Pflege von Gartenmöbeln

Mittel gegen das Grauen

Von Lukas Weber
 - 16:28

Die Sommerferien sind eine schöne Zeit, nicht nur wegen des Urlaubs. Der Gartenbesitzer kann sich ein wenig entspannen, die wichtigsten Arbeiten sind gemacht. Jetzt hockt er sich also hin und will die Füße hochlegen – da fällt sein Blick auf die Sitzgelegenheit. Wie es sich für anständige Naturfreunde gehört, sind Bank, Tisch und Stühle aus Holz. Waren die nicht früher rötlich und von samtig glatter Oberfläche?

Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen sie der Witterung ausgesetzt waren, ist davon nichts übriggeblieben, die rauhe Oberfläche ist silbrig grau mit schwarzen Flecken, und auf ihr sitzen Wespen, die Material für ihr Nest herausnagen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann es sich einfach machen, die Verwitterung als gottgegeben hinnehmen und sie sich als Patina schönreden. Oder in die Hände spucken, nichts wird es in diesem Sommer mit dem Müßiggang.

Keine Frage, Holz braucht gelegentlich etwas Zuwendung. Im Freien dringt Feuchtigkeit in Ritzen und Spalten, das bildet den Nährboden für Fäulnis. Auch der ständige Beschuss mit UV-Licht bekommt der Oberfläche nicht, es zerstört das natürliche Bindemittel Lignin. Früher oder später setzt das Altern ein – egal, ob die Möbel lasiert, lackiert oder geölt sind. Was davon, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Durch feinste Risse im Lack dringt aber gern Feuchtigkeit, die dann nicht mehr richtig abtrocknet, irgendwann platzt er ab. Wir mögen außerdem die natürliche Maserung und den angenehmen Griff des weitgehend naturbelassenen Holzes, also waren unsere geölt. Davon mussten sie bis heute zehren. Dass sie trotz des Alters unter der Last ihres Besitzers noch nicht zusammengebrochen sind, ist dem Baum zu verdanken, der das Material spendete. Er schützt sich mit Stoffen gegen Befall, die für Pilze und Insekten giftig sind. Das gelingt je nach Art mehr oder weniger erfolgreich.

Es muss nicht unbedingt Tropenholz sein

Holz wird in fünf Resistenzklassen eingeordnet, die inzwischen nach DIN EN 350-2 Dauerhaftigkeitsklassen heißen. Demnach ist, wie nicht anders zu erwarten, hartes Tropenholz am widerstandsfähigsten. In die erste Klasse gehört unter anderem das beliebte Teak, während Eiche oder Kastanie nur Klasse zwei erreichen. Die meisten europäischen Nadelhölzer rangieren weit abgeschlagen in den Klassen vier und fünf, sie können aber zum Beispiel durch eine Imprägnierung haltbarer gemacht werden, Douglasie und Lärche schneiden etwas besser ab. Ein seit ein paar Jahrhunderten in Europa eingebürgerter Baum erreicht allerdings fast die Werte der Exoten: Es ist die Robinie, die manche auch falsche Akazie nennen. Das dornige Gewächs entwickelt reichlich natürliches Gift, das es vor dem Vergammeln schützt. Hautkontakt mit frischgeschlagenem Holz kann unangenehm sein, an oberflächenbehandelten Möbeln ist davon nichts mehr zu spüren. Robinie geölt war also, statt eines Tropenholzes, damals erste Wahl.

Aus heutiger Sicht können wir die Haltbarkeit bestätigen. Was wir aber nicht ahnten: Robinienholz neigt dazu, Risse und eine rauhe Oberfläche zu bekommen. Das macht das Vorhaben, den Gartenmöbeln wieder ein frisches Aussehen zu verleihen, nicht gerade leichter. Vor ein paar Jahren kam der Autor dieser Zeilen auf die krude Idee, den Schmutz in den Spalten und die Flechten auf der Oberfläche mit dem Hochdruckreiniger hinwegzuspülen. Das funktioniert sogar, aber der scharfe Strahl greift das Holz an, es wird noch rauher und setzt sich anschließend umso schneller wieder zu.

