Tipps und Mythenbereinigung

So hält Ihr Smartphone-Akku länger

Von Michael Spehr
 - 13:27

Der Aufschrei am Abendbrottisch, man habe nur noch 14 Prozent, erschließt sich umso eher, je jünger man ist. Es geht natürlich um die verbleibende Akku-Laufzeit des Smartphones, abends nur noch ein Siebtel, wie kann das sein? Und vor allem: Was kann man tun, damit das unentbehrliche Gerät bis zum Schlafengehen sicher durchhält, auf dass sich noch im Bett die letzten Whatsapp-Nachrichten lesen und Instagram-Fotos bewundern lassen? Ist der Akku etwa schon am Ende seines Lebenszyklus angekommen, oder gibt es vielleicht hilfreiche Tricks, seine Laufzeit ohne teuren Tausch zu verlängern?

Apple ist unlängst ins Gerede gekommen: Um der nachlassenden Akku-Laufzeit der Modelle 6 und 7 zu begegnen und unerwartetes Abschalten bei Leistungsspitzen zu verhindern, kam man auf die Idee, die Prozessorleistung ein wenig zu drosseln. Ohne es mitzuteilen, wurde diese Leistungsbremse heimlich in den iOS-Updates ab 10.2.1 eingebaut. Akkus leiden unter Kälte, Alterung und geringer Ladung. Die Nachbesserung per Software funktionierte, aber die heimlich vorgenommene Tempo-Operation führte zu heftiger Kritik. Apple räumte den Sachverhalt schließlich ein, als Wiedergutmachung kostet der Akku-Tausch nun nur noch 29 statt 89 Euro. Noch im Februar wird zudem ein weiteres Update dafür sorgen, dass man die Tempobremse manuell abschalten kann.

In einigen Ländern wurden Sammelklagen gegen Apple auf den Weg gebracht. Jenseits einer juristischen Beurteilung sollte man nicht vergessen, dass jedes mit Mehrkernprozessoren arbeitende Gerät fortwährend Arbeitsgeschwindigkeit und Stromverbrauch abwägt. Dazu wird schon von der Hardware her zwischen rechenstarken und energiehungrigen Kernen sowie schwachen energiesparenden Kernen balanciert, beschleunigt und gebremst. Das alles ist ein dynamischer Vorgang und kein statischer.

Moderne Zellen halten länger

Alle Akkus altern, keiner lebt ewig. Je länger er in Betrieb ist, desto weniger Energie kann er aufnehmen, speichern und wieder an das Gerät abgeben. Die in modernen Smartphones eingebauten Zellen sind meist Lithium-Ionen-Akkus, die mindestens 500 bis 800 vollständige Ladezyklen vertragen. Nach zweijährigem Betrieb haben sie typischerweise die Hälfte ihrer Kapazität verloren. Moderne Zellen halten länger. In den vergangenen 20 Jahren wurde die Energiedichte der Lithium-Ionen-Akkus verdreifacht. Apple garantiert für das iPhone, dass die Akku-Kapazität bei 500 vollständigen Ladezyklen nicht unter 80 Prozent fällt. Noch robuster sind die früher eingesetzten und bisweilen in Schnurlostelefonen noch immer verwendeten Nickel-Cadmium-Zellen, sie schaffen bis zu 1500 Ladezyklen. Nickel-Eisen-Akkus, die von Thomas Alva Edison entwickelt wurden, erreichen sogar 3000 Ladezyklen, kommen aber nur noch in Grubenlampen zum Einsatz.

So ist klar, dass jeder Smartphone-Akku nach zwei oder drei Jahren ersetzt werden muss. Doch die tägliche Akku-Laufzeit lässt sich bis dahin mit einigen Kniffen mühelos verlängern, und zwar für alle Smartphones und Tablets, unabhängig von Hersteller und Software-Stand. So kommt der Schrei nach der Steckdose deutlich später.

