Der neue Q8

Audi setzt noch einen drauf

Von Boris Schmidt
 - 14:00
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Audi stellt heute in China sein neues Topmodell Q8 vor. Er wird den riesigen Q7 nicht ersetzen, sondern die Produktpalette nach oben abrunden. Das sehr expressive SUV entspricht fast vollständig der Q8-Studie, die 2017 in Detroit im Januar vorgestellt worden war. Auf den Markt kommt das SUV in diesem Juli, Preise wurden noch keine genannt. Sie dürften deutlich über dem Q7-Basispreis liegen, der sich auf 61.700 Euro beläuft. Im Vergleich mit dem Q8 ist der Q7 vom Design her ein Langweiler, der ist einfach nur groß. Dagegen zitiert der Q8 mit seinem breiten Leuchtenband am Heck und den ausgestellten Kotflügeln den allerersten Audi Quattro aus den 1980er Jahren und macht auch sonst nicht auf dünne Jacke.

Der Q8 – der freilich auf dem Q7 beruht und zusammen mit ihm sowie dem gleichfalls neuen VW Touareg und dem Porsche Cayenne auf einem Band in Bratislava gebaut wird – hat das wesentlich schnittigere Kleid, ist mit einer Länge von 4,99 Meter einige Zentimeter kürzer und mit 1,71 Meter Höhe deutlich niedriger. Die Türen sind tailliert, die Seitenfenster haben keine Rahmen. Audi versteht das SUV als eine Art Coupé und positioniert ihn gegen den BMW X6 und das Mercedes-Benz GLE Coupé.

Ein Radstand von exakt drei Metern sorgt für fürstliche Platzverhältnisse im Innenraum, was der Autor nach einer ersten Sitzprobe nur unterstreichen kann. Auch mit der Kopffreiheit gibt es trotz des nach hinten abfallenden Dachs keine Probleme. Die Rückbank lässt sich um zehn Zentimeter verschieben, um im Laderaum noch mehr Platz zu schaffen. Dort ist Platz für mindestens zwei Golfbags (rechnerisch 605 Liter Volumen), maximal sind es sogar 1755 Liter. Eine optionale dritte Sitzreihe wie beim Q7 gibt es aber nicht. Die Heckklappe öffnet elektrisch.

Das Technik-Portfolio des Q8 bietet alles, was Audi momentan in den Regalen und auf den Festplatten hat. Bis zu 39 Assistenzsysteme sind möglich, inklusive Nachtsichtsystem und Anhänger-Assistent. So verliere das Rückwärtsfahren seinen Schrecken. Das Bedienkonzept kommt fast ohne Tasten und Regler aus, über zwei große, hochauflösende Touch-Displays – 10,1 und 8,6 Zoll – werden Infotainment, Navigation, Klimatisierung und Komfortfunktionen gesteuert. Natürlich versteht der Q8 dank seiner intelligenten Sprachsteuerung auch Sätze wie „Ich habe Hunger“ oder „Ich will nach Berlin“. Angezeigt werden dann Restaurants in der Nähe oder eben die Route nach Berlin. Auf dem unteren Display kann man aber auch „Berlin“ als Wort mit dem Finger schreiben.

Und auch die Hardware kann sich sehen lassen. Die Karosserie ist zu weiten Teilen aus Aluminium, nur die Motorhaube ist aus Stahl, was mit der Crash-Sicherheit und dem Fußgängerschutz zu tun hat. Alle Q8 haben Allradantrieb (quattro), Luftfederung ist ebenso eine Option wie eine Allradlenkung, die beim Einparken die Hinterräder um bis zu fünf Grad gegenläufig einschlagen kann. Bei hohen Geschwindigkeiten lenkt sie um bis zu 2,5 Grad gleichsinnig, was die Spurstabilität erhöht.

Übertragen wird die Motorkraft mit einer Achtgang-Automatik, zum Marktstart ist nur ein Motor im Angebot: ein 3,0-Liter-V6-Diesel mit 286 PS und einem maximalen Drehmoment von 600 Newtonmeter. 2019 folgen als weitere Optionen eine schwächerer Variante des Diesels (231 PS) und ein 3,0-Liter-V6-Benziner mit 340 PS.

Alle Triebwerke haben ein 48-Volt-Bordnetz und eine kleine, unterstützende Lithium-Ionen-Batterie im Wagenheck nebst Riemen-Starter-Generator (Mild Hybrid). So können beim Verzögern bis zu 12 kW Leistung zurückgewonnen werden, Start-Stopp schaltet den Motor schon aus, wenn der Wagen mit weniger als 22 km/h auf die rote Ampel zurollt. Zwischen 55 und 160 km/h kann der Q8 „segeln“, also mit abgeschaltetem Motor rollen. Das spare bis zu 0,7 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer, sagt Audi.

Was im Portfolio noch fehlt, ist ein Plug-in-Hybrid. Ob es den Q8 als Teilzeit-Stromer geben werde, sei noch offen, heißt es bei Audi. Den gleichfalls neuen Touareg wird es zumindest in China als Plug-in-Hybrid geben.

Quelle: F.A.Z.
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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