Jetzt also steht am Anfang das schonende Reinigen mit der Bürste, wobei wir, weil sie gerade zum Testen zur Hand war, auf eine akkubetriebene Bodenbürste von Gloria zurückgegriffen haben. Als Hilfsmittel gibt es im Handel diverse Chemikalien, Wasser und Schmierseife tun es nach unserer Erfahrung auch. Denn anschließend muss nach so vielen Jahren der unterlassenen Hilfeleistung in jedem Fall geschliffen werden – das gilt nicht minder für beschädigte Lasuren und Lackschichten. Mittel der Wahl ist hier Sandpapier in Verbindung mit einem Schleifklotz. Holzstaub greift die Atemwege an, derjenige mancher Arten gilt als giftig, deshalb muss dabei immer ein Mundschutz getragen werden. Am besten macht man die Arbeit im Freien. Wir haben sie uns mit einem elektrischen Multischleifer von Bosch erleichtert, dessen Drehzahl heruntergeregelt werden kann, so dass die Schleifstelle nicht zu heiß wird. Mühsam wird das, wenn der Stuhl wie in unserem Fall aus vielen dünnen Latten besteht, hier ist ein Lamellenvorsatz hilfreich, der indessen in den letzten Winkeln die Finger nicht ersetzen kann. Soweit die Möbel verschraubt sind, kann man sie auseinandernehmen, so lassen sich sonst unzugängliche Stellen leichter behandeln.

Hinsichtlich der Wahl der richtigen Körnung gehen die Meinungen auseinander. Je angegriffener und rauher die Oberfläche, desto gröber soll sie sein. Für das alte Robinienholz erwies sich 80 als die richtige Wahl, für Teak würden wir zu Beginn ein etwas feineres Korn wählen. Sich nun behutsam nach oben zu arbeiten wäre Zeitverschwendung, wir haben für den zweien Durchgang 150 genommen und damit eine recht glatte Oberfläche erreicht. Die dunkle Verfärbung in den tieferen Ritzen bekommt man nicht ganz heraus, sie wird später für eine attraktive Maserung sorgen. Nach dem Schleifen hat das Holz einen hellen Farbton, es sieht aus wie frisch gesägt. Anschließend muss der Schleifstaub abgewaschen werden; durch die Feuchtigkeit stellt sich die Faser auf, Unentwegte schleifen dann noch einmal mit feinem Papier (bis 240) und erzielen so eine nochmals glattere Oberfläche. Wir haben den Staub mit Druckluft weggepustet und fanden das Ergebnis glatt genug.

Generalüberholung: Viel Arbeit und viel Dreck

Denn nun wird ohnehin geölt. Das ist eine rechte Ferkelei, deshalb empfiehlt es sich, eine alte Plane unterzulegen. Der Handel bietet eine unübersehbare Fülle von Holzschutzölen an, die oft pigmentiert sind und so dem Holz nicht nur ein frisches Aussehen, sondern auch etwas Schutz vor UV-Strahlen verleihen. In unserem Fall entpuppte sich einfaches Leinöl, eigentlich gekauft als Zusatz zum Pferdefutter in einem Kanister mit fünf Litern, als die beste Wahl. Bis zum endgültigen Abtrocknen braucht es zwar etwa zwei Tage, so dass man nicht zu früh auf dem Stuhl Platz nehmen sollte, und den Geruch mag nicht jeder. Es verleiht dem Holz aber einen appetitlichen Honigton, füllt kleine Risse und verleiht der Oberfläche eine feine Haptik. Außerdem schützt es die Metallbeschläge vor Rost – eine Eigenschaft, die schon im Mittelalter bekannt war.

Was man nimmt, ist am Ende eine Frage des Geschmacks, und es muss auch nicht für alle Hölzer die gleiche Lösung sein. Was die Hersteller von Reinigern und Lacken immer gern machen, empfehlen wir jetzt auch einmal: Zuvor an unauffälliger Stelle ausprobieren kann nicht schaden. Nach ein paar Tagen werden wir das Ölen wiederholen, und wir nehmen uns vor, in Zukunft nicht mehr so lange mit der Pflege der Gartenmöbel zu warten, weil das insgesamt viel weniger Arbeit macht als die Totalüberholung.

Die Meinungen über den Sinn der Unternehmung sind geteilt. Der Gattin gefällt das Ergebnis, Schleifpapier, Öl und Pinsel gibt es für wenige Euro. Trotz der elektrischen Hilfsmittel waren wir aber vier Stunden mit einem einzigen Stuhl beschäftigt – drei weitere, der Tisch und eine Bank warten noch auf die Behandlung. Was kosten eigentlich neue Gartenmöbel?

Quelle: F.A.S.
Weber_Lukas_Autorenportraits
Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMöbelSommerferien