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Neues rund ums Elektrorad

Mehr Antrieb dank Reibrolle und Reservetank

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 08:53
Da steckt das Ding: Akkupack Range Extender Bild: www.heganbikes.com, F.A.Z.

Man sollte meinen, wir hätten allmählich genug – verschiedene Elektroantriebe für Fahrräder nämlich. Aber offenbar wird die weitere Entwicklung des Marktes so günstig eingeschätzt, dass immer noch neue Anbieter sich ausrechnen, ein Stück lohnender Größe von dem Kuchen ergattern zu können. Das macht den Überblick nicht leichter, denn neben etablierten Anbietern wie Bosch, Panasonic, Yamaha, Brose, Shimano, Trans X oder Bafang tauchen neue Namen und andere technische Konzepte auf. Das Angebot beginnt etwa mit einer Wiederkehr der elektrisch angetriebenen Reibrolle, die aufs Hinterrad wirkt, wie bei Rubbee. Der eher unter die Kuriositäten zu zählende Antrieb kommt aus Großbritannien und verspricht „Makes any Bike electric“.

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Das Paket mit dem praktischen Handgriff sieht aus wie ein Akkustaubsauger mit Bremslicht und wird an die Sattelstütze geflanscht. Der Akku hat 95 Wattstunden. Mit einem drahtlos arbeitenden Trittfrequenz-Sensor wird das beim Bremsen rekuperierende Motörchen vom Smartphone aus gesteuert. Was es tut, wenn es nicht nur bis 25, sondern bis 45 km/h für Vortrieb sorgt, mag man sich gar nicht vorstellen.

Wichtiger als alle besseren Basteleien für den nachrüstenden Heimwerker sind fraglos umfangreiche System-Lösungen, die nicht dem Endkunden, sondern den Fahrradherstellern zum Verbauen angeboten werden. Vorgestellt werden diese Neuheiten häufig von Unternehmen, die man kaum in der Fahrradwelt, wohl aber als Zulieferer der Automobilindustrie gut kennt. Marquardt befeuert nicht nur den elektrischen Tretroller von BMW, sondern mischt bei etlichen E-Bike-Marken mit Displays und weniger puristischen Bedienungs-Satelliten mit, etwa für Brose-Antriebe. Continental, bislang vorwiegend als Reifenhersteller wahrgenommen, bringt zusammen mit der E-Bike-Manufaktur einen neuen 48-Volt-Antrieb mit und ohne stufenloses Getriebe anstelle einer Gangschaltung zur Saison 2018 in die Läden.

Ebenfalls eine Kombination aus Mittelmotor und Automatik-Getriebe (drei Gänge) hat Oechsler. Zu den interessanten Details dieser „Drivematic“ gehören zum Beispiel die Manipulationssicherheit durch den Verzicht auf einen Geschwindigkeitssensor, eine ohne Taster funktionierende Schiebehilfe und die Verbindung zum Akku, die nur aus zwei Drähten besteht.

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Dass es nicht gar so flink geht mit der Entwicklung eines elektrischen Fahrradantriebs, lässt das Copenhagen Wheel erkennen. Das wurde auf der Eurobike Ende August als nunmehr in Deutschland wirklich zu bekommen annonciert, nachdem es schon mehrere Jahre lang als Idee und Projekt Aufmerksamkeit erregt hatte. Das in Amerika von Superpedestrian entwickelte Hinterrad enthält in einem voluminösen roten Nabenkörper den gesamten Antrieb: Motor, Akku, Steuerung. Ohne jede Verkabelung montiert, soll der mit rund 1700 Euro nicht sonderlich preisgünstige Antrieb über Bluetooth vom Smartphone aus bedient werden. Die Reichweite des zur Rekuperation fähigen Copenhagen Wheel wird mit fünfzig Kilometer angegeben. Auch die öfter mit launigem Unterton geäußerte Erkundigung, ob man denn für den Fall der Fälle einen Reservetank am Elektrorad habe, erübrigt sich längst.

Ein Akku verschwindet im Unterrohr

Einen zweiten Akku einzupacken war schon immer kaum eine Frage zusätzlichen Gewichts. Wohl aber musste man überlegen, wohin damit. Der Zweitakku am oder wie für die Saison 2018 nahezu obligatorisch im Rahmen, wie ihn Bosch offeriert, bietet außer mehr Reichweite vor allem die Möglichkeit, den zusätzlichen Energievorrat günstig für den Schwerpunkt des Fahrzeugs zu plazieren.

Riese und Müller macht das vor: Ein Akku verschwindet im Unterrohr, der zweite im Oberrohr. Bei Bulls werden zwei schlanke Shimano-Akkus von den Seiten her im Unterrohr des Mountainbikes untergebracht. Ist man mit nur einem unterwegs, dessen Kapazität mit weniger als 400 Wattstunden allerdings nur für einen kürzeren Gipfelsturm ausreicht, hat man daneben ein geschütztes Gepäckfach für Kleinkram.

Als Mountainbiker den Akku einfach in den Rucksack zu schieben ist im Falle eines Sturzes ein Risiko, wenn man den Block ins Kreuz bekommt. Evoq bietet einen Rucksack an, der den Akku gegen Herumschleudern sichert und das gute Stück wie auch den eigenen Rücken polstert. Eine explizit als E-Bike-Reservetank bezeichnete Powerbank bietet BMZ mit dem Akkupack Range Extender an. Das mobile Ladegerät soll zum Preis von knapp 500 Euro, einem Gewicht von etwa anderthalb Kilogramm und einem Energiegehalt von rund 250 Wattstunden schwächelnden 36-Volt-Antrieben etwa von Brose, Go Swiss und Suntour weiterhelfen.

Der Akkupack ist so dimensioniert, dass er in einen klassischen und hoffentlich stabilen Flaschenhalter passt. In dem wird er mit Klettbändern gesichert. Zusätzlich krallt er sich mit einer Gehäusenase fest. Die nach Herstellerangaben in etwa anderthalb Stunden mit dem Ladegerät des Rades aufgeladene Powerbank wird über ein Kabel mit der Ladebuchse des Hauptakkus am Rad verbunden. Der muss dementsprechend von außen zugänglich sein und sollte sich außerdem mit einem Rosenberger-Magnetstecker vertragen. Dazu gibt es Adapter.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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