Samsung Note 7 im Test

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Von Marco Dettweiler
 - 10:30
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Als wir Anfang August Details über das Samsung Note 7 erfahren haben und ein Gerät für ein paar Minuten ausprobieren konnten, war relativ schnell klar, dass beim mehrtägigen Test der S Pen, also der Stift, im Mittelpunkt stehen muss. Denn sowohl von den inneren als auch den äußeren Daten ist das Note 7 dem S7 Edge sehr ähnlich.

Mit dem Flaggschiff der S-Reihe mit dem gebogenen Display hatten wir sehr gute Erfahrung gemacht. Es leistet sich kaum Schwächen. In der Fachwelt war man sich einig: Der brillante Bildschirm, die exzellente Kamera, der flotte Prozessor, der sehr ordentliche Akku und die geschmackvolle Benutzeroberfläche haben zu Bestnoten geführt. Insofern kam es nicht selten zum Urteil, dass es sich beim S7 Edge um das derzeit beste Smartphone handelt.

Es stellt sich also die Frage, ob man zusätzlich noch einen Stift braucht und warum man noch einmal 50 Euro mehr ausgeben sollte. Denn die unverbindliche Preisempfehlung von Samsung sind immerhin 849 Euro. Nun muss man zunächst ergänzen, dass jenseits des zusätzlichen Eingabegerätes doch noch ein paar neue Merkmale hinzukommen, die für den täglichen Umgang nicht unwesentlich sind.

So hat Samsung allein durch die leichte Designveränderung an den längeren Kanten, die einzige Schwäche, die es für uns am S7 Edge gab, behoben. Denn der Bildschirm zog sich so weit nach unten, dass man durch enges Umfassen des Gerätes manchmal mit dem Daumen oder Mittelfinger den Bildschirm unfreiwillig berührte und er deshalb reagierte. Weil die Biegung nun etwas steiler ist und der äußere Rand des Displays nun genau in der Mitte sitzt, haben wir uns während des einwöchigen Tests keinen Fehlgriff geleistet.

Authentifizierung über die Augen

Ein weitere Unterschied zum S7 Edge ist der Iris-Scanner. Er funktioniert ähnlich wie der Fingerabdrucksensor, der mittlerweile in der Smartphone-Oberklasse Standard ist. Um sich beim Wechsel vom Standby in den aktiven Modus zu authentifizieren, ohne einen Code oder Passwort eintippen zu müssen, blickt man aus zirka 30 Zentimetern Entfernung auf den Bildschirm, um es zu entsperren. Wenn man diese Funktion einrichtet, warnt Samsung vor allerhand möglicher Gefahren bei falscher Benutzung, sodass man sich bei der Lektüre eines Beipackzettels eines Medikaments wähnt.

Nach ein paar Tagen Augen-Entsperrung ist man erstaunt, wie schnell die Authentifizierung erfolgt. Eigentlich blickt man in zwei Kreise, bevor die Software grünes Licht gibt. Doch oft erkennt man sie gar nicht, weil der Prozess zu schnell vonstatten geht. Allerdings verweigerte das Note 7 auch hin und wieder den Zugriff, dann musste der Fingerabdruck her. Es tritt meistens dann auf, wenn man das Gerät nicht - wie von Samsung empfohlen - mit erhobener Hand vor das Gesicht hält, sondern den Kopf zum Gerät neigt, wenn es etwa auf dem Tisch liegt.

Schickere Benutzeroberfläche

Hier noch der dritte Unterschied, bevor es zum entscheidenden geht: Samsung hat das Design seiner Android-Oberfläche Touchwiz leicht verändert. Als die Designerin aus Korea bei der Präsentation des neuen Erscheinungsbildes von mehr „natürlichen“ Farben und Formen sprach, waren wir noch gelangweilt, weil es sich etwas zu sehr nach Marketing-Masche anhörte.

Doch im direkten Vergleich zu Touchwiz auf den S7-Geräten fällt das grafische Update doch deutlich auf. „Natürlich“ ist unseres Erachtens das falsche Wort. Wir empfinden es als feiner, eleganter und hoffen, dass Samsung alle Topgeräte auf das neue Touchwiz umstellt. Auch weil es einige funktionelle Veränderungen gibt, sodass man etwa bei den Schnelleinstellungen bereits auswählen kann, ohne eine Ebene tiefer zu klicken.

Der Stift als Alleinstellungsmerkmal

Und nun der Stift. Als Samsung 2011 das erste Note mit Stift herausbrachte, waren dessen Nutzer noch Exoten. Bis heute gelten die Note-Nutzer als besonders treue Fan-Gemeinde. Mittlerweile ist der Stift wieder en vogue, nicht zuletzt, weil Apple seine zwei aktuellen iPad Pro optional mit dem Pencil ausstattet. Wir benutzen ihn sowohl auf der großen Variante mit 13 Zoll als auch auf der kleinen mit 9,7 Zoll. Er wird nicht als Mal- oder Zeichenstift benutzt, sondern als Arbeitsgerät. Mit den entsprechenden Apps ist der Pencil eine enorme Hilfe, den wir nicht missen möchten.

