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Drei Smartphones im Test

Mit Überraschung und Innovation gegen das iPhone

Von Marco Dettweiler und Michael Spehr
 - 14:30
HTC U11, Sony Xperia Premium XZ und Motorola Z2 Play Bild: Frank Röth, F.A.Z.

Es wird wieder ein heißer Herbst für die Freunde neuer Smartphones. Sehr wahrscheinlich bringt Apple Mitte September das iPhone 8 auf den Markt. Google steht mit seinem Pixel 2 in den Startlöchern. Samsung hat an diesem Mittwoch das Note 8 präsentiert, etwa ein Jahr nachdem die Koreaner die siebte Version wegen explodierender Akkus vom Markt genommen haben.

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Doch tun sich die Hersteller von Smartphones mittlerweile schwer, ihren Geräten eine einzigartige Eigenschaft mitzugeben, die sie deutlich von den Konkurrenzprodukten unterscheidet. Wir haben nun drei Geräte ausprobiert, die einen gewissen Pfiff bieten wollen. Das Sony Xperia XZ Premium hat einen Bildschirm mit 4K-Auflösung und eine Superzeitlupenfunktion. Der Rahmen des HTC U 11 funktioniert wie eine Riesentaste. Drückt man das Gehäuse leicht zusammen, startet das Gerät zum Beispiel die Foto-App. Und das Z2 Play von Motorola unterstützt Mods. Das sind Aufsätze für die Rückseite, die dem Smartphone eine Funktion hinzufügen. So konnte der Akku unseres Testgeräts mit Hilfe eines Mods kabellos geladen werden. Doch wie schlagen sich die drei Geräte nun im Alltag?

Sony Xperia XZ Premium

Das Xperia XZ Premium ist das aktuelle Flaggschiff von Sony. Mit 750 Euro gehört es preislich zur Oberklasse, kann aber mit dem S8 von Samsung oder iPhone 7 von Apple nicht ganz mithalten. Wieder hat sich Sony mit Innovationen im Design zurückgehalten, bleibt also seiner Linie der behutsamen Veränderungen treu. Im Vergleich zum Vorgänger gibt es nur noch eine Bildschirmgröße, nämlich 5,5 Zoll. Die Auflösung ist mit 3840 × 2160 Pixel beachtlich, das hohe Kontrastspektrum (HDR) erstaunlich. In punkto Farbintensität und Helligkeit kann der Bildschirm fast mit dem S8 von Samsung mithalten. Im Alltag spielt dies kaum eine Rolle. Zum Tragen kommt die Bildschirmtechnik nur, wenn man Filme schaut, und diese müssen erst einmal die entsprechenden Voraussetzungen wie hohe Auflösung und hohen Kontrast mitbringen.

Nützlicher ist die Superzeitlupenfunktion. Das XZ nimmt dann 960 Bilder pro Sekunde auf. Weil diese Aktion viel von Prozessor und Arbeitsspeicher abverlangt, haben die Entwickler dem Kamerasensor einen eigenen Speicher für diesen Vorgang spendiert. Doch selbst dieser ist nach nur knapp 0,2 Sekunden voll. Solange kann man in Superzeitlupe aufnehmen. Beim Abspielen des Videos werden daraus sechs Sekunden. Die haben es allerdings in sich. Wir haben beim Tipp-Kick-Match einen Abstoß aufgenommen. Das Ergebnis ist faszinierend. Ruckelfrei und in HD-Auflösung fliegt der Ball durch die Luft. Bis diese Szene im Kasten ist, dauert es allerdings. Die Zeitlupe muss innerhalb einer Videoaufnahme gestartet werden. Da sie gerade bei sich schnell bewegenden Objekten Spaß macht, braucht es einige Versuche, um den richtigen Moment zu erwischen. Zudem funktioniert dies nur bei guten Lichtverhältnissen.

