Ohne Rechner

So verwahren und verwalten Sie Fotos im Urlaub

Von Michael Spehr
 - 15:53

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich auf den nächsten Urlaub vorzubereiten. Nicht nur in Gedanken an Berge oder Strand, sondern auch mit den Themen rund um Sicherheit und Sicherung. Es geht um die Urlaubsfotos. Wie bringt man sie vollständig und heil nach Hause, wenn das Notebook fehlt? Unterwegs sichern ohne Rechner, dazu gibt es einige verblüffende Lösungen, die man nur kennen muss.

Ein unterschätztes Werkzeug kostet keine fünf Euro und lässt sich mit den meisten Android-Smartphones verwenden: Der OTG-Adapter sorgt für die Verbindung von Smartphone und externen Speichermedien mitsamt Lese- und Schreibzugriff. Das Kürzel OTG steht für „On the Go“. Der Adapter hat auf der einen Seite einen konventionellen USB-Anschluss, auf der anderen Micro USB oder USB Typ C, man prüfe, wie das eigene Smartphone ausgestattet ist. Mit dem Anstecken erkennt der Androide in der Regel das angeschlossene Medium auf der anderen Seite sofort. Man kann also vom Handy zur Speicherkarte, zum USB-Stick oder sogar zur externen Mini-Festplatte kopieren. Nur erlauben nicht alle Apps den Zugriff auf externen Speicher. Unser Tipp: Man nehme einen Dateimanager. Weil indes nicht jedes Smartphone OTG beherrscht, gilt es, die Kombination aus Adapter, USB-Speicher und eigenem Telefon vor dem Urlaub auszuprobieren.

Mit dem OTG-Adapter kann man sodann auch die Fotos einer herkömmlichen Kamera zum Smartphone schieben. Dazu packt man die SD-Karte in einen Kartenleser und kopiert dann in Richtung Handy. Ein weiterer Nachteil von OTG neben der eingeschränkten Kompatibilität: Es ist ziemlich langsam. Natürlich werden auch die Apple-Produkte mit ihrem Lightning-Anschluss nicht unterstützt. Wer ein iPhone oder iPad hat, kann von Apple für 35 Euro das Kartenlesegerät „Lightning auf SD“ erwerben. Es erlaubt den Transfer von Fotos auf einer SD-Karte zum Mobilgerät.

Kostenpunkt: weniger als 15 Euro

Noch besser ist freilich ein Universalist: Man gebe im Suchfeld von Amazon beispielsweise „Kartenleser iPhone USB“ ein und findet prompt Dutzende von Adaptern, die folgende Anschlüsse in ihrer winzigen Hardware unterbringen: Lightning fürs iPhone und iPad, Micro USB, USB Typ C, USB und noch einen Speicherkartenleser. Kostenpunkt: weniger als 15 Euro, häufig ist sogar interner Speicher gleich eingebaut. Die Adapter benötigen eine App, das ist ein Nachteil, aber sie bieten ein hohes Lese- und Schreibtempo und erlauben einen nahtlosen, schnellen Datenaustausch in alle Richtungen.

Befinden sich die Fotos im Smartphone oder Tablet, gelingt die Sicherung am einfachsten, wenn man abends im Hotel alle Bilder über das W-Lan in die Cloud schiebt. Android und Apple bieten jeweils ihre eigenen Cloud-Systeme an. Google Fotos verspricht unbegrenzten Speicherplatz, komprimiert allerdings die Aufnahmen – oder man wählt die Originalgröße und kann so lange speichern, bis das jeweils gewählte Datenkontingent gefüllt ist. Apple stellt für Fotos und andere Dokumente fünf Gigabyte Speicherplatz gratis bereit, 50 Gigabyte kosten einen Euro im Monat.

