Probefahrt BMW M5

Die Limousine, die ein Sportwagen ist

Von Boris Schmidt
 - 10:41
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Seit 1985 ist der M5 das Maß der Dinge in der so wichtigen BMW-5er-Baureihe. Schon vor 32 Jahren war der M5 ein Sportler im gepflegten Maßanzug, der auf dem Nürburgring so viel taugte wie auf der Fahrt zum Geschäftstermin oder in den Urlaub. Jetzt hat BMW die sechste Generation des Business-Class-Sportlers aufgelegt und ihn so auf Fitness getrimmt wie nie zuvor.

Erstmals gibt es Allradantrieb, die Leistung des 4,4-Liter-V8-Motors mit Doppelturbo steigt auf 600 PS und das maximale Drehmoment auf 750 Newtonmeter. Das liegt schon bei 1800 Umdrehungen in der Minute an und bleibt bis 5000/min gleich. So gewappnet, kann der neue M5 in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten und passiert nach 11,1 Sekunden die 200 km/h. Um die Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h auskosten zu können, müssen freilich 2450 Euro extra bezahlt werden, inklusive eines Fahrertrainings. Sonst bleibt der Vorwärtsdrang auf 250 km/h limitiert.

Ums Schalten muss sich der Fahrer nicht kümmern, aber er kann. Die Achtgangautomatik lässt sich sequentiellmanuell bedienen, entweder über die Paddles am Lenkrad oder am Wahlhebel auf der Mittelkonsole. Selbstverständlich kann die Charakteristik des Getriebes individuell verändert werden. Das gilt auch für das Fahrwerk, die Lenkung, den Allradantrieb und die Motorabstimmung. Am Lenkrad sitzen zwei Tasten (M1 und M2), mit der sich zwei frei einstellbare Abstimmungen abspeichern lassen. Der neue Allradantrieb ist voll variabel, ein zentrales Verteilergetriebe reguliert die Kraft nach Bedarf mit Hilfe einer Lamellenkupplung. Das Hinterachs-Differential ist ebenfalls voll variabel und zu 100 Prozent sperrbar. Man kann sich aber auch einfach in den M5 setzen und die Brötchen holen. Der für den Stadtverkehr angegebene Verbrauch von 14,5 Liter Super-Plus-Benzin auf 100 Kilometer dürfte einem Alltagswert recht nahe kommen, der offizielle Normwert liegt freilich bei nur 10,5 Liter.

Die Karosserie des M5 wurde gegenüber dem Basis-5er im Hinblick auf die fahrdynamischen Anforderungen überarbeitet. Neu gestaltet wurden die vorderen Seitenwände und die Verkleidung des Frontstoßfängers mit größeren Öffnungen für die Luftzufuhr zu den Kühlsystemen und Bremsen. Ebenfalls neu ist der Heckdiffusor.

Wie erste Probefahrten zeigten, ist der M5 keineswegs zu hart gefedert, in der Fahrwerkstellung Comfort lässt es sich gut leben. Der 530-Liter-Kofferraum taugt für die große Reise, sein Deckel schließt elektrisch, Durchladen ist möglich. Der 4,97 Meter lange M5 hat seine praktischen Seiten. Er beherrscht eben Alltag und Rennstrecke. Dort erweist sich der 1,8 Tonnen schwere Wagen, der trotz Allradtechnik im Vergleich mit dem alten M5 fünfzehn Kilogramm weniger wiegt, als wahrer Könner seines Fachs, relativiert freilich durch das hohe Gewicht. Genug Kraft hat der Motor auf alle Fälle, und das Handling macht viel Freude. Schon in der Grundeinstellung inklusive Stabilitätskontrolle und Allrad lassen die Systeme an den Hinterrädern leichten Schlupf beim Beschleunigen aus Kurven zu. Im Dynamic-Modus sind leichte Drifts möglich, und letztlich lassen sich die Stabilitätskontrolle und sogar der Allradantrieb komplett abschalten. Mit reinem Hinterradantrieb lassen sich die Driftwinkel frei wählen und die pure Fahrdynamik erleben.

Es darf freilich kein Anfänger am Volant sitzen, sonst endet die Freude an der Dynamik im Kiesbett oder im Reifenstapel. Auf dem Spiel steht ein Grundpreis von 117 900 Euro. Die exklusive First Edition, die noch mal 19 500 Euro teurer war und auf 400 Einheiten begrenzt, ist schon ausverkauft, verkündet BMW.

Der Käufer nimmt eine gut ausgestattete Limousine entgegen, die Sonderausstattungsliste ist kürzer als üblich, aber schon noch vorhanden. Karbonbremsen kosten 8800 Euro, das Karbondach lässt sich ohne Aufpreis gegen ein Glasdach tauschen. Für die in der Klasse üblichen Assistenten wie aktiver Tempomat mit Staufunktion, Verkehrszeichenanzeige, Spurhaltehilfe und einiges mehr sind 1710 Euro Aufpreis zu zahlen. In den Handel kommt der M5 im Frühjahr 2018, die Produktion im bayrischen Dingolfing ist schon angelaufen.

Quelle: F.A.Z.
Boris Schmidt  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Frank Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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