Leistung von Taschenlampen

Es werde Licht!

Von Lukas Weber
 - 13:54

Das passiert schon mal: Der Weg ist bekannt, wieso also Licht anmachen? Das Bad ist nah, der Bettpfosten auch, was dem kleinen Zeh gar nicht gefällt. Abhilfe schafft in solchen Fällen ein Nachtlicht, und wo es fehlt, wirkt für den modernen Menschen gelegentlich das Smartphone erhellend. Für längere Wege taugt es indes nicht. Vor gut einem Jahrhundert war noch die Zeit der Kerze oder des Petroleums in einer Laterne, seitdem bringt bei Bedarf eine Taschenlampe Licht ins Dunkel. Mit frühen Exemplaren haben die modernen nicht viel mehr als das Prinzip gemein. Für alle, die nicht glauben mögen, dass Entwicklung auch in Sprüngen verlaufen kann, kramen wir mal in den Erinnerungen aus der Kindheit. Damals waren Taschenlampen keine großen Leuchten. Hinten eine Batterie, vorn ein Birnchen, um beides eine Blechhülle mit An- und Ausschalter und fertig war die Funzel, ausreichend fürs Lesen unter der Bettdecke. Aber das Ding war schon fokussierbar – kleine oder große Kreise rund um eine dunkle Mitte, die als Donut bekannt ist und auch bei manch modernem Gerät noch stört.

Mit den Jahren wurden die Lampen besser, aber nicht das Licht. Wobei der Begriff Taschenlampe den Fachmann gruselt, der sie lieber Handleuchte nennen möchte. Denn erstens passen viele nicht mehr in die Jackentasche, zweitens sind es Leuchten, also (Glüh-)Lampen in einem Gehäuse, nur hat sich der Name so eingebürgert, deshalb bleiben wir dabei. Wie dem auch sei, seit den Achtzigern beeindruckt schweres Gerät aus Flugzeugaluminium an der Hüfte amerikanischer Cops den Fernsehzuschauer, das offenbar auch dann nicht Schaden nimmt, wenn der Anwender damit auf dem Auto und nicht auf dem Delinquenten herumprügelt. Die Schlaggeräte mit Leuchtfunktion aus dem Hause Maglite sind tatsächlich nicht umzubringen, fünf Exemplare unterschiedlicher Größe hat der Verfasser dieses Textes seit fast vier Jahrzehnten im rüden Gebrauch. Sie sind, obwohl mit drehbarem Kopf zum Fokussieren ausgestattet und offiziell nur spritzwassergeschützt, dank ihrer O-Ringe bis heute wasserdicht.

Abschreckung gegen Angreifer in der Nacht

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Egal, welches Birnchen, das Licht der meisten Taschenlampen blieb lange Zeit schmächtig. Die Revolution kam Ende des vergangenen Jahrhunderts in Gestalt der Leuchtdiode, wobei man sich fragen muss, warum erst so spät jemand die Erleuchtung hatte, sie in Handlampen zu verbauen. Die Ehre gebührt wohl dem damals jungen deutschen Unternehmen Ledlenser, das anschließend einen Aufstieg zum Marktführer in Europa hingelegt hat, andere zogen nach. Petzl aus Frankreich, der Erfinder der Stirnlampe, hat sie sogleich in seine Tikka verbaut. Maglite brauchte lange, aktuelle Modelle sind nun mit LED ausgestattet. Der Siegeszug der Leuchtdiode ist rasch erklärt: Sie ist hell bei niedrigem Stromverbrauch, kompakt und so robust, dass sie im Gegensatz zu den alten Birnchen auch mal einen Sturz auf den Steinboden überlebt. Sie brennt fast ewig, 50.000 Stunden wären rund sechs Jahre, was sich schlecht testen lässt. Markenhersteller geben auf ihre Lampen eine Garantie bis zu sieben Jahre. Wobei die LED gegen Ende ihres Lebens dunkler wird. Dimmen lässt sie sich schon vorher.

Zuvor war der Verfasser dieses Textes der Ansicht, dass man nie genug Licht in der Tasche haben könne, heute weiß er es besser, denn mit der LED wurden die kleinen Lampen zum Blender. Frühe LED ließen sich zwar auch schon dimmen, aber über Widerstände. Statt des Lichts wird dabei Wärme abgegeben, mit diesem Verfahren wird an Batteriekapazität also nichts gespart. Seit ein paar Jahren hat die Elektronik Einzug gehalten und einiges verändert. In den meisten Fällen geschieht jetzt das Dimmen über Pulsweitenmodulation, ein effizientes Verfahren – die Lampe geht an und aus, aber so schnell, dass das menschliche Auge das Flackern nicht sehen kann. Deshalb hält in gedimmtem Zustand die Batterie länger. Und ein paar weitere Vorteile bringt die Elektronik mit sich: So erlaubt sie es zu programmieren – hell in der ersten Stufe und dann dunkler oder umgekehrt; Ruhemodus sowie verschiedene Signalmodi bis zum SOS, und die Helligkeit bleibt lange Zeit gleich, bis der Akku fast leer ist.

