Sony Touch ausprobiert

Der Tisch als Bildschirm

Von Marco Dettweiler
 - 07:41

Als der Xperia Touch noch im Entwicklungsstadium war, nannte Sony ihn Projektor. Nimmt man beide Namen zusammen, erklärt sich ganz gut, um was es sich hier handelt: einen Projektor, der auf Berührungen reagiert. Das ist das Faszinierende an diesem Hightech-Spielzeug. Kollegen reagieren auf Touch meist mit zwei Fragen. „Was ist das denn?“ wäre geklärt. „Wie funktioniert das?“ lässt sich so beantworten: Der Projektor wirft ein Bild mit einer Auflösung von 1366 × 768 Pixeln auf den Tisch oder an die Wand, je nach dem, wie er steht. Infrarotsensoren erkennen die Finger, die sich mit Gesten im Android-Menü wie auf einem Smartphone oder Tablet bewegen, nur dass es keine festgelegte Oberfläche gibt. Die Sensoren können bis zu zehn Finger unterscheiden.

Touch ist letztlich ein Computer mit einem unsichtbaren berührungsempfindlichen Bildschirm, der verschieden groß und überall dort plaziert werden kann, wo eine helle Oberfläche ist. Das kann der Schreibtisch genauso gut sein wie eine Wand, glatter Boden oder eine Schranktür. Ein wirklich ansehnliches Ergebnis entsteht nur bei glatten Oberflächen. So ist schon das Bild auf einer Rauhfasertapete im Test grenzwertig. Technisch gesprochen schafft der Touch 100 Lumen, anschaulich gesagt muss zwar in einem hellen Zimmer bei sonnigem Wetter nicht unbedingt die Jalousie heruntergelassen werden, um etwas zu sehen. Doch das Bild reicht nicht an die Helligkeit von echten Beamern ran – was bei dieser Größe auch nicht verwunderlich ist.

Der Touch kann entkabelt werden, ein Akku übernimmt dann die Stromversorung. Lange Video-Abende lassen sich damit nicht feiern. Nach einer Stunde Film ist Schluss. Dennoch macht es Spaß, das Sony-Gerät irgendwo in der Wohnung auf den Tisch zu packen. Das kann etwa in der Küche sein, um ein Rezept zu projizieren, weil die Mehlhände keinen Bildschirm dreckig machen sollen. Oder Touch wird auf das Sideboard im Wohnzimmer gestellt, um mit Freunden zu skypen. Weil Sony zwei ordentlich klingende Stereolautsprecher und eine Kamera mit 13 Megapixel eingebaut hat, geht das recht gut, vorausgesetzt, das Gerät steht an der Wand.

Sonys Touch ist ein faszinierendes Spielzeug, ein echtes Gadget. Selbst ein mit solchen Geräten erfahrener Kollege fing sofort an, damit zu spielen. Nur bei der Preisangabe bleiben die Finger kurz stehen. Bei 1500 Euro wird es ernst, für viele hört dann der Spaß auf.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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