Fünf Weihnachtsgeschenke

Auch noch kein Geschenk gekauft?

Von Marco Dettweiler
 - 10:30
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Die Augen bekommen was auf die Ohren

Falls unter dem Weihnachtsbaum ein neues Fernsehgerät liegt, muss der Weihnachtsmann noch nachlegen. Der Klang von TV-Geräten ist meist mäßig, weil Design und Gehäusearchitektur nicht mehr zulassen. Für ordentlichen Sound im Wohnzimmer sorgen etwa Surroundanlagen. Doch diese machen gerade in Varianten mit sieben Boxen und einem Subwoofer aus dem Wohnzimmer eine Techniklandschaft. Eine Soundbar sieht eleganter aus. Doch die wiederum gefällt manchen nicht, die ihren Fernseher auf einem Sideboard stehen haben. Dafür gibt es zum Beispiel das Soundboard, auch Sounddeck genannt. Es ist tief genug, um das TV-Gerät daraufstellen zu können.

Ein besonders beeindruckendes Exemplar bietet Nubert an. Das Nupro AS-450 wiegt 32 Kilogramm, ist mehr als einen Meter breit und vierzig Zentimeter tief, bis zu 100 Kilogramm Gewicht hält es aus. An der Front sorgen zwei Hochtöner und vier Tief-/Mitteltöner für ordentlich Druck. Unter dem Gehäuse sitzt ein Subwoofer mit einer mächtigen Membran von 27 Zentimeter Durchmesser. Er wird mit einem Verstärker in Schwingung gebracht, der bis zu 300 Watt leistet. Damit ist das Gerät für tiefste Frequenzen gerüstet, ohne dass ein externer Subwoofer in der Ecke steht. Das AS-450 ist aktiv und wird angetrieben von zwei Endstufen mit jeweils 100 Watt für den linken und rechten Kanal. Um die Zahlen beiseitezulassen: Das AS-450 von Nubert ist ein mächtiges Gerät, das bei Filmen ordentlich Krach macht und Musik laut abspielt.

Nubert verzichtet allerdings auf Surroundsound, jegliche Quellen werden in Stereoklang wiedergegeben. Manchem Cineasten mag das zu wenig sein. Wer in Actionfilmen unbedingt Kugeln, Fahrzeuge und Monster neben und hinter sich hören will, wird damit nicht glücklich. Nach wenigen Szenen aus „Matrix“ ist im Hörtest klar: Der Sound kommt halt nur von vorn. Für Fernsehfilm- und Seriengucker reicht dies aber völlig aus. Da kommt es auf die Dialoge an und die bildet das AS-450 sehr gut ab.

Soundbars und -boards mit Surroundsound zeigen dann Schwächen, wenn man mit ihnen Musik hört, so dass im Wohnzimmer für diesen Zweck meist ein paar Boxen mit Verstärker stehen. In diesem Punkt spielt das AS-450 seine Stärken aus. Es macht sich auch als HiFi-Anlage sehr gut. Letztlich hat Nubert zwei Aktivboxen quer gelegt und zusätzlich einen Subwoofer eingebaut. Der Klang entspricht dem der Nupro-Aktivlautsprecherserie, die technische Ausstattung kommt einem Paar der A 600 nahe. Weil wir die A 300 schon einmal ausführlich getestet hatten, sind uns zwei Eigenschaften aufgefallen, die man von dieser Serie nicht kennt. Die Bühne ist etwas schmal. Das liegt wohl an der Bauform, weil normalerweise Boxen leicht nach innen zum Hörer gedreht werden können. Und der Bass ist mitunter recht dominant. Grund dafür könnte der Subwoofer sein, der das tiefe Fundament noch etwas mehr anhebt.

Beim Blick auf die Rückseite vermisst man einen HDMI-Eingang. Nubert begründet den Verzicht mit der technischen Konzeption und der Flexibilität für Anschlüsse der Zukunft. Deswegen ist im Preis von 1335 Euro ein HDMI-Adapter enthalten, der die Signale vom Fernseher zu analogen umwandelt. Für dieses Geld ist das Wohnzimmer erst einmal sehr gut ausgestattet. Filme und Musik während der Feiertage können kommen.

