Beleuchtung fürs Fahrrad

Blendende Aussichten

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 16:16
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Radler haben es wirklich nicht leicht –, vor allem nicht mit der Beleuchtung. Dass sie alle grundsätzlich im Dunkeln ohne Licht unterwegs seien, ist natürlich völliger Unsinn. Dieses hartnäckig wiederholte Pauschalurteil hat noch nie gestimmt – und es stimmt zusehends immer weniger: Ein gut zu beobachtendes Beispiel dafür, und das nicht nur am Elektrorad, ist das Tagfahrlicht. Es wird allgemein häufiger mit Licht geradelt. Dafür gibt es technische Gründe, aber auch rechtliche. Die Vorschriften haben sich im Sommer gerade mal wieder – ein wenig – geändert. Und auf den Fahrradmessen wurden gleichzeitig innovative Leuchten präsentiert, die uns von der kommenden Saison an ein Licht aufstecken wollen. Dass sie auf einhellige Zustimmung stoßen werden, steht nicht zu erwarten.

Zweiradfahrer, schmal und schnell, wie sie nun mal sind, lassen sich generell im Verkehrsgeschehen leicht übersehen. Wer als Fahrradfahrer aus Ignoranz oder Gleichgültigkeit auf alle vorgeschriebene Lichttechnik wie Scheinwerfer, Rückleuchten und Reflektoren verzichtet, wird schon in der Dämmerung und erst recht bei Dunkelheit zum Schreckgespenst für andere Verkehrsteilnehmer vom Fußgänger bis zum Trucker – andere Radfahrer eingeschlossen.

Im günstigsten Fall werden solche unbelehrbaren Unbeleuchteten beschimpft oder angehupt. Nicht selten aber sind die Folgen fatal für den jeweilig Schwächeren einer Begegnung der finsteren Art. Sehr häufig trifft es den Dunkelmann selbst (es gibt selbstverständlich auch Dunkelfrauen). Doch keineswegs immer wird der Lenker des unbeleuchteten Fahrrads als Täter durch Unterlassung auch zugleich zum Opfer.

Vernünftigerweise zieht man aus diesem Gefährdungspotential die Konsequenzen und installiert eine Beleuchtungsanlage nach dem Stand der Technik – und der deutschen Vorschriften – an seinem Fahrrad. Wer das tut, hat sich dennoch immer öfter eher Unfreundliches anzuhören. Dabei geht es meistens darum, dass andere – Fußgänger mit und ohne Hund, entgegenkommende Radler mit und ohne Kindertross, aber auch Autofahrer – sich geblendet fühlen. Früher zu dunkel, jetzt zu hell, wie kann das sein?

Manches Mal sind die Beschwerden schlicht substanzlos: Es gibt keinen Grund, warum Fahrradscheinwerfer nur trübe Funzeln sein dürften – auch wenn sie das jahrzehntelang waren. Wenn ein Sechszylinder blauweiß-kaltes Licht auf die Straße werfen darf, warum sollte das ein Fahrrad nicht auch dürfen – korrekte Einstellung mal vorausgesetzt. Der Radler kann sich aber durchaus fragen: Brauche ich ständig 80 Lux oder noch mehr, wenn ich eigentlich nie in völliger Dunkelheit, weil meistens in der Stadt unterwegs bin. Nachts über Land mit dem Fahrrad zu fahren ist etwas ganz anderes. Wo nicht mal in der Ferne eine Straßenlaterne und auch kein Mond leuchtet, ist man für eine Flutlichtanlage wie die in Anbetracht von 150 Lux verblüffend zierliche Akku-Leuchte Ixon Space von Busch und Müller am Lenker zutiefst dankbar. Unmittelbar vor dem Vorderrad im Nahbereich beginnend wird die Fahrbahn in einem flachen Rechteck ausgeleuchtet, das eine scharf ausgebildete Oberkante hat. Diese genau definierte Hell-Dunkel-Grenze verhindert Blendung.

Als wahrhaft seinen Namen verdienender Scheinwerfer, der nebenbei auch als Powerbank dem schwächelnden Smartphone mit Energie aushelfen kann und der mit rund 200 Euro nicht eben billig ist, hat die Ixon Space noch eine Besonderheit: Wie bei manchen anderen Frontleuchten – beliebig herausgegriffene Beispiele wären etwa die in der Spitze allerdings nicht so leistungsstarken LS 950 von Trelock oder die Vancouver von Büchel – lässt sich die Leuchtstärke in mehreren Stufen regeln. Diese Funktion wird dem Kunden meist nahegebracht als Möglichkeit, eine längere Leuchtdauer zu erzielen. Aber wenn ich in der Stadt mit meiner Beleuchtung hauptsächlich nur gesehen werden will und das Licht nicht brauche, um zu erkennen, wo ich hinfahre, warum sollte ich dann den Scheinwerfer voll aufdrehen? Da ist also der Benutzer und sein vernünftiger Umgang mit der Leistungsstärke seiner Beleuchtung gefordert.

Fernlicht am Fahrrad ist nun erlaubt

Wer schon heute die Fahrradbeleuchtung als zu hell empfindet – das ist tatsächlich nicht selten eine von der Person und auch der körperlichen Verfassung abhängige Einschätzung –, wird die rechtlichen Neuerungen nicht gern hören: Fernlicht am Fahrrad ist nun erlaubt, zwei Scheinwerfer statt nur einer sind zulässig, Rückleuchten mit Bremslicht-Funktion übrigens auch. Und seine abnehmbare Akku-/Batterie-Beleuchtung, die an allen Fahrrädern sein darf, muss man nur noch dann bei sich haben, wenn man sie braucht, also nicht auf der mittäglichen Spritztour im Sommer.