Soll der Bilderspeicher nicht an den Hersteller des Betriebssystems gebunden sein, empfehlen sich weitere Cloud-Dienste, wie etwa die Dropbox oder Onedrive von Microsoft. Die Apps auf dem Androiden oder iPhone machen es einem einfach: Sie kopieren im Hintergrund automatisch jede neue Aufnahme hoch in die Cloud. Wahlweise im Mobilfunknetz und im W-Lan oder nur in Letzterem. Onedrive ist empfehlenswert, wenn man ohnehin ein Office 365 mit Word, Excel und Outlook im Abonnement verwendet. Dann gehört nämlich ein Terabyte Onedrive-Speicher dazu. Die App erlaubt das Vorsortieren der Aufnahmen, man kann noch am Smartphone Ordner anlegen und diese für Freunde und Familienmitglieder freigeben.

Blick auf Lightroom CC von Adobe werfen

Nach unserer Erfahrung funktioniert Onedrive meist gut, auch wenn man bisweilen den Foto-Upload manuell anstoßen und sich über Synchronisationsprobleme am PC ärgern muss. Dass ein Weltkonzern wie Microsoft eine Cloud-Lösung mit der Robustheit und Zuverlässigkeit anbieten würde wie Dropbox mit seinen weniger als 1000 Mitarbeitern, damit darf man getrost nicht rechnen.

Fotofreunde mit einem Faible für Klasse statt Masse sollten einen Blick auf Lightroom CC von Adobe werfen. Die App erlaubt viele Feineinstellungen, auch und gerade beim Einsatz als Alternativ-Kamera. Die App läuft auf beiden Smartphone-Plattformen. Mit einem kostenpflichtigen Abonnement erhält man für fünf Euro im Monat die Option für einen geräteübergreifenden Datenaustausch. Was auf dem iPhone fotografiert wurde, lässt sich also am iPad bearbeiten. Sodann kann man die eigenen Fotos auf einer Website präsentieren oder in Lightroom Mobile bearbeiten. Diese Version der großen Lightroom-Bildbearbeitung läuft im Web-Browser ohne vorherige Software-Installation, man muss sich lediglich mit seiner Adobe-ID anmelden.

Was in der Cloud ist, ist zunächst sicher. Aber nicht jeder mag die Cloud. Wer mit einer Kompaktkamera oder Spiegelreflex fotografiert, kann SD-Karten mit eingebautem Nebenjob verwenden: Zusätzlich ist W-Lan an Bord, auf diese Weise stellt die Speicherkarte eine Drahtlosverbindung von der Kamera zum Smartphone her. Die Kärtchen sind teurer als die reinen Speicherkarten, Anbieter sind Eye-Fi, Transcend, Sandisc oder Toshiba. Mit der entsprechenden App auf dem Smartphone holt man sich die Aufnahmen von der Kamera. Der Nachteil: Das W-Lan arbeitet langsam, und der Nebenjob belastet den Akku der Kamera stark, meist halbiert sich seine Nutzungszeit.

Externe Festplatten mit SD-Kartenschacht sind eine weitere Möglichkeit zur Sicherung von Kamerafotos. Früher war diese Gerätegattung weit verbreitet, heute gibt es nur noch wenige Anbieter. Western Digital hat die Passport Wireless mit SD-Kartenslot im Angebot. Sie ist sehr teuer: Für 500 Gigabyte zahlt man 190 Euro, allerdings gehört auch hier ein W-Lan-Modul zur Serienausstattung. Eine Nummer größer stellen sich die My Passport Wireless Pro von Western Digital auf: Festplatte plus Powerbank plus SD-Kartenschacht plus W-Lan sind mit Kapazitäten bis vier Terabyte von 200 Euro an erhältlich. Damit gelingt dann auch das Sichern von umfangreichem Videomaterial der Action-Kamera. Ein 4K-Video mit 30 Bildern je Sekunde braucht rund 400 Megabyte Speicherplatz. Je Minute. Wer nur in Full HD filmt, kommt mit der Hälfte aus.

Quelle: F.A.S.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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