Samsung Note 8 im Test

An diesem Smartphone muss sich Apples neues iPhone messen

Von Marco Dettweiler
 - 10:44
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Am Dienstag um 19 Uhr hiesiger Zeit wird Tim Cook die Bühne im Steve-Jobs-Theater betreten und nach einigen Einführungsworten das neue iPhone präsentieren. Das ist nicht sicher. Aber es ist sehr wahrscheinlich. Und FAZ.NET wird ab 18 Uhr am Dienstag in einem Liveblog berichten.

Auch wenn es vermutlich drei Modelle geben wird, gilt die Aufmerksamkeit dem neuen Top-Modell, das iPhone X oder 8 heißen könnte. Es wird wie das iPhone 7 Plus ein Phablet sein, also ein Smartphone, das es wegen seines großen Bildschirms mit einem Tablet aufnehmen kann.

Unter den Phablets ist momentan das Note 8 von Samsung die Referenz. Wir haben es getestet. Seine besonderen Eigenschaften zeigen sich hinsichtlich Bildschirm, Kamera, Benutzeroberfläche und des S Pen. Einen solchen Stift wird das neue iPhone mit Sicherheit nicht haben.

Stift als Besonderheit

Den alltäglichen Einsatz des S Pen testeten wir schon beim Note 7. Er stammt von Wacom, die seine filigrane Spitze noch einmal verbessert haben. Es schreibt sich sehr gut mit ihm auf dem Display. Die Druckempfindlichkeit ist exakt, eine Latenzzeit nicht zu erkennen. Neben der Möglichkeit, mit ihm zu schreiben oder zu malen, kann er auch als Übersetzungshilfe genutzt werden. Hält man ihn über ein Wort in einer fremden Sprache, übersetzt das Betriebssystem mit Hilfe von Google Translate beispielsweise in deutsch. Das funktioniert sehr gut.

Allerdings muss man sich an den Umgang mit dem Stift gewöhnen. Einiges ergibt sich intuitiv. Anderes muss man sich erarbeiten, wie etwa den Umgang mit dem Always-On-Display, auf dem man Notizen hinterlassen kann, die auch im Standby sichtbar sind. Wer sich zum Stift bekennt, zieht ihn bei längerer Nutzung am besten gleich aus dem Schacht, damit sich Air Command öffnet, das alle Anwendungen vereint. Da sich in die Note-App auch Text, Bilder und Sprachnotizen integrieren lassen und die Notizen in Kategorien aufteilen lassen, kann man sie auch als minimalistischer Evernote-Ersatz einsetzen. Der S Pen braucht übrigens keinen Energiespeicher.

Fast ohne Rahmen und mit Oled-Technik

Samsung stattet seine Modelle der S- und Note-Reihe seit einigen Jahren mit Amoled-Bildschirmen aus. Sie sind unter den Oberklassen-Smartphones die Referenz, weil sie hinsichtlich Helligkeit, Kontrast, Farben und Schärfe überzeugen. So blickt man auch dieses Mal auf ein beeindruckendes „Quad HD+ Super Amoled“-Display mit enormer Helligkeit und knackigen Farben, das zudem HDR-fähig ist, also einen sehr hohen Kontrastumfang hat.

Schon beim S8 führte Samsung das sogenannte „Infinity Display“ ein. Dabei liegt das Verhältnis von Bildschirm zum Gehäuse bei etwa 84 Prozent. Die Ingenieure benutzen dafür mehrere „Tricks“. Erstens ist das Display an der Seite gebogen, sodass es an der Längsseite eigentlich keinen Rahmen mehr gibt. Zweitens fehlt der physische Homebutton, sodass der virtuelle auf dem Display sitzt und somit dieses weiter nach unten gezogen werden kann. Und drittens ist es an den Ecken abgerundet mit dem Ergebnis, auch dort ein paar Millimeter gewonnen zu haben.

Samsung kommt beim Note 8 auf üppige 6,3 Zoll. Weil das Bildschirmverhältnis nahezu 2:1 (Exakt: 18,5:10) ist, liegt das Gerät mit seinen knapp 7,5 Zentimeter Breite gut in der Hand. Mit etwas Geschick erreicht man mit dem Daumen die Icons am äußeren Rand.

Gesichtserkennung und andere Identifikationsmethoden

Die Koreaner nutzen als Identifikationstechnik sowohl Gesichtserkennung wie auch einen Irisscanner. Nachdem beim S8 kritisiert wurde, dass der Fingerabdrucksensor zu eng an der Kameralinse säße und diese verschmiert würde, wenn der Nutzer aus Versehen auf sie langt, sitzt er beim Note 8 nun weiter weg, nämlich neben dem Blitz. Dies ist ungeschickt für all jene, die ihr Smartphone in die linke Hand nehmen, um es mit dem linken Zeigefinger zu entsperren. Denn in einer natürlichen Handhaltung greift man eher auf die andere Seite.

In der Praxis zeigt sich allerdings, dass der Fingerprintsensor immer noch die schnellste und zuverlässigste Methode ist. Gesichtserkennung und Irisscanner haben abhängig vom Abstand des Smartphones zum Gesicht und den Lichtverhältnissen immer wieder Aussetzer, sodass die händische Identifikation nachhelfen muss.