Rund um das Laden von Lithium-Ionen-Akkus gibt es allerlei Legenden: Man solle sie besonders lange laden oder regelmäßig komplett entladen, bis sich das Gerät abschaltet. Das Laden am PC oder Notebook sei zu vermeiden, und vor einer längeren Lagerung des Smartphones befülle man den Akku komplett. Das alles sind moderne Mythen. Wird der Lithium-Ionen-Akku zwischen 30 und 70 Prozent seines maximalen Ladestands gehalten, verlängert das am ehesten seine Lebensdauer. Dauerhaft hohe Ladezustände mag er nicht und hohe Temperaturen ebenfalls nicht. Soll der Akku gelagert werden, sind eine Füllung auf 40 bis 60 Prozent des Maximums sowie die Lagerung bei Temperaturen zwischen 0 und 15 Grad Celsius angesagt.

Originale bieten einen hinreichenden Brandschutz

Mehr gibt es nicht zu beachten. Gegen schädliches Tiefentladen oder gefährliches Überladen sind die Original-Akkus hochwertiger Geräte geschützt. Die nutzbare Nettokapazität wird ein bisschen zugunsten der Sicherheit und Lebensdauer reduziert. Apropos Original: Um günstige Nachbauten aus dubiosen Quellen mache man einen großen Bogen, ebenso um billige Ladegeräte. Die Originale der namhaften Hersteller bieten einen hinreichenden Brandschutz. Ein sicherer Akku ist etwas teurer, aber es ist sehr schwer, mangelhafte Zellen zu erkennen, weil aufgeklebte Zertifizierungs- und Prüfzeichen häufig gefälscht sind.

Jenseits der Hardware und ihrer Anforderungen lässt sich mit manchen Software-Tricks deutlich mehr aus dem Akku herausholen. Man frage zunächst, welche Komponente besonders viel Strom verbraucht.

Der größte Stromfresser ist stets die Anzeige. Bei voller Helligkeit schluckt sie mehr als zwei Drittel des Energiebedarfs. Folglich sollte sie immer nur so hell wie nötig und so kurz wie möglich leuchten. Fast alle Geräte bieten in den Einstellungen eine Funktion wie Auto-Helligkeit oder Adaptive Helligkeit an. Damit wird die Display-Helligkeit mit Hilfe eines Helligkeitssensors an das Umgebungslicht angepasst. Das funktioniert nicht immer perfekt, aber meist besser als jedes manuelle Nachjustieren. Um die Leuchtzeit zu verringern, reduziert man sodann die Wartezeit, nach der das Display automatisch in den Ruhezustand wechselt: So heißt typischerweise bei den Androiden der entsprechende Menüeintrag. Mit dem iPhone wähle man das Menü „Automatische Sperre“. 30 Sekunden sollten ausreichend sein. Jede längere Zeitspanne reduziert die Akku-Laufzeit. Diese 30 Sekunden kann man noch weiter verkürzen, wenn man sich angewöhnt, konsequent die Anzeige manuell mit der Seitentaste auszuschalten, sobald man das Gerät nicht mehr benutzt.

Energiehungrig ist sodann an zweiter Stelle der GPS-Chip, der für die Ortung per Satellit zuständig ist. Mit dem iPhone lassen sich die Ortungsdienste im gleichnamigen Menü komplett deaktivieren oder für jede einzelne App justieren, und zwar so, dass die App nie, nur bei ihrem Verwenden oder permanent auf GPS- und andere Ortsdaten zugreifen darf. Auch wenn es sehr aufwendig ist: Es lohnt sich, die Einstellungen für jede einzelne App zu prüfen und das Zugriffsrecht gegebenenfalls zu widerrufen. Auch aus Gründen des Datenschutzes.

Unter Android ist der Weg zur Prüfung der Berechtigungen etwas steiniger, weil eine Gesamtübersicht fehlt. Aber die Standortdienste und GPS lassen sich ebenfalls ausschalten, wenngleich dieses Ausschalten eher eine kosmetische Funktion ist, weil Google auch dann Standortdaten von Android-Smartphones erfasst, wenn der Nutzer die Standortdienste ausgeschaltet hat.

