Smarte Lampensysteme

Die Hellsten sind sie nicht

Von Michael Spehr
 - 10:35
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Zu Hause die Beleuchtung mit der App steuern und verschiedene Lichtszenarien individuell gestalten: Das ist seit 2012 der Gedanke hinter den Hue-Lampen von Philips, die sich per W-Lan-Anbindung einstellen und kontrollieren lassen. Mit dem smarten Heim, mit Alexa und vielen anderen Diensten ist das Angebot größer geworden. Lampen mit Smartphone-Koppelung werden selbstverständlich, wenngleich man nach wie vor die Frage stellen darf, worin die Nachteile des Lichtschalters bestehen. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Ob die Möglichkeiten der Programmierung den größeren Installationsaufwand und den höheren Preis rechtfertigen, sei also dahingestellt.

Wir haben uns nun zwei der wenigen erhältlichen Lampensysteme für Apples Homekit angesehen. Beide kommen ohne Bridge oder Hub aus, also ein zusätzliches Steuerelement, das an den Router angeschlossen wird. Von Koogeek kauften wir die „WiFi Smart LED Glühbirne“, sie ist bei Amazon für 27 bis 35 Euro erhältlich. Alternativ bietet das vermutlich in Asien beheimatete Unternehmen auch einen Lampensockel mit W-Lan an, in welchen man seine eigene LED-Birne mit E27-Fassung einschraubt. Hier liegt der Preis bei 35 Euro.

Beide Produkte sind überaus klobig, und sie unterstützen die W-Lan-Frequenzen im 5-Gigahertz-Bereich nicht. Für die Koogeek-Birne suchten wir angesichts ihrer ungewöhnlichen Größe – 14 Zentimeter in der Höhe, Durchmesser sechs Zentimeter – lange eine passende Lampe. Eine offene Standleuchte oder eine kugelförmige Tischleuchte sind naheliegende Ideen. In die meisten Lampen passt die Birne definitiv nicht hinein. In Betrieb genommen ist sie rasch, arbeitet in Apples Home-App problemlos und wird gesteuert von der zusätzlich zu installierenden Koogeek-Home-Software fürs iPhone. Dann lassen sich Farbe, Intensität und Helligkeit des LED-Leuchtmittels einstellen. Allerdings sind diese Möglichkeiten weitgehend nutzlos, wenn zwischendurch jemand den Lichtschalter betätigt und die Koogeek in ihre Standardeinstellung zurückfällt. Das Licht ist dann grell und kühl. Eine Lösung dafür gibt es nicht.

Nach Herstellerangaben erreicht das LED-Licht 500 Lumen, das ist nicht viel und entspricht einer alten konventionellen Glühbirne mit 40 Watt. Die Farbtemperatur bewegt sich zwischen 2700 K und 5000 K im Spektrum von Warmweiß bis Tageslichtweiß. Erst nach einiger Zeit des Ausprobierens entdeckten wir einen weiteren Mangel: Die Koogeek-App schickt in schöner Regelmäßigkeit Push-Meldungen mit Reklame aufs Handy. Da das vernetzte Heim auch und gerade auf solchen Push-Nachrichten basiert, kann man sie nicht komplett abstellen. Werbung mit Push-Meldungen verstößt gegen Apples App-Store-Richtlinien, aber Koogeek stört das wohl nicht.

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Die Meisterin des Lichts„Licht ist eine starke Energiequelle“

Die zweite Lampe kommt komplett mitsamt fest eingebautem Leuchtmittel: Eve Flare von Elgato misst 25 Zentimeter im Durchmesser und eignet sich mit ihrer kleinen Leuchtstärke von nur 90 Lumen eher zum Setzen von Lichtakzenten als zur Beleuchtung. Der Preis ist heftig, 100 Euro verlangt der Hersteller, der mit seiner langjährigen Homekit-Erfahrung einen guten Namen hat. Die Anmutung der runden Leuchte ist jedoch nicht so hochwertig, wie es der Preis erwarten lässt. Einige Pluspunkte stechen aber dann doch hervor: Die Lampe ist nach der Schutzart IP 65 gegen Staub und Wasser geschützt, hat einen Akku eingebaut, der rund sechs Stunden hält, und man kann sie dank eines Tragegriffs an der Unterseite auch schnell im Garten aufhängen. Damit ist ihr Einsatzzweck klar umrissen. Sie sorgt draußen für schöne Lichtstimmungen, und mit der Homekit-Einbindung kann man dann auf jeder Party spektakuläre Anweisungen wie „Siri, stelle Eve Flare auf Ferrari-Rot“ geben, um die Gäste zu amüsieren.

Die Steuerung beider Lampen mit dem Homekit erfolgt entweder in der App oder mit Siri. Ein permanent laufendes iPad oder ein Apple TV erlauben den Zugriff auf sämtliche Homekit-Anwendungen auch aus der Ferne, wenn niemand zu Hause ist. Man kann programmieren, also mit Szenen, Timern und Regeln arbeiten: Die erste Person, die zu Hause ankommt, sorgt dafür, dass automatisch alle Lampen eingeschaltet werden, aber erst nach Sonnenuntergang. Oder man schaltet einzelne Lampen zu Gruppen zusammen, die dann auf Kommando im gesamten Haus die Lichtlandschaft ändern. Auch die Helligkeit und Farbe einer Gruppe kann mit dem Homekit schnell für alle angepasst werden.

Wer an solchen Basteleien seine Freude hat, mag einen Blick auf derartige Produkte werfen. Von Ledvance gibt es ebenfalls Homekit-Lampen ohne Bridge, der Produktname Osram ist bekannter als der Unternehmensname. Die Homekit-fähigen Leuchtmittel „Osram Smart LED Filament Apple Homekit“ gibt es mit E27-Sockel zu Preisen zwischen 40 und 60 Euro. In Testberichten wird die Schaltverzögerung, das Flackern der Lampen und die unbefriedigende Dimmbarkeit beklagt. Das Philips-Hue-System lässt sich in Apples Homekit integrieren, wenn man eine jüngere Hue-Bridge verwendet. Mit einem ähnlichen Kniff findet auch das Ikea-System Tradfri einen Anschluss an Siri. Auch hier ist die Bridge, Tradfri Gateway genannt, dem Homekit hinzuzufügen.

Quelle: F.A.S.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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