Dass in Mengen und vor allem im Internet billige Fahrradbeleuchtungen angeboten und verkauft werden, die in Deutschland nicht zulässig waren und nicht sind, steht auf einem anderen Blatt. Bei diesen gibt es häufig kein definiertes Leuchtbild mit klarer Begrenzung und Blendschutz. Der nebenan abgebildete Doppelscheinwerfer aus China zum Beispiel bietet folgende Möglichkeiten: Eine überbreite Streuung des Lichts der einen Lampe und neunzig Grad dazu versetzt eine schmale, aber mehrere Meter hohe der zweiten. Beides lässt sich einzeln schalten, aber auch miteinander kombinieren.

In diesem Fall hat man vor sich eine Art von Lichtwolke, die eine Straße auf voller Breite mit 80 Lux ausleuchtet und in der Höhe über den ersten Stock der Häuser am Straßenrand hinausreicht. Wer sich entgegenkommend von dieser Lichtorgie geblendet fühlt, hat natürlich völlig recht. Nicht genug damit, dieses Licht kann auch noch auf- und abschwellend pulsieren, was zwar abgesehen von Energieersparnis kaum einen praktischen Vorteil für den Benutzer bringt, aber sicher für andere eindrucksvoll befremdlich aussieht. Das Ärgernis ist, dass solche Beleuchtungen gehandelt werden dürfen, dass man sie für deutlich weniger Geld als zulässige Leuchten kaufen kann und bei der Benutzung kaum Gefahr läuft, dass sie beanstandet werden.

Ehrlicherweise muss anerkannt werden, dass auch ein zugelassener Fahrradscheinwerfer vom deutschen Markenhersteller blenden kann. Das ist eigentlich, wie ja übrigens auch beim Autolicht, mit jeder schlecht eingestellten Fahrradbeleuchtung so. Vor allem ist es jedoch bei den abnehmbaren Akkuleuchten der Fall, wenn deren Befestigung nichts taugt. Es sind das vielfach die Beleuchtungen, die nachgerüstet werden, beispielsweise um ein Mountainbike im Verkehr fahren zu können.

Von den allgegenwärtigen Gummistrapsen, so praktisch werkzeuglos mit ihnen die Leuchten zu montieren sein mögen, sollte die Industrie Abschied nehmen. Sie garantieren keinen dauerhaft korrekten Sitz des Scheinwerfers. Leider sind stabile Befestigungen aber immer noch die Ausnahme. In diesem Jahr ist ein neuer Ansatz von den Herstellern SKS, Fidlock und Supernova zusammen mit der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG unter dem Namen Monkey Link lanciert worden.

Die Idee: Fahrradhersteller versehen ihre Räder mit den magnetisch geführten, aber mechanisch haltenden Kupplungen einer offenen Schnittstelle, die jeder verbauen darf. An die Kupplungen werden Scheinwerfer und Rücklicht, aber auch Schutzbleche oder Flaschenhalter einfach angeklickt und genauso einfach abgenommen. Die Elektrik bedient sich beim Pedelec aus dem Akku, es gibt aber auch Zubehör mit eigener Stromversorgung. Es sollen Leuchten mit 50, 70 und 100 Lux zur Wahl stehen. Für den korrekten Sitz des abnehmbaren Scheinwerfers sorgt die ab Werk richtig eingestellte Kupplung.

Die Verbotenen

Wer, nur auf den günstigsten Preis schielend, seine (Batterie-) Fahrradbeleuchtung im Internet kauft, kann Überraschungen erleben. Erste Feststellung: Der Versicherung, die Leuchten entsprächen den deutschen Vorschriften (“StVZO-konform“), ist nicht immer zu trauen. Wenn in der Produktbeschreibung steht, dass ein Rücklicht blinken und der Frontscheinwerfer pulsieren kann, ist der Fall vergleichsweise einfach: Das kann nicht zulässig sein. Manchmal wird aber auch behauptet, der Hersteller oder Anbieter beachte alle deutschen Vorschriften. Rote und blaue Blitze vom Rücklicht? Was vielleicht als Sondersignal an einem Fahrzeug des Secret Service durchgeht und sich genauso vorn wie hinten montieren lässt, kostet zwar nicht die Welt, gehört aber natürlich nicht ans deutsche Fahrrad. Gelegentlich bekommt der Kunde auch nette Post. Da meldet sich etwa eine Emily vom „Cycling Verkäuferservice“, bedankt sich artig für den Kauf und bittet um Kontaktaufnahme: „Ich werde Ihnen Rabatt geben.“ Wer einer im Beipackzettel erwähnten Telefonnummer nachgeht, landet in irgendeiner chinesischen Industriezone und witzigerweise bei einem Unternehmen, das Laminatböden offeriert. Die Fahrradlampen sind wohl nur eins von vielen Produkten einer weitverzweigten Kunststoff-Fertigung. Sich davon überzeugen, dass eine Beleuchtung, mag sie im Fernsten Osten für einen chinesischen Anbieter oder auch für einen europäischen gefertigt worden sein, tatsächlich StVZO-konform ist, kann man leicht. Nicht die häufig vorhandene CE-Kennzeichnung schafft Klarheit. Entscheidend ist eine kleine Wellenlinie, meist eingeprägt, und eine mit dem Buchstaben K versehene Prüfnummer. Die zählt mehr als die in mehr als einer Hinsicht falsche Behauptung „The product comply with German StVZO“. py.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Pardey, Hans-Heinrich (hp./py.)
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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