Fujifilm X-H1 ausprobiert

Pfundige Handlichkeit

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 10:21
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Wie dick und schwer darf eine Kamera sein? Die ehrlichste Antwort: Das kommt ganz darauf an. Wenn der Videos drehende und Standbilder schießende digitale Fotoapparat sich mit dem Gütesiegel „Profi“ schmückt, kann es gerne ein bisschen mehr sein. Der Fujifilm X-H1 ist in schöner Einigkeit von den Rezensenten ihr Gewicht von nackt fast anderthalb Pfund vorgehalten worden. Weitgehend unberücksichtigt blieb dabei, was sich als Eindruck herauskristallisiert, wenn man mit Fujis neuem Flaggschiff der X-Serie mal ganze Tage lang hantiert: dass diese nur wie eine Spiegelreflex aussehende, tatsächlich aber spiegellose Systemkamera nicht einfach bloß groß und schwer, sondern eine handliche Wucht ist.

Ziemlich egal, was alles erfunden worden ist, um einen schweren Fotoapparat zu tragen, raffinierte Systemgurte, blitzschnell den Apparat freigebende Futterale und der Assistent, der die schussbereite Kamera einen Moment vor dem entscheidenden Moment anreicht: Die X-H1 liegt mit kleinen und größeren Objektiven geradezu verblüffend gut ausgewogen in der Hand des Fotografen. Zum Halten und auch weitgehend zum Bedienen braucht man nur die eine. Das wird mit dem zusätzlich angeschraubten, die Kamera also noch etwas größer machenden Batteriefach nicht anders, eher ganz im Gegenteil.

Ausprobiert wurde die Kamera zusammen mit dem Batteriegriff VPB-XH1 (Preis für das Set aus Gehäuse, Batteriegriff und zwei Akkus: rund 2200 Euro). Dessen Form und die um neunzig Grad versetzt sich wiederholenden Bedienelemente erleichtern nicht nur den Wechsel ins Hochformat enorm. Die zwei zusätzlichen Energiequellen im Griff machen mehr Bilder – bis zu 900 Aufnahmen, sagt Fuji – als der eine Akku in der Kamera möglich. Es lassen sich auch die Serienbildfrequenz und die Reaktionen der Kamera insgesamt beschleunigen.

Bei 4K-Videodrehs verlängert sich die maximale Aufnahmedauer auf rund 30 Minuten. Zu dem VPB-XH1 wird ein Netzteil mitgeliefert, dass die beiden Zusatzakkus in rund zwei Stunden lädt, dem die Existenz des Akkus in der Kamera aber verborgen zu bleiben scheint. Eine Kopfhörerbuchse macht das Mithören des Tons beim Filmen möglich. Dass diese Buchse nicht in der Kamera sitzt, dass der eine Akku ziemlich flott leergelutscht ist, dass der Batteriegriff Voraussetzung für den beschleunigenden Boost-Modus ist, das sind alles Argumente dafür, die X-H1 gar nicht ohne den VPB-XH1 in Betracht zu ziehen.

Sie ist das erste Modell der X-Baureihen, das eine nach dem Sensor-Shift-Prinzip arbeitende 5-Achsen-Bildstabilisierung im Gehäuse mitbringt. Das ist mit angeblich um ein Viertel größerer Wandstärke (gegenüber der X-T2), rundherum erkennbaren Dichtungen und besonders kratzfester Oberfläche für rauhe Einsätze bis minus 10 Grad Celsius gerüstet. Mit der – Fuji sagt, bis zu 5,5 Lichtwertstufen kompensierenden – Bildstabilisierung arbeitet ein durch ein Federwerk besonders vibrationsarmer Verschluss sozusagen Hand in Hand.

Und der ist, gerade weil man von ihm mit seinem elektronischen ersten Verschlussvorhang so gut wie nichts und mit dem vollständig elektronischen Verschluss überhaupt nichts hört, ein wahrer Genuss an Diskretion. Der weiche Auslöser mit dem sanften Schnappen ist fast ein wenig zu sensibel.

Klar und übersichtlich die wichtigsten Aufnahmeparameter ohne Symbolschnickschnack darstellend, ist das beleuchtbare Schulterdisplay neben dem Zeiten-Rad ein deutliches Plus gegenüber der X-T2. Der elektronische Sucher (3,69 Megapixel, 0,75-fache Vergrößerung, 23 Millimeter Austrittspupille) gefällt mit flüssiger Darstellung von Bewegungen durch superkurze Reaktionszeit und eine hohe Bildwiederholrate (100 Bilder in der Sekunde). Der rückwärtige 3-Zoll-Monitor (1,04 Megapixel) ist berührungsempfindlich, lässt sich schwenken und klappen, aber nicht umdrehen. Der Phasendetektion und Kontrastmessung kombinierende Autofokus in der X-H1, die zwei Speicherkarten-Schlitze und unter anderem einen neuen Bildstil (Filmsimulation Eterna) mitbringt, wurde verbessert. Gegen das kaum zu sehende, aber gelegentlich die Belichtungsmessung verfälschende Flimmern von Kunstlicht lässt sich ein spezieller Modus aktivieren.

Den Sensor im APS-C-Format von 23,6 × 15,8 Millimetern (X-Trans CMOS III, 24,3 Megapixel) kennt man schon aus der X-Pro2. Mit dem X Prozessor Pro liefert er eine Bildqualität, die den Vergleich mit den Ergebnissen von Vollformat-Kameras nicht zu scheuen braucht. Die X-H1 ist der schöne Fall, dass eine Kamera nicht nur der Erscheinung nach ein Profiwerkzeug sein will, sondern diesen Anspruch auch mit ihren Leistungen einlöst.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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