Kabelloses Mikrofon im Test

Kabel los, Akustik bleibt

Von Michael Spehr
 - 16:59

Am Fenster stehend und das trübe Herbstwetter beobachtend, finden die ersten Sätze dieses Artikels ihren Weg in die Textverarbeitung ohne Zuhilfenahme einer Tastatur. Sie werden einer Spracherkennung diktiert. Das Mikrofon in der Hand arbeitet mit Funk, so kann der Autor während des Diktats durchs Zimmer laufen. Wer diesen schönen Komfort für ein Kinderspiel hält, schließlich gibt es ja Bluetooth und andere Protokolle zur Audioübertragung zuhauf, übersieht die Tücken und Details.

Ein erstes Problem liegt auf der Hand: Was passiert, wenn man die Reichweite seines Drahtlos-Systems überschreitet, fleißig weiterdiktiert und erst später sieht, dass nichts angekommen ist? Hier ist das neue Speechmike Premium Air von Philips bestens gewappnet, es erkennt von allein den zu großen Abstand und warnt vibrierend.

Eine weitere Tücke können Audioqualität und Latenzzeit sein. Für die Spracherkennung muss das Signal allerhöchsten Ansprüchen genügen, Bluetooth reicht nicht aus. Zudem wird das Mikrofon fortwährend ein- und ausgeschaltet, man diktiert und pausiert, und die Übertragung dieser Tastenbefehle in Echtzeit an den Rechner ist alles andere als trivial. Philips hat deshalb ein eigenes Drahtlos-Funkprotokoll entwickelt, welches das Audiosignal unkomprimiert vom Mikrofon zur Docking-Station schickt. Von dort gelangt es mit einem USB-Kabel zum Rechner. Das Handmikrofon muss also zwingend mit einer Philips-Station gekoppelt werden, man kann die Stationen wechseln, aber es ist nicht möglich, das Mikrofon direkt mit dem Rechner zu verbinden. Der Vorteil dieser Lösung besteht indes darin, dass die Akustik so hochwertig ist wie bei den kabelgebundenen Speechmike-Mikrofonen, und die gehören zu den besten.

Philips spricht von Studioqualität

Wir hatten in der Tat mit der Spracherkennung Dragon Professional von Nuance nicht das geringste Problem. Die Erkennungsrate bleibt hoch, und selbst bei sehr hektischer Betätigung der Tasten oder des Schiebeschalters verhaspelt sich die Software nicht. Das Mikrofon an sich ist exzellent, Philips spricht von Studioqualität und stellt den integrierten Rauschunterdrückungs-Filter heraus. Selbst bei einigem Hintergrundlärm erzielten wir sehr ordentliche Ergebnisse. Wie die kabelgebundenen Modelle hat auch dieses Speechmike einen integrierten Bewegungssensor, der erkennt, wenn das Gerät auf den Tisch gelegt wird.

Das Mikrofon schaltet dann automatisch stumm – und beim erneuten In-die-Hand-nehmen wieder ein. Die Reichweite der Drahtlosverbindung beträgt bis zu fünf Meter, das reicht also für ein großes Arbeitszimmer allemal aus. Der fest im Mikrofon eingebaute Akku soll eine Laufzeit von bis zu 24 Stunden haben. Wir nahmen das Gerät im Büro morgens aus der Docking-Station, und der Akku hielt problemlos einen ganzen Arbeitstag durch. In der Station wird er übrigens induktiv geladen, es gibt keine Fummelei mit Steckern oder Kabeln.

Die Tastenbelegung des Speechmike Premium Air lässt sich mit einer unentgeltlich bereitgestellten Software (Philips Device Control Center) individuell anpassen. Das funktioniert auch mit Dragon bestens. Ferner gibt es einen gesicherten Dragon-Modus, der gänzlich ohne Treiberinstallation und zusätzlicher Software arbeitet. Wie die kabelgebundenen Geschwister ist auch dieses Speechmike in zwei Ausführungen erhältlich: nur mit Tastensteuerung oder zusätzlich mit Schiebeschalter.

Die beiden Modelle kosten 400 und 420 Euro. Der Aufpreis gegenüber dem kabelgebundenen Speechmike Premium Touch für 330 und 350 Euro liegt also bei moderaten 70 Euro. Was uns neben der schnurlosen Freiheit besonders gut gefallen hat, ist der Touch-Sensor über den vier Funktionstasten, der wie ein Touchpad am Computer arbeitet und eine sehr präzise Maussteuerung erlaubt. Der einzige Minuspunkt: Wer das Mikro unterwegs auf Reisen am Notebook betreiben will, muss die Docking-Station mitnehmen. Davon einmal abgesehen, ist das neue Air in der Tat ein Premium-Produkt, das wir empfehlen können.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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