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HTC U11

Beim U 11 ist ebenfalls die Foto-App das Außergewöhnliche. Es ist jedoch der Weg, wie sie gestartet wird. HTC hat das 750 Euro teure Gerät so konstruiert, dass es auf seitlichen Druck reagiert und dies „Edge Sense“ genannt. Es genügt, das Gerät in einer Hand kurz zusammenzudrücken, damit es bereit ist, ein Foto aufzunehmen. Auch der Auslöser kann auf diese Art betätigt werden. Die anfängliche Sorge, dass jedes Bild verwackelt, weil beim Zusammendrücken der Hand sich diese leicht bewegt, ist unberechtigt. Es gibt eine gewollte Latenzzeit, so dass das Gerät wieder ruht, wenn die Aufnahme gemacht wird. Diese Foto-App-Steuerung funktioniert verlässlich, ob sie praktischer ist als etwa der Kamera-Knopf bei Sony, muss wohl jeder selbst entscheiden.

Was die Designsprache betrifft, wagt HTC sehr viel mehr als Sony. Das U 11 hat ebenso wie schon das U Ultra oder U Play nicht mehr ein geschliffenes Alugehäuse, sondern eine farbige, sich spiegelnde Oberfläche, die je nach Lichteinfall etwas ihre Erscheinung verändert. HTC hat das neue Verfahren „Optical Spectrum Hybrid Deposition“ getauft, viele dürften es auch Fingerabdruckfänger nennen. Bei bestimmten Farben wie Blau fällt dies deutlich auf.

Motorola Z2 Play

Schließlich Motorola: Das Z2 Play kommt in diesen Tagen für 500 Euro in den Handel, und dass es deutlich günstiger ist als seine beiden Rivalen, drückt sich auch in Anmutung und Verarbeitungsqualität aus. Auf der dünnen Rückseite ragt die Kameraoptik heraus, auffällig ist der Docking-Anschluss, der mit Magneten arbeitet. Die verschiedenen Aufsätze sind zum Beispiel ein Lautsprecher von JBL, eine Schutzhülle fürs induktive Laden, ein zweites Akkupack oder eine Kamera, die den tradtionsreichen Namen Hasselblad trägt. Die eingebaute mit 12 Megapixel liefert bei guter Beleuchtung sehr gelungene Aufnahmen, wir waren überrascht.

Pfiffig ist auch der Schlitten, welcher in der Dual-Sim-Variante zwei Sim-Karten und gleichzeitig eine Micro-SD-Speicherkarte aufnimmt. Leider ist er nur schwer aus dem Gehäuse herauszubekommen. Das Display (5,5 Zoll) ist sehr kontraststark, zeigt knackige Farben, könnte aber heller sein. Der Akku hält mehr als einen Tag durch, und das nahezu „unverbastelte“ Android 7.1 ist ein weiterer Pluspunkt. Was fehlt? Das schnelle W-Lan ac, nur der n-Standard im 2,4- und 5-Gigahertz-Band wird unterstützt. Davon einmal abgesehen, lohnt der Blick auf diesen ungewöhnlichen Außenseiter.

Was kommt noch?

Apple wird vermutlich im September seine neuen iPhone-Geräte vorstellen. An der Reihe wären ein iPhone 7s und 7s Plus. Viele Beobachter spekulieren, dass im Jahr des zehnjährigen iPhone-Bestehens eine dritte Neuerscheinung kommt. Samsung hat am Mittwoch sein Note 8 gezeigt, abermals mit Stiftbedienung. Huawei wird am 16. Oktober sein Mate 10 präsentieren. Zu erwarten ist eine Bildschirmauflösung jenseits von Full HD, induktives Laden und eine abermals verbesserte Kamera. Der Hersteller HMD Global, welcher den Namen Nokia verwenden darf, hat in der vergangenen Woche sein Nokia 8 mit Android vorgestellt. Die Kamera-Optik kommt von Glas- und Objektivhersteller Zeiss. misp.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Michael Spehr
Redakteur in der Wirtschaft. Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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