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Wenn Spione um die Ecke denken

Von Michael Spehr
 - 08:57

Technik wie aus dem Spionagethriller: Wenn Geheimdienste und Wissenschaftler zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, ist nicht nur die beste Ausrüstung gefragt, sondern geballtes Knowhow. Moderne Verschlüsselungsverfahren sind „unknackbar“. Daran ist nicht zu rütteln. Aber die Forensiker kommen trotzdem zum Zug, wie ein fiktives Beispiel zeigt: Ein Warenlager soll überwacht werden, es geht um den Export von Motoren, aber Fahnder ahnen, dass hier ganz andere Dinge geschmuggelt werden. In das Lager kommt man nicht hinein, ohne die Bösewichter aufzuscheuchen. Auch ihre Kommunikationskanäle sind durchweg verschlüsselt. Aber die Frachtpapiere und anderes erstellt ein schnarrender Nadeldrucker, wie er sonst nur noch in Banken und Arztpraxen vorzufinden ist. Solche Drucker sind zwar laut, doch ihre Fähigkeit, Durchschläge anzufertigen, ist die Existenzberechtigung dieser Uralttechnik.

Die Fahnder horchen auf, im Wortsinn. Denn aus dem Krach des Nadeldruckers kann man die Texte heraushören. Nicht der Mensch vermag das, wohl aber ein entsprechender Rechner. Michael Backes und andere Forscher der Universität des Saarlandes zeigten schon 2010 in ihrem Aufsatz „Acoustic Side-Channel Attacks on Printers“, wie das geht: Es lässt sich zwar nicht der Klang einzelner Buchstaben erfassen, weil die hohe Druckgeschwindigkeit keine hinreichende Trennschärfe erlaubt. Jedoch kann sich der Computer den Druckerklang ganzer Begriffe aneignen. Je mehr Worte mitsamt ihres Nadeldrucker-Sounds der Rechner lernt, umso besser erkennt er die Ausdrucke.

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Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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