Und funktioniert ein Stift auch an einem Smartphone mit einem Bildschirm von „nur“ (immerhin ist das Note 7 ein Phablet) 5,7 Zoll? Ja, es funktioniert. Jedenfalls dann, wenn man sich darauf einlässt. Es gibt sozusagen mehrere Stufen der Einsatzintensität. Der Anfängermodus ist die Nutzung des S Pen als verlängerter Finger. Man tippt, scrollt und schreibt mit dem S Pen. Für Dickfingerbesitzer wie uns ist schon dieser Einsatzzweck eine enorme Arbeitserleichterung, gerade für die Verwendung von Android-Wisch-Tastaturen wie Swiftkey: Man tippt nicht jeden Buchstaben, sondern fährt von einem zum nächsten, ohne den Finger oder den Stift abzusetzen. Mit dem S Pen erhöht sich die Schreibgeschwindigkeit enorm.

Diese Anwendung ist Geschmackssache

Die nächste Stufe ist das handschriftliche Verfassen von Notizen, die man in der App „Samsung Notes“ erstellt, bei Bedarf kategorisiert und verwaltet. Neben „Stift“ lassen sich Notizen auch per Tastatur, Pinsel, Bild und Sprache eingeben. Diese Anwendung ist sicherlich Geschmackssache. Auf herkömmlichen Weg und entsprechenden Apps erreicht der Nutzer das gleiche und vermutlich genau so schnell. Witzig wird es, wenn man handschriftliche Notizen als Mail oder MMS verschickt. Sie wirken im Zeitalter der Tastatur nach wie vor anachronistisch.

Effizientere und beruflich interessante Anwendungen sind in Air-Command, der jederzeit aufrufbaren Sammel-App, solche Anwendungen wie Smart Select, mit der man einen Screenshot in beliebiger Größe machen kann, um schnell noch eine Markierung hinzuzufügen und zu verschicken. Oder die Screenshot-Notiz, bei der man nicht nur den aktuell sichtbaren Teil einer Homepage kopieren, sondern auch scrollen kann und diese Teile aufgenommen werden. Solche Anwendungen dürften eher im beruflichen Alltag Einsatz finden. Natürlich könnte man dies auch umsetzen, indem man mit dem Finger den Bereich eines Screenshots zieht oder die Aufnahme beim Scrollen mit dem Finger auslöst. Doch mit dem S Pen gelingt der Schritt sehr smart.

So auch die Anwendungen wie „Übersetzen“. Man hält den S Pen ein paar Millimeter über ein Wort, das sogleich übersetzt wird. Das Note 7 greift hier auf Google Translate zurück. Vergleichbare Anwendungen gibt es schon, Samsung führt mit „Übersetzen“ keine einzigartige App ein. Der Stift löst die Übersetzungsarbeit während des Lesens allerdings sehr elegant. Und es gibt noch weitere versteckte Einsatzmöglichkeiten des S Pen, die wir eher zufällig entdeckt haben. Hält man den Stift in der Mail-App über eine Nachricht in der Listenansicht, wird ihr Text als kleines Pop-up-Fenster angezeigt, aus dem auch Funktionen wie Beantworten, Weiterleiten oder Löschen ausgeführt werden können.

Fazit

Unsere Erfahrung nach einer Woche Dauereinsatz mit dem Note 7: Man muss sich auf den Stift einlassen, sich seine Vielseitigkeit erarbeiten, die Effizienz für den Umgang mit dem Smartphone entdecken. Sonst bleibt der Stift die meiste Zeit stecken. In diesem Fall sind 850 Euro zu viel für das Note 7, ein S7 Edge reicht dann völlig, zumal es momentan schon für weniger als 700 Euro zu bekommen ist.

Ob uns auch nach einem Jahr noch jedes Mal der S Pen so lockt, dass wir ihn selbst beim Mail-Checken aus seiner Aussparung zu ziehen, können wir nicht wissen. Wir können nur festhalten, dass es momentan noch sehr viel Spaß macht, einen Stift auf einem Smartphone einzusetzen.

Technische Daten und Preis

Bildschirm: 5.7 Zoll in QHD-Auflösung (2560 x 1440) mit 518 ppi

Maße: 153,5 x 73,9 x 7,9 Millimeter

Gewicht: 169 Gramm

Akku: 3500 Milliamperestunden

Prozessor: Exynos 8890 Octa Core 2,3 + 1,6 Gigahertz mit 64 bit

Arbeitsspeicher: 4 Gigabyte

Interner Speicher: 64 Gigabyte

Schnittstellen: USB Type-C, W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac, Infrarot, Bluetooth 4.2, LTE Cat. 9 (450/50 MbpS)

Kamera hinten: 12 Megapixel mit 1,7 Blende

Kamera vorne: 5 Megapixel mit 1,7 Blende

Betriebssystem: Android 6.0.1 (Marshmallow) mit Touchwiz-Oberfläche

Wasser- und Staubdicht: IP 68

Micro-SD: bis 256 GB

S Pen: Maße 4,2 x 5,9 x 108 Millimeter, Gewicht 3 Gramm

Preis: 849 Euro

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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