Samsung Note 9 ausprobiert

Ein riesiges Smartphone mit Fernbedienung

Von Marco Dettweiler
 - 17:30
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Samsung bietet im Halbjahrestakt ein Smartphone der Oberklasse an. Die S- und die Note-Reihe wechseln sich ab. Beide führen den Namenszusatz “Galaxy”, doch der hat mittlerweile eine ähnlich geringe Bedeutung wie ein Zweitname. Für die Nummerierung gibt die S-Reihe den Takt vor. Ende Februar stellte Samsung auf dem Mobile World Congress das S9 und S9+ vor.

Nun folgt für die andere Baureihe logischerweise das Note 9. Und zwar seit diesem Donnerstag, als es in New York präsentiert wurde. Die Reise führte deutsche Journalisten “nur” nach Berlin, wo es die Gelegenheit gab, sich das neue Smartphone genauer anzuschauen.

Der größte Unterschied zu anderen Smartphones und somit nach wie vor das Alleinstellungsmerkmal des Note 9 ist der S Pen. Der Stift steckt im Gehäuse und hat mehrere Funktionalitäten. Der Stift des Note 9 ist äußerlich nicht von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Die Innovation steckt im Innern. Samsung hat ein Bluetooth-Modul und einen Akku eingebaut. Dieser lädt induktiv auf, also immer dann, wenn er im Note 9 steckt. Dauert der Stift-Einsatz länger als 30 Minuten, lässt er sich in 40 Sekunden wieder vollständig laden. Der Akku kann auch leer sein, um die üblichen Stiftfunktionen wie Notizen schreiben oder ähnliches ausführen zu können.

Zweck der Erweiterung um Bluetooth ist vielmehr die Idee, mit dem Stift das Note 9 fernzusteuern. Etwa die Kamera-App. Sie kann durch langes Drücken geöffnet werden, einmal kurz löst aus, zweimal draufgedrückt wechselt sie in den Selfie-Modus. Dies kann aber auch individuell angepasst werden, es funktioniert zuverlässig. Allein das Positionieren des Smartphones ein paar Meter entfernt, bereitet manchmal Probleme. Für den Businessbereich gedacht ist die Nutzung des S Pen als Fernbedienung während einer Präsentation.

Das setzt voraus, dass das Note 9 mit einem Projektor oder Monitor über HDMI-Kabel inklusive Adapter gekoppelt ist und Samsungs Präsentations-App verwendet wird. Samsung nennt dies den Dex-Modus, das Betriebssystem wechselt auf dem Monitor in eine PC-ähnliche Oberfläche, und der Bildschirm des Note 9 kann dann als Touchpad benutzt werden. In diesem Modus lassen sich beispielsweise die Seiten einer Präsentation durch Klicken des S Pen durchblättern. Ebenfalls möglich ist die Fernbedienung des Musikplayers. Spielt man Musik auf dem Note 9, die zum Beispiel auf einen Netzwerkspieler und angeschlossenen Boxen wiedergegeben wird, lässt sich die Wiedergabe mit dem S Pen unterbrechen oder man springt in der Titelliste weiter.

Bessere Kamera mit Foto-Assistent

Die Kamera hat Samsung im Vergleich zum Note 8 verbessert, indem nun die Optik aus dem S9+ verwendet wird. So kommt eine Dual-Kamera zum Einsatz. Die Hauptkamera hat eine Auflösung von 12 Megapixel sowie eine Linse mit einer variablen Blende von 1,5 und 2,4 und eine weitere Linse mit einer Blende von 2,4. Der optische Zoom ist ein zweifacher. Für Selfies stehen 8 Megapixel mit einer Blende von 1,7 zur Verfügung. Die Qualität der Fotos müsste also der Bildqualität des S9+ entsprechen. Und die liegt etwa auf einem Niveau mit einem iPhone X, Google Pixel 2 oder Huawei P20.

Samsung hat allerdings an der Software geschraubt. Die Koreaner meiden - zu Recht - das Wort “Künstliche Intelligenz” und sprechen von einem Foto-Assistenten. Der erkennt verschiedene Motive wie Tier, Blume, Pflanze, Himmel oder Schnee und justiert entsprechend die Einstellungen in der Kamera-App. Huawei benutzt solche Motiverkennung schon länger. Das Note 9 warnt zudem den Nutzer vor “schlechten” Fotos. Dann erscheinen im Display Hinweise wie “Das letzte Bild könnte etwas unscharf sein” oder es warnt davor, dass man beim Selfie gerade geblinzelt hat.

