Neue Gear-Gadgets

Samsungs eigenwilliges Sportförderprogramm

Von Marco Dettweiler, Berlin
 - 18:04
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Für Samsung hat die Internationale Funkausstellung in Berlin etwa den Wert wie für die Bayern das DFB-Pokal-Finale in Berlin. Die Mobilfunkmannschaft der Koreaner nimmt die Veranstaltung ernst, aber die Smartphone-Meisterschaft ist ihnen wichtiger. Deswegen stellt Samsung die beiden Flaggschiffe der S- und Note-Reihe lieber auf gesonderten Events vor. Die Präsentation des Note 8 ist gerade mal eineinhalb Wochen her.

Für die IFA fällt alljährlich eine neue Smartwatch ab. So auch dieses Jahr. Die Gear Sport ist der Nachfolger der S3, die es in den Versionen Frontier und Classic gibt. Verändert hat sich an der Uhr nicht viel. Es ist eher das Gesamtkonzept, das auffällt. Sport ist wichtig, ohne ihn kommt der moderne Mensch nicht mehr aus und ohne die entsprechende Technik auch nicht. So die Vorstellung von Samsung. Und deshalb bieten die Koreaner gleich ein ganzes Motivationsset an: Sportuhr, Fitnessarmband und kabelloser Ohrhörer.

Der Sinn der Geräte ist immer der gleiche, so wie bei Apple und Konsorten auch. Körperertüchtigung ist Körperkontrolle. Gemessene Herzfrequenz, zurückgelegte Strecke, verbrauchte Kalorien, erreichte Ziele sind fortwährend zu speichern, um sich jederzeit mit sich selbst und anderen messen zu können. Eingebettet werden diese Daten in Zirkeltraining, Workout vorm Fernseher, Apps mit Anwendungen wie Muskel- oder Balancetraining oder als Gewichtemanagement in Samsung Health.

Smartwatch Gear Sport

Die komplexeste Messstation ist die Smartwatch, also die Gear Sport (349 Euro). Sie hat ein 1,2 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 360 x 360, um deren Rand die Lünette verläuft, mit der die Software bedient wird. Samsung setzt weiterhin auf das hauseigene Betriebssystem Tizen. Die Zahl der Apps wächst stetig. Im Design hat sich die Sport im Vergleich zur S3 kaum verändert, etwas schlanker und runder ist sie geworden. Neu sind 23 verschiedenfarbene Kunststoff- und Lederbänder. Samsungs Uhr braucht kein Smartphone als Kartenmaterialversorger, weil sie ein GPS-Modul integriert hat und so Laufstrecken tracken kann. Weil die Gear Watch NFC-fähig ist, lässt sich im Handumdrehen mit Samsung Pay zahlen.

Damit Triathleten im See oder Schwimmbad ihre Bahnen ziehen können, hat Samsung nicht die übliche IP68-Zertifizierung, sondern 5 ATM. Sie kann also im Wasser bis zu 5 bar Druck aushalten. Im Netz ist man sich nicht einig, ob 5 bar für dauerhaftes Schwimmen reichen. Auf der Präsentation in Berlin hat Samsung jedenfalls mehrere Uhren in einer Wassersäule trapiert, die alle mehrere Stunden durchhielten.

Fitnessband Gear Fit2 Pro

Die Gear Fit2 Pro hält ebenfalls diesem Druck stand. Als schmales und günstigerer Sport-Wearable (229 Euro) kann sie natürlich weniger, aber immer noch all das, was der ambitionierte Sportler braucht: GPS-Tracking, Herzfrequenzmessung und anderes. Eine praktische Anwendung ist die Spotify-App. Mit zwei oder drei Fingertipps lädt man seine Lieblingsplaylist für die Offlinenutzung herunter, um sie beim Joggen auf dem Bluetooth-Kopfhörer zu hören. Bis zu 500 Songs speichert das Fitnessband. Samsung hat noch weitere „Partnerschaften“ mit Under Armour für den Personal-Trainer-Ersatz oder Speedo für das Schwimmtraining.

Im Vergleich zur Gear Sport gefällt die Fit2 Pro besser, weil sie sich auf die Sportanwendungen konzentriert. Samsungs Smartwatch will hingegen eine Konkurrenz zur Applewatch sein. Dafür haben die Koreaner alles in die Computeruhr gesteckt, was irgendwie geht. Außerdem kostet sie weniger.

Ohrhörer Gear IconX

Der dritte Sportspartner im Bunde ist die Gear IconX (229 Euro). Das ist die Ohrvariante des Fitnessbandes. Die schwache Akkulaufzeit der ersten Generation hat Samsung mittlerweile ausgemerzt. IconX soll sieben Stunden durchhalten, beim Sprechen vier und Streamen fünf Stunden. Aufgeladen werden die Ohrhörer in einem kleinen Kästchen, das auch für den Transport vorgesehen ist. Indem man auf das Gehäuse ein-, zwei- oder dreimal drückt, löst man unterschiedliche Befehle aus. Bis zu 4 Gigabyte stehen zur Verfügung, um etwa Musik zu speichern.

Wie sieht nun der Alltag mit diesen Wearables aus? Wir wissen es nicht. Ein Hands-on ist dafür zu kurz. Wie könnte er aussehen? Ausgerüstet mit Gear Sport, Gear Fit2 Pro oder IconX soll der Nutzer möglichst täglich Sport machen, sonst würde auch eine klassische Fitnessuhr von Garmin oder anderen Herstellern reichen. Die Sportarten können unterschiedlich sein: Joggen, Workout, Yoga, Schwimmen und anderes. Mit solchen Instrumenten und Vorstellungen ist Samsung jedoch nicht allein. Mittlerweile gibt es einige Smartwatches auf dem Markt, nicht wenige Ohrhörer und viele Fitnessarmbänder mit ähnlichen Funktionen. Attraktiv sind Samsungs Wearables sicherlich für all jene, die ein Smartphone der Koreaner nutzen. Dann bleibt alles in einem Kosmos, der Datenaustausch ist einfacher über die Universalapps.

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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