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Diesel-Nachrüstung

Der ADAC bringt den Verkehrsminister auf die Palme

Von Holger Appel
 - 16:02

Es ist eine groteske Situation, die nun auch noch der Autoclub ADAC befeuert: Die Besitzer älterer Dieselfahrzeuge glauben, es gebe Hardware-Nachrüstsätze zur Verbesserung der Abgasemissionen. Und dass diese im Serieneinsatz funktionierten. Tatsächlich gibt es bislang keine mit Serienzulassung, und die, die erprobt werden, bereiten Schwierigkeiten.

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat im Rahmen eines Förderprojekts den ADAC beauftragt, die Hardware-Nachrüstung an vier Dieselmodellen der Schadstoffklasse Euro 5 zu testen. Das sind Opel Astra, Mercedes B-Klasse, VW Multivan und Fiat Ducato. Der Test umfasst 50.000 Kilometer zwischen August 2018 und Januar 2019. Der Bauteilelieferant für den Mercedes ist schon wieder ausgestiegen.

Einiges erwähnt der ADAC nur nachrangig

Für die übrigen drei Fahrzeuge legt der ADAC nun nach 10.000 Kilometern eine Zwischenbilanz vor, in der es heißt, die durch den Umbau erzielten Reduktionsraten von Stickoxid (NOx) betrügen 60 bis 80 Prozent, damit würde der von der Bundesregierung festgelegte Schwellenwert von 270 mg/km im Realbetrieb unterschritten. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Die Grünen) folgert: „Hardware-Nachrüstung funktioniert“.

Was der ADAC nachrangig erwähnt: In der bevorstehenden kühleren Jahreszeit werden die Emissionen ansteigen, weil das SCR-Reinigungssystem erst warmlaufen muss. Der Opel ist wegen eines von dem Umbau verursachten Kühlwasserverlusts liegengeblieben. Im Fiat ist das nachträglich eingebaute System ausgefallen, beide Wagen musste repariert werden. Was Kundschaft und Umweltverbände sagen würden, träten diese Pannen im Alltag auf, dazu äußert sich der ADAC nicht. Und auch nicht zum einhergehenden Mehrverbrauch, was wiederum das von der CSU geführte und Nachrüstung skeptisch gegenüberstehende Bundesverkehrsministerium auf die Palme bringt.

Dort weist man darauf hin, dass der VW 4 Prozent und der Opel 17 Prozent mehr Diesel verbrannten, mithin entsprechend mehr CO2 ausstießen. Durchschnittlich 10 Prozent betrage der Mehrverbrauch. Auffällig sei zudem, dass der ADAC keine Werte unter realen Straßenbedingungen nach 10.000 Kilometern angebe, sondern nur vor dem Alltagstest ermittelte. Die Ausfälle der Nachrüstsysteme im Prototypenstatus zeigten überdies, dass deren Serienreife nicht erreicht sei.

Freilich muss sich darüber eigentlich noch niemand wirklich Gedanken machen, denn die Systeme müssen nach der Anmeldung beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) erst mehrmonatige Tests durchlaufen, bis sie genehmigt werden. Doch dazu kommt es vorerst nicht, denn, wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer der FAZ.NET auf Anfrage sagt: „Bislang ist beim KBA kein Antrag auf Genehmigung nachrüstbarer Bauteile eingegangen“.

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Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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