Riesiger Bildschirm mit 6,4 Zoll

Neben dem Stift zeichnet das Note 9 weiterhin der riesige Bildschirm aus. Er ist sogar noch einmal leicht gewachsen. Die Bildschirmdiagonale beträgt nun 6,4 Zoll bei einer gleichbleibenden Auflösung von 2960 x 1440 Pixel. Es dürfte sehr wenige Smartphones geben, die ein größeres Display haben. Wie auch bei den Plus-Modellen der S-Reihe und dem Vorgänger des Note 9 wirkt das Gerät selbst nicht übermäßig groß.

Weil der Bildschirm an den Seitenkanten abgerundet ist und das Gehäuse ein eher längliches Format hat, liegt es gut in der Hand. Das Mehrgewicht von sechs Gramm im Vergleich zum Vorgänger ist zu vernachlässigen; wie gehabt ist das Gerät nach IP 68 gegen Staub und Wasser geschützt.

Üppiger Akku mit 4000 mAh

Ansonsten hält Samsung weiterhin an etablierten Funktionen fest. Das Note 9 kann durch den “Intelligenten Scan” entsperrt werden, was eine Kombination aus Iris-Scanner und Gesichtserkennung ist. Das Smartphone kann kabellos aufgeladen werden. Samsung hat die Akkukapazität auf 4000 mAh erhöht, genug für anderthalb Tage im intensiven Einsatz. Die Koreaner weisen zudem daraufhin, dass LTE in der Kategorie 18 an Bord ist, was theoretisch Datenraten bis zu 1,2 Gigabyte möglich macht. Nur müssten die Mobilfunker mitspielen.

“Midnight Black” und “Ocean Blue” sind die Farben, die in Deutschland erhältlich sind. Ganz hübsch bei der blauen Variante ist, dass der S Pen eine goldgelbe Farbe hat. Die Stereo-Lautsprecher von AKG mit Dolby Atmos seien ebenfalls erwähnt; mit einem Smartphone Musik zu hören oder einen Film zu gucken, ist aber nicht zu empfehlen.

Der Preis bleibt der gleiche

Ab heute läuft die Vorbestellung. Am 24. August wird geliefert. Der Preis bleibt mit 1000 Euro der des Vorgängers. Allerdings erhält der Kunde 128 statt 64 Gigabyte Speicher, und für 1250 Euro sogar 512 Gigabyte Speicher. Damit befindet sich Samsung abermals mit dem Note in der Oberklasse, nicht nur bezüglich des Preises. Der Stift ist weiterhin das wichtigste Differenzierungsmerkmal im Vergleich mit anderen Rivalen. Wer damit etwas anfangen kann, bekommt beste Qualität. Wer ein Note 8 besitzt und über das neue Modell nachdenkt, sollte sich überlegen, ob ihm die bessere Kamera, der in der Funktionalität erweiterte Stift und der leistungsstärkere Akku die Ausgabe wert sind.

Ein ausführlicher Test folgt in den nächsten Wochen.

Technische Daten und Preis

Bildschirm: 6,4 Zoll QHD+ Super-Amoled, Auflösung (2960 x 1440) mit 516 ppi

Maße: 161,9 x 76,4 x 8,8 Millimeter

Gewicht: 201 Gramm

Akku: 4000 Milliamperestunden, Wireless Charging

Prozessor: Octa Core 2,7 + 1,7 Gigahertz mit 64 bit 10-nm-Prozessor

Arbeitsspeicher: 6 Gigabyte

Interner Speicher: 128 Gigabyte

Dual-Kamera hinten: 12 Megapixel mit 1,5/2,4 Blende; 12 Megapixel mit 2,4 Blende

Kamera vorne: 8 Megapixel mit 1,7 Blende

Betriebssystem: Android 8.1 mit Touchwiz-Oberfläche

Wasser- und Staubdicht: IP 68

Micro-SD: ja, bis 512 Gigabyte

S Pen: mit Bluetooth und Akku

Preis: 999 Euro (1249 Euro mit 512 Gigabyte mit internem Speicher)

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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