So ein Aufschneider

Der Trend in der Küche, mit einer Maschine alles machen zu können, ist ungebrochen. Neben neumodischem Zeugs wie Multifunktionskochern gibt es Gerätschaften wie Allesschneider. Mit dem Sliced Kitchen S 320 für 180 Euro von Graef haben wir in der Küche geschnitten, was uns in die Quere kam: Äpfel, Zucchini, Paprika, Lauch, Hartkäse, Salami, Baguette und Brötchen.

Das meiste lässt sich nur mit dem Mini-Slice-Aufsatz gut zerlegen. Dieser kostet 40 Euro zusätzlich. Er hat die Form einer schräg angestellten Röhre, in welche die Lebensmittel gesteckt werden, damit sie nach unten rutschen. Der Aufsatz wird dann auf dem Schlitten am Messer vorbeigeführt. Selbst Lauch und Paprika zerfallen in schöne, dünne Scheiben. Für Käse und Wurst genügt der normale Aufsatz. Der Schlitten gleitet sehr leicht, die Schnittgutbreite lässt sich exakt einstellen.

Etwas fehl am Platz ist das transparente Tablett, das unterhalb der Ebene mit Schlitten und Messer geschoben werden soll. Denn das meiste Schnittgut fliegt ein gutes Stück nach vorn und somit an dem Tablett vorbei. Vielschneider sollten ein Gefäß finden, das dicht neben der Maschine plaziert werden kann und etwas höhere Wände hat. Was wir nicht ausprobiert haben, ist das Schinkenmesser. Im Gegensatz zum Wellenschliffmesser hat es eine glatte Struktur, um etwa Carpaccio zu schneiden. Dieses zweite Messer kostet noch mal zirka 25 Euro. Der Wechsel ist nicht kompliziert, aber er ist so aufwendig, dass man zweimal über ihn nachdenkt.

Das gilt auch für den Einsatz überhaupt. Denn eigentlich gehört die Maschine und insbesondere das Messer nach jedem Gebrauch gereinigt. Soll man nun den Allesschneider oder ein gewöhnliches Küchenmesser einsetzen? Die Zeit, die der S 320 dem Koch beim Schnippeln erspart, muss dieser wieder aufwenden, wenn er die Maschine auseinanderbaut und reinigt.

Hauptsache Lesen

Ein gedrucktes Buch hat irgendwann eine Vergangenheit, die Satzgestaltung ist auf die Seitengröße abgestimmt und der Umschlag macht es zu einem Unikat. Weil dies auf digitale Bücher nicht zutrifft, haben wir nie einen E-Book-Reader benutzt. Mit dem neuen Oasis von Amazon für 230 Euro hat sich das etwas geändert. Aus beruflicher Neugierde und Pflichtgefühl hatten wir das Testgerät auf eine mehrtägige Dienstreise mitgenommen.

Wie die meisten E-Book-Reader ist der Oasis standardmäßig mit W-Lan und optional über Mobilfunk verbunden, damit die Titel im Kindle-Shop heruntergeladen werden können. Im Vergleich zu den Vorgängern hat sich in dieser Hinsicht nichts geändert. Gekaufte Bücher werden in einer Bibliothek verwaltet, es können Leselisten angelegt werden und Amazon macht – wie zu erwarten – Vorschläge für weitere Titel.

Wichtige Unterschiede zu Kindle, Paperwhite und Voyage sind das wasserdichte Gehäuse aus Alu und der größere Bildschirm. Dieser ist von sechs auf sieben Zoll gewachsen, was den Lesegenuss steigert. Erstmals lassen sich auf einem E-Book-Reader Bücher in einem dichten Blocksatz ohne Löcher lesen. Die Form des Gehäuses hatte Amazon schon bei der ersten Generation des Oasis geschickt verändert. Auf einer Seite ist der Rand breiter als auf der anderen. Dort finden zwei schmale Knöpfe Platz. Schnellleser können mit einer Minimalbewegung des Daumens bequem blättern. Die entsprechende Gehäuserückseite hat eine Wölbung, die so konzipiert ist, dass sie zugleich als Griff dient. So kann der Leser die 194 Gramm bequem in einer Hand halten.