Dual-Kamera für Porträts

Die Kamera des S7 war schon sehr gut, die des S8 sowieso und jetzt legt Samsung noch einen - genau genommen eine - oben drauf. Und zwar eine zweite Linse. Samsung hat sich wie Huawei, LG und Apple für eine Dual-Kamera entschieden. Sie besteht aus einem Tele- und einem Weitwinkelobjektiv. Mit der entsprechenden Software kann die Kamera mit Unschärfe spielen. Das funktioniert sogar in einem Live-Modus. In der Vorschau sieht der Nutzer, wie das Bild aussehen wird, wenn er den Auslöser drückt. Mit einem Regler kann er die Stärke der Unschärfe regulieren.

Die Idee ist klar: Es soll mit dem Note 8 möglich sein, ein Bokeh zu erzeugen, wie man es von Bildern einer Spiegelreflexkamera kennt, wenn man eine möglichst große Blende am besten bei großer Brennweite wählt. Beim Smartphone regelt das die Software in der Postproduktion, indem sie die Tiefeninformation der zweiten Linse und ihre leicht verschobene Perspektive für die dreidimensionale Berechnung des Objektes auswertet. Mit dem Regler ändert man die also letztlich die digital errechnete Blendenöffnung.

Das funktioniert sehr gut bei Porträts. Samsung hat sich hier hinsichtlich der Idee stark am iPhone 7 Plus von Apple orientiert, dessen hervorzuhebende Eigenschaft eben dieser Porträtmodus ist. Ebenfalls mit einer Dual-Kamera, ähnlicher Software und Nutzerführung umgesetzt. Auch bei Apple werden das bearbeitete Bild und das Original bei Bedarf gespeichert, sodass man im Nachhinein bearbeiten oder zum Original zurückkehren kann.

Im direkten Vergleich mit dem iPhone 7 Plus macht das Note 8 die besseren Porträtaufnahmen. Sie sind heller, haben mehr Zeichnung und das Bokeh strahlt mehr. Auch gefallen Aufnahmen, in denen es mehrere Tiefenebenen gibt, besser, weil selbst die am weitesten entfernte Ebene hell ausgeleuchtet und sehr scharf ist. Samsung hat mit dem Note 8 also knapp erst ein Jahr später eine ähnliche Kameratechnik wie Apple eingesetzt, dafür aber hinsichtlich der Qualität der Bilder überholt.

Akku könnte besser sein

Der Akku des Vorgängers Note 7 führte dazu, dass es vom Markt genommen werden musste. Weil einige Nutzer über Akkubrände berichteten, war die Gefahr zu groß, dass es bei noch mehr Geräten defekte Batterien gab. Mit 3500 Milliamperestunden war er recht üppig bemessen. Das Note 8 hat „nur“ 3300 Milliamperestunden. Bei normaler Nutzung reicht die Leistung für zwei Tage.

Unter Dauerstress dürfte der Geräteakku nach einem Tag leer sein. Bei der Art und Weise, wie man das Gerät auflädt, macht Samsung vor, wie es sein sollte. Denn das Note 8 lässt sich induktiv, also kabellos aufladen.

Fazit

Samsung hat die 1000-Euro-Grenze nur um einen Euro unterlaufen. Damit liegt es im Vergleich zu den anderen Oberklassegeräten im Preis an der Spitze. Mit seinen Eigenschaften ebenfalls: Die Qualität des Bildschirms, der Kamera und der sehr leistungsstarken Hardware sowie die Einzigartigkeit des Stiftes rechtfertigen zumindest einen hohen Preis. Ob sich knapp 1000 Euro lohnen, können wohl nur Note-Fans sofort mit ja beantworten. Denn die warten seit drei Jahren auf ein neues Gerät. Gegenüber dem Note 4 ist diese Version um Klassen besser.

Apple könnte in Sachen Preis die Koreaner von der Spitze vertreiben. Es wird spekuliert, dass das neue Top-iPhone sehr teuer wird. Wer im Übrigen ein neues Phablet sucht und weder vom Note 8 oder neuen iPhone vollends überzeugt ist, sollte bis Mitte Oktober warten. Dann stellt Huawei das neue Mate 10 vor, ebenfalls ein Phablet der Oberklasse.

Technische Daten und Preis

Bildschirm: 6,3 Zoll QHD+ Super-Amoled, Auflösung (2960 x 1440) mit 521 ppi

Maße: 162,5 x 74,8 x 8,6 Millimeter

Gewicht: 195 Gramm

Akku: 3300 Milliamperestunden, Wireless Charging

Prozessor: Octa Core 2,3 + 1,7 Gigahertz mit 64 bit 10-nm-Prozessor

Arbeitsspeicher: 6 Gigabyte

Interner Speicher: 64 Gigabyte

Schnittstellen: USB Type-C, W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac, Infrarot, Bluetooth 5.0, LTE Cat. 16,

Dual-Kamera hinten: Weitwinkel: 12 Megapixel mit 1,7 Blende; Teleobjektiv: 12 Megapixel mit 2,4 Blende

Kamera vorne: 8 Megapixel mit 1,7 Blende

Betriebssystem: Android 7.1.1 (Nougat) mit Touchwiz-Oberfläche

Wasser- und Staubdicht: IP 68

Micro-SD: ja

S Pen: Maße 108,3 x 5,8 x 4,2 Millimeter, Gewicht 2,8 Gramm, 4096 Druckstufen

Preis: 999 Euro

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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