Zupackende Umzugshelfer

So überträgt man Daten aufs neue iPhone

Von Michael Spehr
 - 09:57

Es dauert nur „ein paar Minuten lang“, dann sind alle Daten vom alten iPhone auf das neue gewandert. Das sagt jedenfalls Apple. Wer jetzt umsteigt und ein iPhone 8 oder gar das brandneue iPhone X in Händen hält, will natürlich nicht von vorn anfangen, sondern Apps und Einstellungen auf dem jungen Gerät so vorfinden, wie sie auf dem alten eingerichtet waren. Je mehr man mit seinem Smartphone macht, um so aufwendiger ist jedoch der Wechsel. Von vorn beginnen würde bedeuten, sämtliche Konten neu einzurichten, Zugänge, Log-in-Daten und vieles andere herauszusuchen und manuell einzugeben. Und was ist mit Musik und Fotos?

Für den einfachen und meist zuverlässigen Gerätewechsel stellt Apple verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, und dass der Rivale Google Ähnliches bietet, versteht sich von selbst. Darauf kommen wir später zurück. Das ist die gute Nachricht. Aber in wenigen Minuten ist die Sache nicht erledigt. Jenseits des Gerätewechsels gibt es einen weiteren Grund, sich mit der Technik des Backups und dem Wiedereinspielen der Sicherungskopien zu beschäftigen: Wird das iPhone (oder das iPad) gestohlen, kann man ein Neugerät aus alten Backups herrichten.

Wir haben zweimal gewechselt und zwei Wege ausprobiert. Der erste, von Apple bevorzugt empfohlene, ist das Backup in der iCloud, dem hauseigenen Cloud-Speicher. Fünf Gigabyte stehen dafür kostenfrei zur Verfügung; zu viele Fotos darf man also auf seinem Gerät nicht haben. Gegebenenfalls buche man ein iCloud-Abonnement. 50 Gigabyte kosten einen Euro im Monat, 200 Gigabyte drei Euro.

Apple weiß, was man gekauft hat

Medien, die nicht im iTunes-Store gekauft wurden, erfasst das iCloud-Backup jedoch nicht. Apple geht davon aus, dass man seine Musik über Apple Music bezieht, also den eigenen Streaming-Dienst. Dann muss man sich nicht mehr um die Musik-Sicherung kümmern. Die im iTunes-Store gekauften Titel wiederum lassen sich ohne vorheriges Backup wiederherstellen, Apple weiß, was man gekauft hat. So ist folglich das iCloud-Backup dann empfehlenswert, wenn man auch bei Medien, Musik und Film ganz auf Apple setzt. Wer eigene Medien sichern will, die nicht aus der Apple-Welt bezogen wurden, benötigt das iTunes-Backup.

Doch nun zum iCloud-Backup: Zunächst prüfe man, ob es auf dem alten Gerät eingerichtet ist. Es steht seit einigen Jahren zur Verfügung. Das Backup in der Wolke wird in den neueren Betriebssystem-Versionen in den iCloud-Einstellungen aktiviert, und im betreffenden Menü wird man darauf hingewiesen, dass täglich über das W-Lan alles gesichert wird, wenn das Gerät eingeschaltet und an eine Stromquelle angeschlossen ist. Wer sein Smartphone nur im Auto oder im Büro ohne W-Lan-Anbindung lädt, sollte auf dieses Detail achten. Es wird im Backup mehr oder weniger alles gesichert, bis auf eigene Musik, gekaufte Videos, Hörbücher und andere Medien, wie gesagt. Was unter „alles“ zu verstehen ist und welche Probleme es gibt, darauf kommen wir zurück.

Erstellung eines verschlüsselten Backups

Der zweite Weg ist das Backup mit der iTunes-Software am Mac- oder Windows-Rechner. Das iPhone wird dazu über Kabel angeschlossen oder hält sich im gleichen W-Lan wie der iTunes-Rechner auf. Im entsprechenden iTunes-Menü wählt man das Backup „auf diesem Computer“ und vor allem die Erstellung eines verschlüsselten Backups. Nur dann werden die Einstellungen von Accounts und die Gesundheits- sowie Aktivitätsdaten mitgesichert. Dass das Backup abgeschlossen wurde, wird im Fenster unten rechts unter „Letzte Backups“ angezeigt.