Der Bildschirm hat weiterhin eine beeindruckende Qualität mit einer Auflösung von 300 ppi. Was auch der Oasis als Eigenschaft dem gedruckten Buch voraus hat, ist der beleuchtete Bildschirm, der sich den Lichtverhältnissen anpasst. Im Lesealltag ist diese Funktionalität nicht so häufig im Einsatz. Während der Lektüre im Bett genügt eine konstante Hintergrundbeleuchtung. Aber wenn man im Flugzeug sitzt und zum Start die Beleuchtung ausgeschaltet wird, ist sie praktisch.

Nach nur wenigen Tagen ist bei uns die Skepsis gegenüber den E-Book-Readern verflogen. Während die langjährigen Nutzer darauf schwören, weil sie in einem Gerät viele Titel speichern können und somit auf Reisen viel Platz sparen, mögen wir als Neuling den Umgang mit dem Gerät. Das Oasis braucht auf dem Tisch auch keine Hand, die es festhält, und keine Post-its, die auf markierte Stellen hinweisen. Die gedruckten Bücher im Regal werden weniger werden.

Zahn um Zahn

Am besten nennen wir den anspruchsvollen Preis von 310 Euro schnell am Anfang und schieben geschwind hinterher, dass die Topprodukte der Konkurrenz ähnlich viel kosten. Und jetzt langsam: Das fehlende Weihnachtsgeschenk könnte diese Zahnbürste sein – oder wie Philips die Sonicare Diamond Clean Smart nennt: „die ultimative Lösung für Ihre Mundgesundheit“. Schon das Auspacken ist ein Ereignis. In einer schwarzen Kiste liegen eine elektrische Zahnbürste, ein Abstellglas mit induktiver Ladefunktion, vier verschiedene Bürstenköpfe, ein Reiseetui mit USB-Schnittstelle und ein antibakterielles Zungenspray. Es fehlt nur noch die App.

Der Ersteinsatz sollte nicht am frühen Morgen oder späten Abend stattfinden. Es braucht etwas Einarbeitungszeit, um zu wissen, was Fortschritt, Ziele und Tools bedeuten. Die App fragt nach persönlichen Zielen, vergibt Punkte und will wissen, ob man nach der Reinigung Zahnseide und Mundspülung benutzt habe oder die Zunge geschabt hätte. Wenn man sich von der Bevormundung frei macht, sieht für Anfänger das Ritual so aus: Man hält das Smartphone in der einen Hand, öffnet die Sonicare-App, nimmt die Zahnbürste in die andere Hand und putzt die Zähne nach Anleitung. Die App unterteilt das Gebiss in zwölf Bereiche, jeder soll eine bestimmte Zeit geputzt werden. Ein Sensor warnt vor zu festem Drücken, ein anderer erkennt, ob der Ablauf korrekt war. Falls nicht, fordert die App zum Nachputzen auf.

Wir gönnen uns immer zwei Runden, also vier Minuten, weil die Bürste mit bis zu 31.000 Bewegungen pro Minute einem das Gefühl vermittelt, dass man nie wieder zum Zahnarzt muss. Das gilt besonders bei „Deep clean +“. Im Vergleich zum Drehmoment von üblichen elektrischen Zahnbürsten ist das ein deutlich spürbarer Unterschied.

Eine scheinbar technische Spielerei sei noch erwähnt. Der Griff wird in ein Glas gestellt, nicht auf eine Basis gesteckt. Dadurch gibt es keine versifften Stellen am Ende des Griffs. Der Akku hält übrigens mehrere Wochen, wenn man sich zweimal am Tag die Zähne putzt. Sollte das zu wenig sein, wird es einem die App schon sagen.

