Tech-Talk

Einfach herzig

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 11:39

Endlich, endlich kommt Licht ins Dunkel. Es ist doch so: Harmlos komisch entwickelt sich ein suchender Griff in die Damenhandtasche allenfalls in amerikanischen Filmkomödien. Da schüttet die sexy Hysterikerin wegen eines verlorenen Tickets den kompletten Inhalt ihrer Overnight-Bag auf den Restauranttisch. Und alle finden das umwerfend lustig.

In der nichtfilmischen Wirklichkeit spitzt sich dagegen die Lage gefährlich zu, sobald die Partnerin in ihrer Handtasche herumtastet. Egal, ob sie nach dem Impfpass des Lieblingskaters wühlt, nach ihrem Wimpernbooster, dem Autoschlüssel oder dem Abhol-Bon der Seidenbluse für den Abend: Der Blick wird kinskimäßig starr, der Wahnsinn hebt sein bleiches Angesicht, und synchron dazu werden Domestiken wie der zitternde Begleiter zum Nachsehen gescheucht: vielleicht am Flurspiegel, unter dem Sofakissen, auf dem Küchenbord? Ein kleines Herz in unschuldig-milchigem Weiß, genauer gesagt die darin leuchtenden Dioden, machen solchem Horror nun ein Ende. Entdeckt wurde das Nothelferlein für einen Zehner an der Kasse des Schreibwarengeschäfts: Jawohl, das interaktive Handtaschenlicht zum Anklipsen oder Aufhängen ist da! Knopfzellen, stromsparende Technik und ein Infrarotsensor, der auf Körperwärme anspricht, machen es möglich. Die Dame greift hinein ins weiblich-finstere Durcheinander, wo das Herzchen innen auf der Seitentasche hockend lauert, und schon wird es Licht – fünfzehn Sekunden lang.

Das Ding, vertrieben von einem Unternehmen für Büroartikel im darmstädtischen Dieburg, funktioniert einwandfrei. Und ja, um auch die Ostfriesenfrage nach dem Lämpchen im Kühlschrank zu erledigen: Das Handtaschenlicht geht wirklich von allein aus. Nur ganz gelegentlich in diesen winterlichen Tagen bleibt es unerleuchtet und fragt stumm: „Wie eiskalt ist dein Händchen?“

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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