Beim iTunes-Backup achte man auf die Betriebssystem-Versionen von Alt und Neu. Nach dem Motto „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ kann man zwar auf eine höhere Version problemlos aktualisieren. Wer jedoch das Altgerät bereits mit dem derzeit aktuellen iOS 11.0.3 versehen und zum brandneuen iPhone 8 mit iOS 11.0 wechseln will, der muss das iPhone 8 zunächst provisorisch in Betrieb nehmen, auf iOS 11.0.3 aktualisieren und kann dann zurückspielen.

Geht es um den Gerätewechsel, erwartet auch eine gegebenenfalls vorhandene Apple Watch gewisse Aufmerksamkeit. Deren Daten und Einstellungen sollen ja ebenfalls übernommen werden. Dazu koppele man die Uhr vor dem jeweiligen Backup vom iPhone ab. Das erledigt man in der Watch-App auf dem iPhone, indem man auf das kleine „i“ neben der angezeigten Uhr tippt und anschließend das entsprechende Menü wählt. Für die Backups zur Datensicherung ist die Abkopplung natürlich nicht erforderlich.

Weitgehend automatisch und ist selbsterklärend

Das neue iPhone sollte in Reichweite eines W-Lan in Betrieb genommen werden. Nach dem Einschalten und der Auswahl von Land und Sprache gibt es seit iOS 11 einen Schnellstart, mit dessen Hilfe erste Einstellungen vom alten auf das neue Gerät übertragen werden. Man kann jedoch auch manuell konfigurieren, und im zweiten Schritt werden alle persönlichen Daten entweder aus dem iCloud-Backup oder von iTunes aufs neue iPhone geholt. Das alles erfolgt weitgehend automatisch und ist selbsterklärend.

Man beachte jedoch: Übernommen werden persönliche Einstellungen, Konten, Anruflisten, iMessages, Fotos, Lesezeichen, der Verlauf des Safari-Browsers und natürlich Bildschirmhintergründe sowie das gesamte Layout von Apps und Diensten und nicht zuletzt die Fitnessdaten sowie W-Lan-Einstellungen. Das hört sich prima an, und nach etwa einer halben Stunde ist der erste Schritt abgeschlossen. Im zweiten Durchgang lädt das neue iPhone die Apps nach, und zwar über W-Lan direkt von Apple und nicht etwa, was naheliegend wäre, aus dem iTunes-Backup auf der Festplatte. Das kann dauern, vor allem mit den langsamen Internetzugängen in Deutschland.

Im Idealfall sollten sich nach dieser Prozedur alle Apps mit allen Daten wieder an Ort und Stelle befinden – als ob das Gerät nie gewechselt worden wäre. Leider ist dem nicht so. Da müssen zum Beispiel die Nutzer von Googles G Suite manuell nachjustieren, welche Kalender synchronisiert werden. Das geht nicht etwa in den entsprechenden iPhone-Menüs, sondern muss auf einer Google-Seite erfolgen. Weiter verbreitet ist folgendes Problem: Viele App-Programmierer halten sich nicht an die Spielregeln von Apple, und man muss sich zunächst wieder aufs Neue einbuchen, um an seine alten Daten zu kommen – oder schlimmstenfalls sind selbst nach einem neuen Log-in die Daten vom alten iPhone futsch. Nach unseren Erfahrungen bereiten rund ein Drittel aller Apps solche Probleme, und es ist ärgerlich, dass Apple hier nicht strenger auf die Einhaltung der Spielregeln pocht.

Je nach Zahl der Apps und Tempo der Internet-Anbindung dauert das Zurückspielen eine oder mehrere Stunden. Wer das iTunes-Backup verwendet, ist nicht schneller fertig, aber hat immerhin seine private Musikbibliothek auf dem neuen Gerät. Zum Schluss muss auch die Apple Watch wieder gekoppelt werden. Dass sich ein neues iPhone abermals mit allen schon dem alten Modell bekannten Bluetooth-Partnern anfreunden muss, sei nicht verschwiegen, das ist eine Eigenheit des Kurzstreckenprotokolls und nicht Apple vorzuwerfen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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