Das kann, je nach Größe des Stromspeichers und geforderter Lichtleistung, einige Tage dauern. Viele Modelle zeigen dem Besitzer nun mehr oder weniger genau den Ladezustand. Einige haben Sensoren und passen die Lichtleistung automatisch der Helligkeit in der Umgebung an. Außerdem bieten viele Leuchten einen Stroboskopmodus, schnelles Blinken in die Augen soll in der Nacht Angreifer abschrecken. Im Selbstversuch haben wir mit verschiedenen Modellen festgestellt, dass das möglicherweise funktioniert; wer notfalls mit seiner Lampe zuschlagen möchte, der sollte freilich prüfen, wie er sie dabei in der Hand hält, damit er sich nicht selbst blendet.

Auf Kosten der Hitzeentwicklung

Die Helligkeit ist überhaupt relativ. Entgegen landläufiger Ansicht geben starke LED reichlich Wärme ab, die das Gehäuse aufheizt. Seriöse Anbieter reduzieren deshalb die Leistung nach einiger Zeit automatisch, damit der Anwender sich nicht die Finger verbrennt, die Diode selbst mag die Hitze auch nicht. Was die Lampe insgesamt an Licht abgibt, wird in Lumen (lm) gemessen, die Einheit bezeichnet den Lichtstrom (die Größe Candela beschreibt, was davon in einem bestimmten Winkel ausgesendet wird, in Lux wird die Beleuchtungsstärke auf einer Fläche gemessen). Eine herkömmliche Glühlampe kommt mit 60 Watt Leistungsaufnahme auf etwa 730 lm, eine H7-Lampe im Autoscheinwerfer auf rund 1500. In moderne Taschenlampen sind Hochleistungs-LED eingebaut, häufig jene des amerikanischen Herstellers Cree, die nach Auskunft von Fachleuten zu den besten auf dem Markt gehören. Sie erreichen etwa 100 lm je Watt, aus drei Leuchtdioden von je 10 Watt Leistungsaufnahme wie in der Ledlenser MT 18 strömt dann kurzzeitig so viel Licht wie aus beiden Autoscheinwerfern.

Produziert werden die Taschenlampen selbst überwiegend in China, was der Qualität keinen Abbruch tut, solange es sich um bekannte Marken handelt. So stellt das chinesische Unternehmen Fenix seit Beginn des Jahrhunderts hochwertige Lampen her, die oft in Vergleichtests vordere Plätze belegen. Wer nur gelegentlich mal ein Licht braucht, um im Auto nach einer Ersatzsicherung zu suchen, kommt mit einem Exemplar klar, das der Discounter für wenige Euro anbietet. Wenn es aber ein zuverlässiger Begleiter für draußen sei soll, lohnt ein tieferer Griff in die Tasche, wobei je nach Anforderung gute Qualität schon für mittlere zweistellige Beträge zu haben ist.

Bei der Auswahl der passenden Lampe nur auf die Lumen zu starren ist ein beliebter Fehler. Mancher Anbieter, der keinen guten Ruf zu verlieren hat, strotzt mit Phantasiezahlen, die sich vom Kunden nicht überprüfen lassen, denn wer hat schon eine Ulbricht-Kugel, um die Lumen zu messen? Hohe Werte lassen sich auch auf Kosten der Hitzeentwicklung und damit der Lebensdauer erreichen, außerdem durch die Wahl einer Farbtemperatur, die zwar viele Lumen, aber ein unangenehmes Licht mit sich bringt. Gute LED erreichen einen Farbwiedergabeindex (CRI) von etwa 90, verfälschen also kaum die Farben.

Wie viel Licht wird tatsächlich gebraucht?

Vor allem aber sagt die reine Zahl nicht viel darüber aus, was die Lumenschleuder taugt. Das ist wie bei den Staubsaugern, einer mit 600 Watt kann besser saugen als einer mit 1500 Watt Leistung, wenn das Drumherum intelligent gestaltet ist, während der andere aus seiner Motorleistung nicht viel macht. So kann auch eine Taschenlampe mit 300 lm weiter strahlen als eine andere mit 600 lm, denn mitentscheidend ist die Optik hinter der Lichtquelle. Ledlenser hat sich eine Kombination aus Reflektor und Linse patentieren lassen, die ein Fokussieren vom Breitstrahl bis zum Punktstrahl durch Schieben oder Ziehen beziehungsweise Drehen des Kopfes ermöglicht, ohne dass ein störender Ring oder ein dunkler Fleck in der Mitte entstehen, die Lichtverteilung ist gleichmäßig. Ein ähnliches System bietet auch der Waffenhersteller Walther an.

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Ob man überhaupt einen verstellbaren Lichtkegel haben will, wird unter den Freunden der Taschenlampe kontrovers diskutiert. Tatsächlich hat der feste Reflektor neben der einfachen und daher günstigen Konstruktion einige Vorteile. Die Wärme lässt sich besser abführen, und für starke Leuchten können bei gleichen Abmessungen mehr LED untergebracht werden. Außerdem ist es möglich, sie wasserdicht zu gestalten (IPX8); fokussierbare sind in der Regel spritzwassergeschützt (IPX4), was freilich völlig ausreicht, solange man sie nicht als Taucherlampe braucht. Wir meinen, für alle, die gern selbst bestimmen möchten, wie breit sie leuchten, lohnt der Griff zum variablen Lichtkegel, aber das ist Geschmacksache. Wer diese Frage entschieden hat, kann das Licht von Markenprodukten oft auf Videos im Netz vergleichen, es ist aber zu empfehlen, sich im Ladengeschäft selbst ein Bild der Kandidaten aus der engeren Wahl zu machen – auch um zu spüren, wie das Modell in der Hand liegt.

Wie viel Licht wird tatsächlich gebraucht? Wir halten 10 lm (entspricht etwa einer Kerze) für gerade ausreichend zum Lesen, mit 100 kann man sich gut im Freien orientieren, 300 sind besser, 1000 lm reiner Luxus. Mehr ist nur notwendig, wenn Signale über weite Entfernungen ausgetauscht werden sollen. Lampen für den Alltag mit bis zu 1000 lm sind mit rund 150 Gramm Gewicht und in handlichen Formaten zu haben, die noch in die Tasche passen. Die Leuchtweite ist, wie die Lumen und die Brenndauer, nach dem American National Standards Institute (Ansi) genormt; die Kriterien muss man nicht alle für sinnvoll halten, die Ansi-Daten machen aber die Taschenlampen vergleichbar.

Fester Sitz für Jogger entscheidend

Ein Gehäuse aus Aluminium ist meist stabiler als eines aus Kunststoff, aber auch etwas schwerer und bei Kälte mit bloßen Händen unangenehm. Viele Lampen lassen sich aufstellen und dienen so als Tischbeleuchtung. Eine Überlegung wert ist die Energiequelle: Mit handelsüblichen Batterien, die nicht aufgeladen werden können, wird reichlich Müll produziert. Ein fest eingebauter Lithium-Akku, der mittels Stecker oder USB-Buchse geladen wird, ist erheblich umweltfreundlicher und hält länger, er mag aber keine Tiefentladung. Ein Kompromiss sind Hybride, die mit beidem klarkommen.

Leute, die ihre Hände frei haben möchten, wählen statt der Taschen- eine Stirnlampe. Es gibt sie ebenfalls dimmbar, mit einstellbarem Lichtkegel, Signalfunktion und diversen Aufsätzen für verschiedene Lichtfarben, Rot etwa blendet den Gesprächspartner weniger, wenn der Lampenträger ihn anschaut, Grün sehen Wildtiere nicht gut. Eine verstellbare Neigung halten wir für praxisgerecht, der Mechanismus sollte robust sein.

Wie bei der Handleuchte kommt es auf den Verwendungszweck an: Für Jogger ist der feste Sitz entscheidend, die Stirnlampe muss möglichst leicht sein – wir würden sie nicht viel schwerer als 120 Gramm wählen – und das Gewicht gleichmäßig auf vorn und hinten verteilen oder den Akku am Gürtel haben. Ein rotes Rücklicht ist sinnvoll, eine breite Ausleuchtung vorteilhaft, hohe Leuchtweite wird nicht gebraucht. Radfahrer schätzen dagegen einen kräftigen Kegel bis auf mittlere Entfernung – im Wald, auf der Straße ist das nicht gestattet. Jäger sind bei der Nachsuche verletzten Wildes für eine schwere Ausführung mit viel Licht dankbar, sie hält mit einem zusätzlichen Kopfband besser als nur mit Stirnband. Ob man eine Fokussierbare wählt, ist wiederum eine Grundsatzentscheidung.

Einige der alten Maglite wurden auf LED umgerüstet, das Licht ist weiß und deutlich besser, die Mini Mag hat nun völlig ausreichende 100 lm. Ob sich die Umrüstung lohnt, sei dahingestellt – eine gute neue Taschenlampe ist nicht viel teurer.

Quelle: F.A.Z.
Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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