Fahrbericht Audi RS5

Das Coupé für die schnellen Tage

Von Boris Schmidt
 - 16:00
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Audi war früher, in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mal die Marke für die Männer mit Hut. Die Zeiten sind allerdings lange vorbei. Es wurde viel fürs sportliche Image getan, und aus Ingolstadt und Neckarsulm sowie sechs weiteren Werken werden vorzügliche Autos in die Welt geschickt. Das Coupé RS5 entsteht in Neckarsulm, dem ehemaligen Stammsitz von NSU. Er ist die Speerspitze der 4/5er-Reihe von Audi.

Der A5 wurde unlängst überarbeitet, er kommt jetzt noch schnittiger daher, erst recht als RS5, der stärksten Variante. Hier gibt es nun aus 2,9 Liter Hubraum (V6-Zylinder mit Turbo) 450 PS bei 5800 Umdrehungen in der Minute. Mancher mag dem alten V8 mit 4,2 Liter Hubraum nachtrauern, der ebenfalls 450 PS hatte, aber ein deutlich niedrigeren Drehmoment-Bestwert von 430 Newtonmeter gegenüber den 600 Nm – und das schon ab 1900/min – die der neue RS5 aufbieten kann.

Das Coupé ist ein Angebot für alle, die flott und schick unterwegs sein wollen und dennoch eine gewisse Menge an Auto um sich herum haben wollen. Geboten werden eine 4,67-Meter-Karaosse mit Platz für vier Personen, wobei die Fondpassagiere gelenkig sein müssen für den Ein- und Ausstieg. Schließlich hat so ein Coupé nur zwei Türen. Hinten angekommen, sitzt man überraschend passabel, selbst wenn Mann oder Frau größer als 1,85 Meter sind. Allerdings fühlt man sich ein wenig eingesperrt, die Seitenfenster sind klein und starr.

Fahrer und Beifahrer sind kommod untergebracht

Der Kofferraum ist mit 465 Liter Volumen von mehr als ausreichender Größe, Durchladen ist möglich, so passt auch der frisch erstandene Großbild-Fernseher in den Wagen. Die Starterbatterie ist im Kofferraumboden und sorgt so mit für ausgewogene Gewichtsverhältnisse. Dass Fahrer und Beifahrer kommod untergebracht sind, setzen wir bei einem Auto für 80.900 Euro voraus, die digitalen Audi-Armaturen sind immer noch eine Schau, das mit Alcantara bespannte und unten abgeflachte Lenkrad liegt gut in der Hand. Ums Schalten kümmert sich ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, die Paddles am Lenkrad ließen wir meist ungenutzt. Das Wechseln der Schaltstufen klappt vorzüglich, nur nach dem Kaltstart und bei extrem langsamer Fahrt ruckelt es ein wenig.

Alle RS-Modelle haben Allradantrieb, dementsprechend lässt sich die Kraft prima auf die Straße bringen, und dass es hurtig vorangeht, ist mit 450 PS gewiss. In vier Sekunden kann von 0 auf 100 km/h gespurtet werden. Und sollte eine vierspurige Autobahn mal frei sein, kann man sich auch an den maximal möglichen 280 km/h versuchen, dazu hatten wir indessen keine Gelegenheit. Da der Allradantrieb seine Kraft im Verhältnis 40 zu 60 verteilt, fühlt sich der Audi auf kurvigen Landstraßen etwa wie ein Auto mit Hinterradantrieb an. Was auf der Strecke bleibt, ist der Fahrkomfort. Der RS5 fällt in jedes Loch und schließt Freundschaft mit jedem Gullydeckel, sportliche Fahrer lieben das möglicherweise. Fahrverhalten und die Bremsen sind nicht zu bemängeln, engagierte Sportfahrer berichten aber, dass es für die Rennstrecke talentiertere Autos gibt.

Die Bremsen waren im Testwagen aus Keramik (6000 Euro extra), sie sind gewaltige Stopper, das Knurpseln beim Bremsen in langsamer Fahrt ist indessen gewöhnungsbedürftig. Das gilt in noch größerem Maße für den Benzinverbrauch. Ohne den Wagen extrem belastet zu haben, kamen wir nach 2070 gefahrenen Kilometern auf einen Durchschnitt von 12,1 Liter Super-Plus-Benzin, die Spitze lag bei 12,6 Liter. Der 55-Liter-Tank ist dann etwas knapp.

So hervorragend der Audi auch verarbeitet ist, bei dem hohen Grundpreis gilt es zu beachten, dass auf der Sonderausstattungsliste nicht zu viele Häkchen gemacht werden. Unser Wagen hatte einen Endpreis von 119.380 Euro, es waren somit Extras für fast 40 000 Euro verbaut. Die teuersten davon waren neben den Bremsen das RS-Dynamikpaket für 5900 Euro, das Optikpaket Carbon (4550 Euro), das nicht das Carbondach umfasst (3500 Euro) und auch nicht die Außenspiegelgehäuse in Carbon (1200 Euro) sowie die „Aluminium-Vollfräsräder“ für 3000 Euro. Und die „MMI-Navigation mit MMI touch“ gilt es auch noch zu bezahlen: 2570 Euro werden dafür verlangt. Das ist viel Geld für ein zweifelsohne schönes Coupé. Ein extravaganter Geschmack war schon immer etwas teurer.

Quelle: F.A.Z.
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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