Telefonie fungiert die Fritzbox im Heimnetz genannten Menübereich auch als zentrale Anlaufstelle für Musik oder Fotos. Ein externer Speicher – etwa ein USB-Stick oder eine Festplatte – ist schnell angeschlossen, und auf die dort liegenden Inhalte können alle im Haus zugreifen. Nicht nur mit dem PC, sondern auch mit dem Smartphone. Der Unterschied zwischen älteren Fritzboxen und der jüngsten 7590 ist das Tempo, mit dem Bilder oder andere Daten durchs Haus ziehen. Die 7590 arbeitet flott und kann, wenn die Ansprüche nicht zu hoch sind, mit einem kleinen NAS-Speichersystem mithalten.

In der W-Lan-Abteilung lassen sich Funknetz und Funkkanal vielfältig konfigurieren, die teuren Fritzboxen arbeiten gleichzeitig im 2,4- und 5-Gigahertz-Band. Wer tüfteln will, findet auch hier ungezählte Optionen. Wie Google und andere setzt auch AVM künftig auf Mesh. Die Betaversionen der Firmware sind bereits erhältlich, am Freitag kam die finale Software für die 7490 und die 7590. Mesh kommt schon bald auf alle AVM-Produkte, auch für die W-Lan-Repeater und Powerline-Adapter zum Datentransport über die Stromleitung. Da der Hersteller auch seine älteren Geräte an den Neuentwicklungen teilhaben lässt, darf man sich dann auf ein robusteres W-Lan selbst unter widrigen Bedingungen freuen.

Vom einfachen Internetzugang mit dem Gigacube über Google Wifi bis zur Fritzbox: Die Versorgung mit schnellem Internet in allen Ecken des Anwesens ist der Dreh- und Angelpunkt der Heimvernetzung. Wer zwanzig Jahre zurückblickt, sieht den Fortschritt sofort. Es ist nicht nur das Tempo moderner Technik, sondern auch die einfache Inbetriebnahme und Wartung. Wie geht es weiter? W-Lan wird an immer mehr Orten so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Die Technik tritt zurück, das Netz ist einfach da. Man ist immer und überall im Internet.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Michael Spehr
Redakteur in der Wirtschaft. Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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