Da hören Sie schon ganz richtig

Dass das Gehör mit dem Alter schlechter wird, ist eine Tatsache, die Musikfreunde akzeptieren müssen. In jungen Jahren können auch anatomische Besonderheiten die Klangwahrnehmung beeinflussen. Wie wäre es, wenn es einen Kopfhörer gäbe, der diese Schwächen ausgleicht? Er könnte einfach die Frequenzen und Töne, die der Träger schlecht hört, etwas anheben und verstärken. Somit würde sich die Musik für ihn so anhören, wie sie der Toningenieur wahrgenommen und abgemischt hat. Da diese meist ein perfektes Gehör haben, müsste der Klang optimal sein. Am besten wäre es, wenn man den Kopfhörer im Laufe der Zeit dem veränderten Gehör anpassen könnte.

So einen Kopfhörer gibt es. Er heißt Aventho Wireless, ist von Beyerdynamic und kostet 450 Euro. Wir haben ihn ausprobiert. Die wichtigen und besonderen Elemente sind die MIY-App auf dem Smartphone und ein Chip in der Muschel des Kopfhörers, der die Ergebnisse speichert und umsetzt. Beyerdynamic hat sich mit Mimi Hearing Technologies einen Partner an Bord geholt, dessen Technik auf empirischen Studien und Erkenntnissen aus mehreren wissenschaftlichen Disziplinen basiert. Beyerdynamic nutzt also keine Einmesstechnik. Kernstück der App ist ein Hörtest: Nach der Installation sucht man sich ein ruhige Ecke, setzt den Aventho auf und beginnt. Der Test erinnert sehr stark an den beim HNO-Arzt. Einzelne Töne werden immer lauter und verschwinden. Solange man sie hört, bleibt der Finger auf dem Button in der App. Nach wenigen Minuten hat die App ein Profil erstellt, das sie an den Kopfhörer überträgt.

Der Unterschied ist deutlich zu hören – auch deshalb, weil sich mit einem Fingertipp der personalisierte Klang an- und ausschalten lässt. Das Ergebnis überrascht nicht. Weil im Alter höhere Frequenzen nicht mehr so gut zu hören sind, wirken die Lieder auf einmal heller, die obereren Frequenzen feiner und die Musik detailreicher. Dennoch verschiebt die Technik, die dahintersteckt, nicht einfach das Frequenzspektrum. Der Bass hat weiterhin die Berechtigung, die ihm zusteht. Es lohnt sich, mit der fünfstufigen Dosierung des Klangprofils zu spielen.

Was Beyerdynamic mit dem Aventho Wireless anbietet, ist Fluch und Segen zugleich. Ein Segen ist der Kopfhörer, wenn er an Weihnachten unter dem Baum liegt und sich der Beschenkte nie wieder einen anderen aufsetzt. Wenn die Technik alles richtig macht, wirkt der Aventho wie ein Jungbrunnen fürs Gehör. Da er sowohl über Klinke angeschlossen werden kann als auch Bluetooth mit dem Codec AptX HD beherrscht, ist die Wahl des Quellgerätes vielfältig. Die Unabhängigkeit ist garantiert, weil das erstellte Hörprofil im Kopfhörer gespeichert ist. Das On-Ear-Format und die Bedienung über die rechte Muschel per Wisch- oder Tippgeste eignen sich gut für die Nutzung mit einem Smartphone oder mobilen Audiospieler.

Ein Fluch wird dieses Produkt, wenn es im Wechsel mit anderen Kopfhörern oder Lautsprechern eingesetzt wird. Dann dürften die Hörgewohnheiten etwas durcheinandergeraten. Klingen dann alle Kopfhörer außer dem Aventho Wireless nur noch schlecht, wenn man weiß, wie es sich anhören könnte, wenn man keine Schwächen hätte? Zur Not könnte man dann das erstellte Profil einfach wieder abschalten.

Quelle: F.A.S.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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