An dritter Stelle deaktiviere man Effekte, bewegte Bildschirmhintergründe, Animationen und andere Designelemente. Die Einstellungen variieren von Gerät zu Gerät. Wenn Benachrichtigungen den dunklen Bildschirm im Ruhemodus kurzzeitig aktivieren, kostet auch das Strom. Man kann sodann das Intervall für die Abfrage von E-Mail- und anderen Konten verlängern. Statt ständig und sofort über neue Nachrichten informiert zu werden, setze man das Abrufintervall auf eine Stunde. Dann kommt alles Neue gebündelt und in einem Rutsch aufs Gerät. Push-Meldungen abzuschalten kann unter Android sinnvoll sein. Mit iOS bringt es nicht viel, weil alle Push-Apps eine gemeinsame Verbindung zu Apples Servern offenhalten und somit separate Abfragen einzelner Apps unterbleiben.

Fortwährende Netzsuche ist ein Akku-Killer

Auch das Deaktivieren von Bluetooth bringt nichts. Ebenso ist das manuelle Beenden von Apps nicht angesagt. Alle aktuellen Betriebssysteme optimieren sich weitgehend selbst. Ein Schließen von Anwendungen durch den Nutzer kann sogar den Stromverbrauch in die Höhe treiben, wenn die App beim späteren Öffnen mit hohem Energieaufwand neu starten und ihre Inhalte laden muss. Allerdings sollte man den Stromverbrauch einzelner Apps durchaus im Auge behalten. Unter iOS sieht man im Menüeintrag Batterie sofort, welche Anwendung in der Vergangenheit besonders intensiv auf die knappe Ressource Strom zugegriffen hat. Die Androiden zeigen den Stromverbrauch pro App in jedem Fall im App-Menü. Manche Geräte bündeln die Einzeldaten und erlauben auf diese Weise eine schnelle Identifikation der Stromfresser. Meist sind es übrigens Spiele und Facebook, die am intensivsten den Akku leiden lassen.

Ein fehlendes Netz, also der Aufenthalt im Funkloch, strapaziert den Stromspender ungemein. Die fortwährende Netzsuche ist ebenso ein Akku-Killer wie der Aufenthalt an Orten mit schlechter Netzabdeckung, wo das Handy viel Energie aufwenden muss, um die Verbindung zum nächsten Funkmast zu halten. Wer weiß, wie es vor Ort bestellt ist, schaltet den Mobilfunk aus und bleibt im W-Lan.

Viele Hersteller bohren die Energiesparoptionen auf

Was ist mit Stromspar-Apps? Sie versprechen das Blaue vom Himmel, zum Beispiel 30 Prozent mehr Laufzeit. Was man sich sparen kann, ist deren Anschaffung oder das Ausprobieren. Denn die Apps sind überflüssig und bewirken nichts. Meist sind sie in betrügerischer Absicht programmiert – und spähen den Nutzer hinterrücks aus. Man werfe stattdessen einen Blick auf die eingebauten Energiespar-Menüs des Smartphone-Herstellers. Der Stromsparmodus des iPhone kann manuell aktiviert werden, er schränkt Funktionen wie das Abrufen von E-Mails, die Hintergrundaktualisierung für Apps, visuelle Effekte und einiges mehr ein. Der Stromsparmodus wird automatisch wieder deaktiviert, wenn der Geräte-Akku auf mehr als 80 Prozent geladen wurde. Unter Android gibt es die ähnliche Funktion namens Energie sparen. Viele Hersteller bohren die Energiesparoptionen weiter auf. Huawei bietet etwa mehrere Stromspar-Modi an, die in der letzten Stufe eine Laufzeit von bis zu vier Tagen bringen sollen – allerdings mit drastisch reduzierter Funktionalität.

Akku-Zauberei und Weltrekord-Laufzeiten gibt es also wie gehabt nicht. Je mehr und länger das Gerät aktiv ist, umso schneller ist der Akku leer. Wer gegen unliebsame Überraschungen gefeit sein will, hat eine Powerbank im Reisegepäck. Oder übt sich mal im Verzicht auf Facebook & Co.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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