Concept 9 Cento von BMW

Fährt in die Verlängerung

Von Boris Schmidt
 - 21:17

Der Concorso d’Eleganza in der Villa D’Este am Comer See gehört zu den Höhepunkten des Autojahres. Seit 1999 ist BMW Classic dort engagiert, zunächst als Schirmherr, dann als Veranstalter. Obwohl es eigentlich nur um alte und schöne Autos geht, sucht BMW mit Bedacht auch den Schulterschluss zur Gegenwart, gutes Design ist schließlich zeitlos und beschränkt sich nicht aufs Automobil. Seit sieben Jahren haben auch klassische Motorräder ihre Heimat beim Concorso, und BMW bringt gern Studien mit, die zeigen sollen, was die Zukunft bringen kann.

Dieses Jahr überrascht BMW Motorrad mit der Studie namens Concept 9 Cento, die nach Angaben von Designer Edgar Heinrich das Beste aus den Segmenten Sport, Adventure und Tourer vereinen soll „in einer Klasse, in der es das bisher von BMW nicht gab“. Heinrich spricht von einem modernen Alleskönner, um das Motorradfahren in allen Facetten zu erleben. Der Motor ist ein Zweizylinder mit 850 Kubik, er steht jedoch nicht so im Vordergrund, es geht in erster Linie um das Aussehen, das Fahrwerk und den Leichtbau. Um 200 Kilogramm wiegt die fahrfertige 9 Cento. Der Clou ist eine Art Sitzverlängerung, die das Motorrad vom stylischen Einsitzer zum doppelsitzigen Tourer macht. Dazu gibt es in dem per Magnet gehaltenen Zusatz-Heck auch noch etwas Stauraum. Das Einklinken ist recht einfach, gelöst werden muss das Heck per elektrischem Befehl.

Angeblich soll das Serienprodukt schon quasi fertig sein. Zwar hat die Studie keine Rücklichter und auch keinen Kennzeichenhalter, in der Beschreibung der 9 Cento werden aber eigens die LED-Heckleuchten erwähnt.

Im Großen und Ganzen bleibt die Studie dennoch konventionell, was nicht heißt, dass bei BMW Motorrad nicht intensiv an neuen Techniken gearbeitet werde. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Entwicklungschef Karl Viktor Schaller freilich, Motorräder von BMW hätten auch in Zukunft zwei Räder, was er in Anspielung auf die dreirädrige Yamaha Niken eigens betonte. Solche Konzepte seien immer mal wieder geprüft und stets verworfen worden. Aber im autonomen Fahren und mit dem elektrischen Antrieb sieht er BMW auch aufgrund der Leistungen der Auto-Kollegen weit vorn. Zwar sei autonomes Fahren für ein Motorrad ein Widerspruch in sich, doch man könne alles, was im Auto technisch möglich sei, auf das Zweirad übertragen. „Wir werden das Motorradfahren viel sicherer machen,“ verspricht Schaller und will dabei den Fahrer nicht entmündigen.

Das zweite große Automobil-Thema, die Elektromobilität, sieht Schaller beim Motorrad nicht so sehr im Vordergrund. „Es wird nie eine elektrische GS geben.“ Längere Touren seien einfach nicht sinnvoll möglich, aufgrund geringer Akku-Kapazitäten und der Ladeproblematik. Im Stadtverkehr sehe das natürlich anders aus. Gäbe es eine Wiederauflage des C1-Rollers, wäre die gewiss elektrisch. Der große elektrische Maxi-Scooter, den BMW im Programm hat, sei zwar ein wunderbares Fahrzeug, mit einem Basispreis von 15 000 Euro könne man aber nicht auf hohe Stückzahlen kommen. BMW baut von dem 35-kW-Roller nur 1200 Stück im Jahr, allein 800 davon gehen nach Paris, nur 200 werden in Deutschland verkauft.

Quelle: F.A.Z.
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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